von Christian Schönberg

Zollakademie ist größtes Holzmodulgebäude in Europa

Hansestadt Rostock ist die Heimat eines modernen Bildungscampus mit regionaler Wertschöpfung

Die Hansestadt Rostock ist die Heimat des größten Holzmodulgebäude-Komplexes von ganz Europa. Es entstand auf einem neuen Hochschulstandort für die Zollbehörde im Stadtteil Lichtenhagen. Schlüsselübergabe war am 29. Januar.

Insgesamt sind mehr als 1.000 Holzmodule in den Gebäudekomplex geflossen. Errichtet wurden neben der eigentlichen Universität auch zwei Siebengeschosser mit 624 Wohnungen für die Studenten. Damit werden Lehre, Wohnen und gemeinschaftliche Nutzung auf insgesamt 55.000 Quadratmetern Bruttogeschossfläche
vereint.

Investition von 230 Millionen Euro

Das Lehrgebäude umfasst neben den Unterrichtsräumen und Hörsälen auch eine Bibliothek, die Mensa und verschiedene Räume für die Verwaltung. Der Bund hat insgesamt 230 Millionen Euro in die neue Zollhochschule investiert. Damit handelt es sich bei dem Projekt um eines der bedeutendsten Bauvorhaben in Mecklenburg-Vorpommern.

Der Bau der Universität war von Anfang an bewusst auch als Schub für die Wirtschaft in der größten Stadt des Bundeslandes konzipiert. In Rostock hatte Nordex, ein Anbieter von Windkraftanlagen, die Rotorblattproduktion im Stadtteil Hinrichsdorf einstellen müssen. Am selben Fertigungsstandort sind nun die Holzmodule für den Gebäudekomplex in Lichtenhagen hergestellt worden.

55 Mitarbeiter bauten in der Halle von Kaufmann Bausysteme an den Modulen

Kaufmann Bausysteme hatte sich in diese Halle für die Umsetzung des Projekts eingemietet und 55 Mitarbeiter beschäftigt. Mit den dort gefertigten 641 Holzmodulen sind die beiden Studentenwohnheime entstanden. Sie bestehen aus Brettsperrholzplatten. Zählt man alle Bodenplatten zusammen, ergibt sich eine Fläche von 21.000 Quadratmetern. Damit ist das Bauvorhaben das größte in der Geschichte von Kaufmann Bausysteme.

Die in der Halle aufgebaute Fertigteilmontage erlaubte die Arbeit an 36 Modulen gleichzeitig. Verteilt auf fünf Fuhren konnten bis zu zehn Module zur Baustelle abtransportiert werden. Dabei kam den Machern und der Umwelt ein kurzer Fahrtweg vom Werk bis zum Hochschulstandort zugute: Lediglich 13 Kilometer lagen dazwischen. Das wiederum sorgte dafür, dass weniger Treibhausgase bei den Transporten ausgestoßen wurden und trug – auch zusammen mit dem Modulbauverfahren – wesentlich an der kurzen Zeit von zwei Jahren zwischen Baubeginn Anfang 2024 und Übergabe des größten Holzmodulgebäudeprojekts Europas bei.

Unter- und Erdgeschosse sowie Treppentrakte weiterhin aus Stahlbeton

Die Module bildeten den größten Teil der Gebäudekomplexe ab. Die Unter- und Erdgeschosse sowie die Treppenräume des Lehrgebäudes sind weiterhin mit Stahlbeton entstanden. Zudem kam eine Kombination aus Rohrdämmung und Steinwolle zum Einsatz, um die geforderten Brandschutz-Widerstandsklassen zu erreichen.

Dies galt insbesondere für die Abschottung der Leitungen: Im Sinne des Platzangebots sollten sie in möglichst geringen Abständen zueinander verlegt werden. Kaufmann Bausysteme hat für die haustechnischen Installationen keine klassischen Schächte in die Module einbauen lassen. Steig- und Fallstränge wurden dagegen auf der später dem Flur zugewandten Seite geführt.

Hier wiederum musste ein kluges Abschottungssystem eingerichtet werden, das Bränden widerstehen kann. Die Brandschutzschale „Conlit 150 U“ ließ sich in passgenau gefräste Bohrungen in die Deckenelemente einbauen. Die haustechnischen Leitungen werden in der Modulproduktion so eingebaut und vorgerüstet, dass sie nach dem Zusammenfügen der Module auf der Baustelle mehr oder weniger im „Plug-and-play“-Verfahren verbunden werden konnten.

Foto: Primus Development

von Christian Schönberg

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