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Wuchtiger Waldarbeiter

Motor-Grader G946B von Volvo CE

Ähnlich erging es den vielen Unebenheiten auf dem festgefahrenen Waldweg. Front- und Mittelschild schoben selbst die kleinsten Erderhebungen platt und trieben das gewonnene Material gleich in die tiefen Kuhlen der Fahrbahnoberfläche. Zurück bleibt somit eine fast topf­ebene Wegfläche, die der nachfolgende Schlepper mit seinen Rüttelplatten am Heck umgehend verfestigt.

Die Maschinenführer Jens Woicke und Hinrich Dierks bilden das Voraus-Team, das aus dem rund 800 Meter langen Schaukelpfad im Wald wieder eine mit schwerer Forsttechnik befahrbare Waldstraße zaubern soll. Beide verstehen ihr Handwerk. Für schnelle und präzise Ausführung sorgt modernes Equipment, das ihnen die Arbeit des Rohplanieren und Nachverdichten erleichtert.

Kraftvolle Verstärkung
Eigens für den Wegebau hat Betriebsleiter Boris Rodewald den neuen Motor-Grader G946B von Volvo angeschafft. Das gut 20 Tonnen schwere Arbeitstier verstärkt seit Sommer 2013 den Fuhrpark und hatte in vier Monaten schon über 500 Betriebsstunden im Straßenbau absolviert.

„Es musste nicht zwangsweise ein fabrikneuer Grader sein, aber auf dem Gebrauchtmarkt war nur Schrott mit zu vielen Betriebsstunden oder zu hohem Alter zu finden“, erklärt Rodewald. Sein bisheriger Schlepper mit Pöma-Anbaugrader war den umfangreichen Aufgaben nicht mehr gewachsen, die ein neuer Jahresauftrag der Niedersächsischen Landesforste versprach. Mit Hilfe von Jens Rehfeldt, Verkaufsberater bei Swecon in Garbsen, war die passende Maschine aus dem Volvo-Sortiment schnell gefunden. Das Gerät sollte flexibel einsetzbar, zuverlässig, sparsam im Verbrauch und möglichst einfach zu bedienen sein.

„Von allen Seiten hörte ich, dass ein Grader traditionell mit Stehkabine und mechanischer Steuerung ausgerüstet sein muss. Aber nach Probefahrten bei Volvo in Schweden stand für mich fest, dass mein Grader eine flache Kabine zum Sitzen und die Joystick-Schaltung haben wird. Etwas Besseres gibt es nicht“, resümiert der 37-jährige Firmenchef rückblickend. Sein junges Mitarbeiterteam käme gut mit dem Joystick zurecht und wolle keine traditionelle „Klaviersteuerung“ mit Dutzenden Hebeln und Pedalen für Schalten, Lenken, Schar-Bedienung oder Knicklenkung.

Die Baustofffirma ist im Besitz des Firmengründers Heinrich Rodewald. Er gründete 1989 den Betrieb für Erd- und Baggerarbeiten mit einem gebrauchten Mobilbagger. Mit dem Erwerb einer eigenen Abbaufläche für Sand startete sein Unternehmen Mitte der 90er Jahre in die Baustoffgewinnung, den Schüttguthandel und den Baustofftransport. Den Transport des Baumaterials haben anfangs Schlepper mit Tandemanhänger übernommen. Später folgten eigene Lkw. Der Aktionsradius liegt zwischen 30 und 80 Kilometer um den eigenen Standort.

Seit 2006 ergänzt die Lagerung und Aufbereitung von Bauschutt mittels mobiler Brechanlage die Aktivitäten. Dadurch kann Rodewald Mineralgemische selbst herstellen und vermarkten. Inzwischen hat Vater Heinrich dem Junior längst die Zügel in die Hand gelegt, der sukzessiv neue Ideen und Geschäftsfelder wie den Wegebau etabliert hat.

Heute beschäftigt das Unternehmen 18 Mitarbeiter, darunter zehn Maschinenfahrer, und bildet Berufskraftfahrer aus. Zum Fuhrpark zählen heute zehn Bagger, fünf Radlader, sieben Kipper-Lastzüge, drei Traktoren und ein Motor-Grader. Das Gros aller Baumaschinen hat Swecon geliefert.

Bei der Ausstattung des Motor-Graders hat Rodewald in die Vollen gegriffen. Um flexibel agieren zu können, ließ der gelernte Industriemechaniker die Straßenbaummaschine neben niedriger Kabine und Joystick-Schaltung mit zwei Schiebeschildern, Neigungsmesser, zusätzlichen Arbeitsscheinwerfern und Kit für die Straßenzulassung ausstatten. Außerdem ist der Allrader für den Einsatz mit Heckauf­reißer und 3D-Lasersteuerung vorbereitet.

Effizientes Arbeiten
Um ökologisch unterwegs zu sein, arbeitet der leistungsstarke Sechszylinder-Motor mit Abgasrückführung und erreicht dadurch die strenge EU-Emissionsstufe 3B (Tier 4i). Die Hydraulikanlage ist mit biologisch abbaubarem Öl befüllt, das kontinuierlich gefiltert wird, um die Einsatzzeit zu verlängern.
Das Elf- statt Achtgang-Getriebe erlaubt acht Leistungseinstellungen und sorgt für ein geringes Kriechgangtempo bei höherer Kraftausbeute im Arbeitsbetrieb. Die zahlreichen Features nutzt Grader-Fahrer Jens Woicke souverän und steuert die Volvo- Straßenbaumaschine präzise über den Waldweg.

An schmalen Stellen verwendet der 26-Jährige den Motor-Grader im Hundegang und planiert dank zweier Schiebeschilder links und rechts gleichzeitig den Boden. Drei bis vier Stunden hat der gelernte Berufskraftfahrer und bisherige Baggerführer für das Rohplanen und Nachverdichten der 800-Meter-Strecke kalkuliert. Dann müssen Bagger das abgeschobene Erdreich im Seitenraum verteilen, bevor der Grader die neue Schotterdeckschicht auftragen kann.

Seine freie Zeit nach der Schicht verbringt der Motor-Grader versteckt im Wald. Bei Höchsttempo von 40 km/h auf der Straße würde der tägliche Heimweg ins gut 80 Kilometer entfernte Groß Oesingen zu lange dauern und zu kostspielig sein. Die genaue Position lokalisiert das serienmäßige Volvo-Telematiksystem CareTrack. Es liefert außerdem wichtige Maschinendaten wie Betriebszustände, geleistete Arbeitsstunden oder Kraftstoffverbräuche und erinnert sogar an fällige Inspektionen.

Gute Auslastung
Gut 1.000 Betriebsstunden muss die Maschine im Jahr laufen, um sich zu rentieren. Neun Monate stehen dafür zur Verfügung. Zwischen Dezember und März herrscht meist Winterpause im Waldwegebau. Dann schlägt die Stunde für Boris Rodewald.

Als „ein Mann von draußen“, der selbst alle Maschinenberechtigungen vorzuweisen hat, setzt sich der Betriebsleiter in den frühen Morgenstunden wieder selbst hinter das Steuer eines Lkw und übernimmt für Bund und Land den Winterstreudienst. Als einer, der sonst Aufträge für die Firma reinholen und abwickeln muss, will er auch da nicht zimperlich sein.

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