Interview -

Im Bild v. l. n. r.: Patrick Schulte (Geschäftsführer SpanSet GmbH & Co. KG), Petra Nießen (Geschäftsführerin SpanSet-secutex GmbH), Boris Franke (Geschäftsführer SpanSet-secutex GmbH), Hans-Josef Neunfinger (Geschäftsführer SpanSet GmbH & Co.KG). (Foto: Dietmar Puttins)
Im Bild v. l. n. r.: Patrick Schulte (Geschäftsführer SpanSet GmbH & Co. KG), Petra Nießen (Geschäftsführerin SpanSet-secutex GmbH), Boris Franke (Geschäftsführer SpanSet-secutex GmbH), Hans-Josef Neunfinger (Geschäftsführer SpanSet GmbH & Co.KG). (Foto: Dietmar Puttins)

"Wenn man scharfkantige Lasten hebt, sind Schulungen zwingend"

Interview mit SpanSet-Geschäftsführer Hans-Josef Neunfinger

Herr Neunfinger, wozu dient die Fachtagung „Treffen an der ,Scharfen Kante‘“?
Hans-Josef Neunfinger: Wir möchten den Besuchern nahebringen, dass scharfe Kanten etwas sind, was man in den Griff bekommt. Schutzschläuche, beschichtete und aus Hochleistungsfasern gewebte, sind verfügbar und ermöglichen ein sicheres Arbeiten.

Wie ist es um das Wissen der Anwender bestellt?
H.-J. Neunfinger: Es werden viele Schulungen angeboten, aber zu wenige genutzt. Das nötige Wissen ist die Grundlage, um sicher arbeiten zu können. Wenn man scharfkantige Lasten hebt, die Risiken bieten, sind Schulungen zwingend.

Was bietet SpanSet dazu an?
H.-J. Neunfinger: Wir bilden in drei Bereichen fort. In der Hebetechnik unterweisen wir im Bereich der gesamten Anschlagmittel, in Bezug auf deren Anwendung und auf deren Prüfung. Dann unterrichten wir zu Ladungssicherung bei allen Arten von Transporten. Der dritte Bereich ist die Höhensicherung, wo man bei uns zweitägig mit praktischen Übungen trainiert wird.

Was kostet es, wenn man ein kleines Team zur Schulung zu SpanSet schickt, und wie ist die Nachfrage nach Ihren Schulungen?
H.-J. Neunfinger: Der Preis hängt vom Seminaraufbau ab und liegt so zwischen 280 und 350 Euro pro Tag und Person. Wir kommen aber auch zu den Unternehmen ins Haus. Seminare bei Kunden kosten irgendwo zwischen 1000 und 1500 Euro pro Tag. Die Nachfrage selbst ist groß. Angesichts der Risiken ist der Schulungsbedarf bei den Unternehmen bekannt, und so steigt die Nachfrage von Jahr zu Jahr.

Was leistet SpanSet, um die Arbeits-Risiken zu minimieren?
H.-J. Neunfinger: Wir haben Produkte entwickelt, wie etwa die secutex-Schutzschläuche, mit denen wir seit mehr als 30 Jahren erfolgreich Schutz gegen scharfe Kanten bieten. Neu bieten wir NoCut an. Das ist ein Schutzmaterial aus einer Hochleistungsfaser, die sehr schnittbeständig ist und die unsere Produktpalette der Schnittschutzmöglichkeiten deutlich erweitert. NoCut bietet den Vorteil, dass es flexibel ist, also auch da, wo man mit der Polyurethan-Beschichtung nicht hinkommt, weil es zu steif sein könnte.

Wo kommen SpanSet-Produkte hauptsächlich zum Einsatz?
H.-J. Neunfinger: Im Maschinen- und Apparatebau, in der gesamten Stahl verarbeitenden Industrie – sei es zum sicheren Transportieren von Profilen oder Coils. Es gibt aber auch Anwendungen im Kunststoffbereich. Nehmen wir etwa die Windindustrie. Ein Flügel hat auch eine scharfe Kante.

Können Sie ein Beispiel aus der Bauwirtschaft geben?
H.-J. Neunfinger: In Aachen ist beispielsweise das Reitstadion um eine Tribüne erweitert worden. Zum Transport der sehr empfindlichen Sichtbeton-Träger war ein Schutz des Hebebandes erforderlich. Deshalb kamen secutex-Kantenwinkel zum Einsatz.

In welche Länder werden Ihre Produkte vertrieben?
H.-J. Neunfinger: Wir sind weltweit mit 14 SpanSet-Gesellschaften aufgestellt – in Europa sehr stark, aber auch in Nord- und Südamerika, Australien und in Asien sind wir zu Hause. Von dort aus bedienen wir regional über exklusive Partner die Nachfrage in den Ländern, in denen wir keine Gesellschaften haben.

Ist die Nachfrage im Ausland groß?
H.-J. Neunfinger: Dass textile Anschlagmittel setzt sich weiter durch. Vor 30 Jahren begannen wir, mit unseren Entwicklungen das Hanfseil zu verdrängen. Heute findet man kaum noch ein Hanfseil, heute sind es die Rundschlinge oder das Hebeband. So setzt sich die Verdrängung in vielen Ländern fort.

Wir bringen mit Innovationen neue Dinge in diese Märkte hinein, und erleichtern so die Arbeit der Anschläger. So etwa mit der Verwendung von Hochleistungsfasern. Bei einer Schlinge, die 100 Tonnen Tragfähigkeit hat, können wir heute durch Hochleistungsfasern das Gewicht dieser Schlinge halbieren. Diese ist dann immer noch sehr leicht und handlich, gemessen an konventionellen Polyesterschlingen.

Sie sind u. a. für den Vertrieb verantwortlich. Welche Aufträge beschäftigen sie aktuell?
H.-J. Neunfinger: Es gibt im Moment zwei große Aufträge; unter anderem einen im Wert von mehr als 400.000 Euro aus der Wind­industrie für den Offshore-Bereich. Dort haben wir gerade sechs Rundschlingen mit einer Tragfähigkeit von 350 Tonnen und 27 Metern Länge gefertigt. Da wiegt eine Schlinge 1200 Kilogramm.

Wie sieht die wirtschaftliche Perspektive für SpanSet aus?
H.-J. Neunfinger: Das letzte Jahr waren wir wirtschaftlich sehr erfolgreich. Dieses Jahr planen wir einen Umsatzzuwachs von mehr als 5 Prozent. Wir sind im Moment im Plan und sehr zufrieden.

Herr Neunfinger, wir bedanken uns für das Gespräch.

Das Interview führte BauUnternehmer-Redakteur Dietmar Puttins am Rande der Veranstaltung „Treffen an der Scharfen Kante“ in Alsdorf bei Aachen.

Erschienen in Ausgabe: August 2015 | Seite 38

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