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Rund 275 Mitarbeiter produzieren aktuell über 950 Fahrzeuge im Jahr bei Langendorf.  (Foto: Puttins)
Rund 275 Mitarbeiter produzieren aktuell über 950 Fahrzeuge im Jahr bei Langendorf. (Foto: Puttins)

Voran in die Zukunft – Langendorf gibt Gas

Im Mai 2017 erwarb der polnische Fahrzeughersteller-Konzern Wielton 80 Prozent des deutschen Nutzfahrzeughersteller in Waltrop

Berlin / Waltrop – Seit am 23. Mai 2017 die Gesellschafter des deutschen Nutzfahrzeugherstellers Langendorf 80 Prozent ihrer Anteile an die polnische Wielton SA veräußerten (wir berichteten), scheint dem Anhängerhersteller aus Waltrop eine profitable Zukunft bevorzustehen. Gute vier Jahre ist es her, dass Investor Dr. Klaus P. Strautmann den damals insolventen Produzenten von Innenladern, Sattelkippern, Tieflader-Sattelauflieger und Spezialaufbauten übernahm und binnen zweier Jahre profitabel in den Markt zurückführte. Heute, unter dem „Dach“ von Wielton, einem der größtem Hersteller von Nutzfahrzeuge in Europa, herrscht bei Langendorf Aufbruchstimmung: Ein neues Werk soll in Waltrop bzw. im Landkreis Recklingshausen gebaut und die Marke Langendorf langfristig gestärkt werden. Der Trailer-Spezialist und Nischenanbieter für kundenorientierte Lösungen setzt auf Wachstum. Am 24. August erläuterte der Vorstandsvorsitzende von Wielton S.A, Mariusz Golec, gemeinsam mit Langendorf-Geschäftsführer Dr. Klaus P. Strautmann auf einer Pressekonferenz in Waltrop die „Wiel­ton-Wachstumsstrategie 2017-2020“ und welche Rolle Langen­dorf dabei zukommt.

Die Strategie basiert demnach auf organischem Wachstum und Kundengewinnung. Die Ziele der Gruppe betreffen vor allem einen Umsatzanstieg auf 2,4 Mrd. Polnischer Zloty 2020 (von 1,2 Mrd. PLN in 2016), ferner eine Verkaufszunahme von 12.900 bis auf 25.000 Fahrzeuge und das Aufrechterhalten einer hohen Rentabilität.
Die Wielton-Strategie setzt eine Verdopplung der Ergebnisse durch die Erhöhung der Präsenz der Gruppe auf den globalen Märkten voraus. Die Übernahme der deutschen Gesellschaft Langendorf im Mai 2017 war demnach der erste Schritt in der Umsetzung der verkündeten Strategie.

Die Wielton-Gruppe plant eine starke Wettbewerbsposition auf den führenden Märkten aufzubauen, auf denen sie tätig ist – in Polen, Frankreich, in Italien und in Mittel- und Osteuropa. Wielton will zudem auf den Märkten der acht Länder der Westafrikanischen Wirtschafts- und Währungsunion (UEMOA) präsent zu sein.

„Die konsequent von uns umgesetzte Strategie basiert auf der Ausnutzung des Potentials der übernommenen Gesellschaften, um eine starke Position unter den ersten 10 auf dem Weltmarkt und den dritten Platz in Europa halten zu können. Auf dem deutschen Markt planen wir unter den ersten fünf Verkäufern von Sattelanhängern zu sein – sagt Mariusz Golec, Vorstandsvorsitzender von Wielton S.A.

Langendorf – eine starke, lokale Marke
Langendorf mit Sitz in Waltrop ist ein Familienunternehmen mit einer über 125-jährigen Geschichte in der Produktion von Sattelaufliegern. Zurzeit gehört das Unternehmen zu den europäischen Spitzenherstellern von Fahrzeugen und bietet ein breites Spektrum an Produkten an: Sattelauflieger, Kipper, Transporter von Fertigbauteilen, Sattel-Tieflader, Doppelstock-Innenlader, Glas-Innenlader und Spezialfahrzeuge. Im Bereich der Glas-Innenlader ist Langendorf führend auf dem deutschen Markt mit einer 57 Prozent Marktanteil. Im ersten Quartal 2017 belegte das Unternehmen in Deutschland den vierten Platz hinsichtlich des Verkaufs von Kippern. 2016 verließen 1.000 Fahrzeuge das Werk in Waltrop.
Wielton stützt sein Wachstum auf starke, lokale Partnern. Nach erfolgreichen Übernahmen ist die Gruppe u. a. auf dem polnischen, französischen und italienischen Markt tätig. „Daher war die Übernahme einer auf dem deutschen Markt tätigen Firma ein weiterer, selbstverständlicher Schritt in der zielstrebig umgesetzten Strategie. In Folge dieser Übernahme erhöht die Gruppe Wielton ihren Anteil an einem in Europa größten und sehr erfahrenen deutschen Markt“, sagt Mariusz Golec.
Die im Mai 2017 erworbenen 80 Prozent an Anteilen von Langendorf hatten einen Transaktionswert von 5,3 Mio. Euro. Wielton will bis Ende 2022 die restlichen 20 Prozent übernehmen.

Erfolgreiche Zusammenarbeit
Die Fusion sei für Wielton und für Langendorf sehr vorteilhaft, führte Mariusz Golec aus. Die deutsche Gesellschaft erfreue sich eines hervorragenden internationalen Rufes und verfüge über einzigartiges Know-how, vor allem in der Herstellung von Glas-und Innenladern und Transportern von Fertigbauteilen. Dies sei eine der Schlüsselwertschöpfungen, von der in Folge Wielton profitieren werde.

Wielton habe einen Partner gewonnen, der sich auf dem lokalen Markt hervorragend auskennt. Langendorf seinerseits könne sein Angebot erweitern und Marktanteile in Bereichen erhöhen, in denen es bislang nicht möglich war.

Langendorf-Geschäftsführer Dr. Klaus P. Strautmann betonte auf der Pressekonferenz: „Dank der Verschmelzung der Kräfte der beiden Forschungs- und Entwicklungsbereiche aus Wieluń und Langendorf steigen die Möglichkeiten der Schaffung und der Vermarktung von innovativen Produktlösungen. Die Übernahme erlaubt uns ebenfalls, den Einkauf-Effekt in der Gruppe zu erhöhen und die Anzahl der hochspezialisierten Servicepunkte sowie der Partnerpunkte in Europa zu erweitern. Was für uns alle von großer Bedeutung ist: Langendorf wird weiterhin seine Produkte in Deutschland und auf den bisherigen Märkten unter der eigenen Marke verkaufen.“

Mit der Transaktion erweitert sich das Portfolio der Wielton-Gruppe um Spezialfahrzeuge wie Glas-und Innenlader, Transporter von Fertigbauteile und ISOXX-Kipper. Dies, so rechnet man bei Wielton, werde auch die Konkurrenz-Überlegenheit gegenüber anderen Herstellern beeinflussen und zu einem Umsatzanstieg um rund 200 Mio. PLN jährlich beitragen.

Langendorf in der Struktur der Gruppe Wielton
Wielton hat große Pläne mit Langendorf. „Dazu zählen unter anderem ein Umsatzanstieg auf dem deutschen Markt von 48 Mio. auf 80 Mio. Euro bis zum Jahr 2020, eine Jahres-Verkaufszunahme von 1.000 bis auf 2.5000 Fahrzeuge und das Aufrechterhalten einer hohen Rentabilität“, fasst Mariusz Golec zusammen.

Erschienen in Ausgabe: September 2017 | Seite 39

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