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Die 43 Meter lange Fußgängerbrücke „Half Penny Bridge“ in Irlands Hauptstadt Dublin besteht aus Gusseisen. Sie zählt zu den ersten ihrer Art und wurde 1816 eröffnet, nach einem Jahr Bauzeit.    (Foto: Shane Honan)
Die 43 Meter lange Fußgängerbrücke „Half Penny Bridge“ in Irlands Hauptstadt Dublin besteht aus Gusseisen. Sie zählt zu den ersten ihrer Art und wurde 1816 eröffnet, nach einem Jahr Bauzeit. (Foto: Shane Honan)

Von Irland lernen, heißt bauen lernen

Entscheidender Know-how-Vorsprung: Viele Rechenzentren in Deutschland werden von irischen Firmen errichtet.

Düsseldorf – Statik und Tragfähigkeit entscheiden über das Gelingen eines jeden Bauvorhabens. Verständlich also, dass bei ehrgeizigen Projekten die Expertise eines erfahrenen Bauunternehmens hinzugezogen wird. Das gilt insbesondere, wenn Unternehmen expandieren. Denn häufig sehen die Planungen neue Werkshallen, Büroräume oder Rechenzentren vor. Zur Umsetzung holen internationale Auftraggeber immer häufiger den Rat irischer Bauunternehmen ein. Denn diese zeichnen sich oft durch ein besonderes Maß an Erfahrung, Flexibilität und Can-Do-Mentalität aus.

Ein neues Technologiezentrum hier, ein gerade frisch errichtetes Wohnhochhaus dort; der Blick über die Dächer der deutschen Metropolen verrät, dass die deutsche Bauwirtschaft boomt. Die Branche wurde Anfang der 2000er von vielen noch als sinkendes Schiff bezeichnet und gehört doch heute zu den erfolgreichsten Wirtschaftszweigen im Land. Einen wesentlichen Anteil am Wachstum haben irische Bauunternehmen, die von deutschen Bauherren und Investoren in den vergangenen Jahren vermehrt bei den immer anspruchsvolleren Projekten ins Boot geholt wurden.
Ein gutes Beispiel dafür sind gewerbliche Immobilien für die IT-Nutzung. 2016 gingen rund 80 Prozent aller Großaufträge für den Bau neuer Rechenzentren in Frankfurt/Main an irische Unternehmen. Gründe sind insbesondere die langjährige Expertise und das umfassende Know-how, das die Betriebe aus der Zusammenarbeit mit vielen internationalen Akteuren aus der Branche gewonnen haben. Dies hat dazu geführt, dass irische Bauunternehmen in puncto moderner Technologien und ganzheitlicher Lösungskonzepte vorne liegen. Auftraggeber profitieren von diesem Wissens- und Innovationsvorsprung.

Zunehmende Digitalisierung der Bauindustrie
Trends wie der zunehmende Bedarf nach Energieeffizienz und die Digitalisierung tragen zum Aufschwung der Baubranche bei. „Um den wachsenden Anforderungen der Kunden aus den unterschiedlichen Branchensegmenten gerecht zu werden, vollzieht sich in der europäischen Bauindustrie seit einigen Jahren ein Paradigmenwechsel. Enormes Potenzial bieten in diesem Zusammenhang digitale Systeme“, erklärt Eddie Goodwin, Manager Germany, Switzerland and Austria Enterprise Ireland – einer staatlichen Agentur zur Förderung der irischer Unternehmen auf dem Weltmarkt. Während sich die nötige Infrastruktur in vielen Ländern noch entwickeln muss, setzen irische Bauunternehmen bereits seit Jahren Lösungen wie BIM (Building Information Modeling) ein. Kunden profitieren von optimierten Entwurfs- und Planungsverläufen sowie effizienteren Workflows und einer besseren Dokumentation. Die Einführung digitalisierter Prozesse im Bauwesen wird somit zunehmend zu einer Notwendigkeit. Irische Unternehmen tragen durch ihre Vorreiterrolle zur Standardisierung solcher Abläufe bei.

Fünf Erfolgsfaktoren irischer Bautechnik-Unternehmen
Irische Bauunternehmen punkten im internationalen Vergleich gleich in mehrfacher Hinsicht: sie sind flexibel, technologisch aufgeschlossen und erfahren. Kein Wunder, dass immer mehr deutsche Unternehmen mit den Innovationsvorreitern von der grünen Insel zusammenarbeiten. Die folgenden fünf Punkte fassen zusammen, was irische „Construction“-Unternehmen auszeichnet:

• 1. Kompetenz trifft Erfahrung
Mechanische und elektrische (M&E)-Auftragnehmer aus Irland verfügen heute nicht nur über weltweite Projekterfahrungen in den unterschiedlichsten Marktsegmenten. Sie zeichnen sich zudem durch ein hohes Maß an Kompetenz aus – sowohl beim Kunden vor Ort als auch bei der Geschäftsentwicklung. Beispiele sind die Identifizierung neuer Projekte oder der Abschluss komplizierter Ausschreibungsunterlagen.

• 2. Know-how zu Technologien
Wenn es um moderne Technologien geht, treten irische Unternehmen durch ihre Offenheit und Agilität hervor. Beispiel BIM: Weltweit setzen Architekten, Ingenieure und Bauunternehmer verstärkt auf diesen 3D-Modell-Prozess, der ihnen Informationen und Werkzeuge für Planung, Entwurf, Konstruktion und Verwaltung von Gebäuden und Infrastruktur an die Hand gibt. Im Vergleich zu Mitbewerbern nutzen irische Firmen bereits seit Jahren digitalisierte BIM-Prozesse. Kunden profitieren von einer schnelleren Fertigstellung ihrer Bauaufträge. Nicht zu vergessen sind geringere Kosten nebst erhöhter Flexibilität.

• 3. Das große Ganze im Blick
Ganzheitliche Produktions- und Bauprozesse unterstützt von automatisierten Abläufen und digitalen Tools spielen für irische Bauunternehmen eine wichtige Rolle. Viele internationale Kunden vertrauen der Liefer- und Leistungsfähigkeit irischer Bauunternehmen.

• 4. Innovationsstärke
Irische Unternehmen entwickeln immer wieder innovative Lösungen, die die Bautechnik revolutionieren. Das blicksichere Glas, das in der Schweizer CERN-Kuppel und in zahlreichen Glaswandbüroumgebungen verbaut wurde und sich elektrisch verdunkeln lässt, ist nur ein Beispiel für Bauinnovationen „made in Ireland“.

• 5. Offenheit und Agilität
Irische Unternehmen verfügen über gut ausgebildete Mitarbeiter, die sehr offen gegenüber Neuem sind, flexibel auf Veränderungen des Marktes reagieren und als Early Adopter schnell das Potenzial in anderen Ländern erkennen.

Praxisbeispiel: Collen Construction Ltd setzt Maßstäbe
Collen Construction Limited ist ein familiengeführtes Bauunternehmen mit Sitz in Dublin, das 1810 gegründet wurde. Als einer der ältesten irischen Betriebe dieser Branche hat Collen im Verlauf der 200-jährigen Firmengeschichte eine beeindruckende Liste prestigeträchtiger Projekte in den unterschiedlichsten Bereichen wie zum Beispiel Wohnungsbau, kommerzielle Gebäude und Büros oder unterschiedliche Verwendungszwecke abgeschlossen. Zudem ist Collen als führendes Data-Center-Bauunternehmen anerkannt, hat seit 2010 Bauprojekte im Wert von mehr als 550 Mio. Euro mit einem internationalen Kunden abgeschlossen und sich als Spezialist für schlüsselfertige Rechenzentren einen Namen gemacht.
In den vergangenen fünf Jahren hat Collen Construction hochtechnisierte Anlagen mit einer Gesamtfläche von nahezu 150.000 Quadratmetern errichtet und seine Geschäftstätigkeit auf den kontinentaleuropäischen Markt mit Geschäftsstellen in Deutschland und Schweden ausgedehnt. Thomas O’Connor, Director of Operations für Deutschland und Schweden bei Collen Construction, sagt: „Ein Hauptbeweggrund der internationalen Kunden, sich beim Bau eines Rechenzentrums an Collen zu wenden, ist unser über die Jahre gewonnenes tiefes Verständnis für die speziellen Anforderungen eines solchen Projekts. Mit unserem klaren und fokussierten Ansatz können wir bei jedem Projekt kundenspezifische Anforderungen maßgeschneidert und individuell umsetzen. Dank unserer Erfahrungen wissen wir genau, wie wir Innovationsstärke mit optimaler Effizienz verbinden und so die modernsten und innovativsten Bautechnologien des Marktes in das Endprodukt einfließen lassen.“ 2014 startete Collen mit dem Bau eines neuen Rechenzentrums für ein internationales Unternehmen ein erstes Pilotprojekt in Frankfurt/Main. Seitdem gab es bereits fünf weitere Bauphasen, die die Kapazitäten der Anlage kontinuierlich erweitert haben. Auf Wunsch des Kunden übernahm Collen auch das Management von Aspekten wie Planung, Design und Speziallieferungen. Die Firmenkultur von Collen konzentriert sich auf einen proaktiven Partnerschaftsansatz in jedem Geschäftsbereich. Hierzu gehört auch der Aufbau und die Pflege sogenannter „Can-Do“-Beziehungen zum Kunden. Die Firmenführung interessiert sich nicht nur für Umsatzsteigerungen allein der Erlöse wegen. Im Mittelpunkt allen Handelns stehen immer das Engagement und die Motivation, das Beste für den Kunden zu erreichen. Zwar gibt es auch viele einmalige Projekte. Collen bevorzugt es aber, langfristige Beziehungen zu Kunden aufzubauen. Über die Hälfte aller Kunden im Auftragsbuch haben bereits mehrfach mit dem Bauunternehmen zusammengearbeitet.

Fazit
Irische Bauunternehmen spielen im internationalen Vergleich längst in der ersten Liga. Überall auf der Welt vertrauen Kunden auf ihre Expertise und Erfahrung und haben zahlreiche Bauaufträge von den Unternehmen aus Irland erfolgreich umsetzen lassen – darunter namhafte IT- und Biopharmaunternehmen, weil die Unternehmen von der grünen Insel den Auftraggebern den Zugang zu neuesten, digitalen Technologien sichern.

. Redaktion

Erschienen in Ausgabe: Juli 2018 | Seite 7

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