von Redaktion
IW-Studie: Vier von fünf Unternehmen klagen über mehr Bürokratie
Zahl der Regelungen bei Bundesgesetzen ist seit 2010 um mehr als 20 Prozent auf 100.000 gestiegen
Auch in den vergangenen drei Jahren ist der bürokratische Aufwand für Unternehmen in Deutschland deutlich gestiegen. Das zeigt eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). Abhilfe leisten könnten mehr Selbstverpflichtungen und Vertrauen. Denn inzwischen gibt es allein in der Bundesgesetzgebung etwa 100.000 zu befolgende Regelungssachverhalte, über ein Fünftel mehr als 2010.
Hinzu kommen wachsende Reporting-Auflagen aus dem EU-Recht im Bereich Klima, Umwelt, Menschenrechte und Soziales. Auch die für Unternehmen zuständigen Verwaltungen in den Ländern und Kommunen sehen sich in der Umsetzung zunehmend überfordert, sodass Genehmigungsverfahren für Bauten und Anlagen immer länger dauern.
IW-Studie zu mehr Bürokratie: 1000 Unternehmen befragt
In einer repräsentativen Unternehmensbefragung mit dem IW-Zukunftspanel hat das IW über 1.000 Unternehmen danach befragt, wie sich die Bürokratielasten aus ihrer Sicht in den letzten drei Jahren entwickelt haben, wo sie die wesentlichen Gründe und Treiber für Bürokratie sehen und welche Wege zum Bürokratieabbau zielführend sein könnten. Auch die Arbeit der Verwaltungen wurde von den Unternehmen beurteilt. Rund 80 Prozent der Unternehmen in Deutschland berichten von einem gestiegenen Aufwand für die Erfüllung gesetzlicher Berichts- und Dokumentationspflichten in den vergangenen drei Jahren. Mehr als die Hälfte spricht dabei von einem deutlichen Anstieg. Das zeigt eine repräsentative Unternehmensbefragung des IW aus dem Herbst 2025, an der mehr als 1.000 Betriebe teilnahmen. Eine sinkende Belastung geben gerade einmal 1,5 Prozent der Unternehmen an, und knapp jedes fünfte Unternehmen sieht keine Veränderung.
IW-Studie zu mehr Bürokratie: Langsame Verwaltung lähmt Wirtschaft
Viele Unternehmen sehen Probleme in den Behörden: Rund 70 Prozent halten Verwaltungsverfahren für zu langsam. Gut 60 Prozent sagen, vorhandene Ermessensspielräume würden nicht ausreichend genutzt. Etwa jedes zweite Unternehmen bemängelt fehlende Kapazitäten bei der Antragsbearbeitung oder zweifelt an der fachlichen Expertise in den Verwaltungen – dabei war hohe Fachkompetenz jahrzehntelang ein Qualitätsmerkmal deutscher Behörden
Als wichtigsten Ansatz zum Bürokratieabbau nennen mehr als 90 Prozent der Betriebe weniger umfangreiche EU-Vorgaben. Rund drei Viertel sehen in einer zentral organisierten, digitalen Verwaltung eine Entlastung. Zudem sprechen sich mehr als 60 Prozent für geringere Haftungsrisiken von Verwaltungsmitarbeitern bei Fehlentscheidungen aus, um zügige Verfahren zu ermöglichen. Wenn der Gesetzgeber auf weitere detaillierte gesetzliche Vorgaben verzichtet, wären viele Unternehmen im Gegenzug bereit, strengere Haftungsregeln zu akzeptieren.
IW-Studie zu mehr Bürokratie: Unternehmen brauchen Vertrauen
Statt immer detaillierter zu regulieren, muss die Politik den Unternehmen mehr Vertrauen schenken und Verwaltungsmitarbeitern Entscheidungsspielräume geben“, sagt IW-Bürokratieexperte Klaus-Heiner Röhl. Die Wirtschaft würde zudem spürbar profitieren, wenn widersprüchliche Gesetze besser abgestimmt und neue Vorhaben konsequent auf ihren tatsächlichen Regelungsbedarf geprüft würden. Gleichzeitig brauche es effizientere Strukturen in der Verwaltung. „Mit einer digitalen Verwaltung und enger föderaler Zusammenarbeit können die Behörden das Zuständigkeitswirrwarr beenden“, sagt Röhl.
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