von Redaktion
Trotz unsicherer Märkte: 24 Prozent mehr Baugenehmigungen im Februar
Bauwirtschaft fordert: Politik soll Taten sprechen lassen und warnt vor verfrühter Euphorie
Für den Februar hat das Statistische Bundesamt im Vergleich zum Vorjahresmonat ein Genehmigungsplus bei Wohn- und Nichtwohngebäuden (Neu- und Umbau) von 24,1 Prozent gemeldet. Das heißt konkret, es sind 22.200 Wohnungen mehr genehmigt worden als im Februar 2025. Trotz der positiven Zahlen warnt die Bauwirtschaft
Auch der Aufwärtstrend bei den Genehmigungen für den Neubau von Mehrfamilienhäusern setzte sich mit rund 11.400 genehmigten Wohnungen (+ 18,0 Prozent) gegenüber Februar 2025 fort. In den ersten beiden Monaten des Jahres wurden 41.700 Wohnungen in neuen und bereits bestehenden Gebäuden genehmigt. Damit ergibt sich ein Plus von 16,2 Prozent.
Bauindustrie warnt trotz mehr Baugenehmigungen: "Iran-Krieg wirkt sich bereits negativ aus"
„Zum Jahresstart waren wir für den Wohnungsbau optimistisch gestimmt. Wir hoffen, dass sich der Aufwärtstrend fortsetzt, allerdings wirkt sich der Irankrieg bereits jetzt schon teilweise negativ aus. Und zwar nicht nur preissteigernd auf Benzin, Diesel und Bitumen, sondern er führt auch dazu, dass sich die Produktion besonders energieintensiver Baumaterialien verteuert. Im Wohnungsbau entfallen immerhin 22 Prozent des Bruttoproduktionswertes auf den Materialverbrauch. Auch in den Bauzinsen, die sich an den zehnjährigen Bundesanleihen orientieren, wird die aktuell hohe Marktunsicherheit eingepreist.“ Mit diesen Worten kommentiert der Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie (HDB), Tim-Oliver Müller, die heute vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten Baugenehmigungszahlen für den Februar 2026.
Baugenehmigungen: Bauindustrie fordert schnelle Umsetzung eines Bau-Turbo II
„Auch wenn die Baugenehmigungen zaghaft steigen, ist dies kein Automatismus dafür, dass mehr gebaut wird. Viele Bauherren nutzen zwar die Möglichkeit, endlich eine Genehmigung zu erlangen. Nach wie vor hohe Kosten, Auflagen und Bürokratie stehen einem tatsächlichen Baubeginn aber nach wie vor entgegen. Die Bundesregierung ist deshalb weiterhin aufgefordert zu handeln. Hierfür sollte schnell ein Bau-Turbo II aufgelegt werden, der sich insbesondere um die Verbesserung der Finanzierungsmöglichkeiten am Bau konzentriert. Bestandteile sollten sowohl eine Sonderabschreibung für EH55-Gebäude als auch eigenkapitalunterstützende Darlehen sein. Dann wäre ein Schub noch in dieser Legislaturperiode möglich”, so Müller.
Mehr Baugenehmigungen: ZDB hält echte Trendwende für möglich
Auch der Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB) warnt vor verfrühter Euphorie, ist aber überzeugt, dass trotz aktueller Marktunsicherheiten eine echte Trendwende durchaus möglich ist. "Der Aufwärtstrend aus dem Vorjahr setzt sich fort. Das sind gute Nachrichten – aber nur besser als gestern ist noch nicht gut", sagte ZDB-Hauptgeschäftsführer Felix Pakleppa.
Auch Pakleppa drückt vor den Hintergrund der akut verunsicherten Märkte aufs Tempo: "Wer jetzt die Hände in den Schoß legt, verkennt den Ernst der Situation, denn noch immer werden in Deutschland viel zu wenige Wohnungen genehmigt. Es müssten mindestens 30.000 Genehmigungen im Monat sein. Und was heute bei den Genehmigungen fehlt, belastet den Wohnungsmarkt weiter. So bekommen wir die Wohnungskrise nicht gelöst. Und nicht jede Genehmigung wird auch ein Bauauftrag und damit eine neue Wohnung.
Pakleppa: "Wohnungsmangel ist kein Naturgesetz"
Immer wenn die Förderung stimmt, reagieren Bauherren und Investoren. Dann wollen sie bauen und die Genehmigungen steigen. Gerade bei dem aktuellen Zinsniveau und den kriegsbedingt wieder gestiegenen Materialpreisen braucht es eine passende Förderung und Verlässlichkeit: Die Neubauförderung muss langfristig gesichert, nicht jährlich neu verhandelt werden. Parallel muss die bis 2029 noch laufende Sonder-AfA vom EH-40- auf den EH-55-Standard abgesenkt und beim Gebäudetyp E noch in diesem Jahr ein klarer Rechtsrahmen geschaffen werden. Eine echte Trendwende ist möglich. Jetzt muss die Politik Taten sprechen lassen, dass sie es mit dem Wohnungsbau wirklich ernst meint. Der Wohnungsmangel ist kein Naturgesetz."
(Foto: Pixabay)
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