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Bauwirtschaft: Bürokratie bremst Arbeitsmigration aus

Bundesvereinigung mittelständischer Bauunternehmen (BVMB) fordert schnellere Verfahren zur Anerkennung ausländischer Fachkräfte

Qualifizierte Zuwanderer aus dem Ausland sollen nach Ansicht der Bundesregierung eine Schlüsselrolle beim Kampf gegen den Fachkräftemangel in der deutschen Bauwirtschaft einnehmen. Bundesweit fehlen nach Berechnungen des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung (KOFA) mehr als 630.000 Fachkräfte. Die deutschen Baufirmen sind auch durchaus gewillt, diesen Weg einzuschlagen und ausländische Fachkräfte in ihren Betrieben zu integrieren. Doch macht ihnen die Bürokratie dabei oft einen Strich durch die Rechnung.

 

„In der Praxis ist das allerdings leider oft gar nicht so einfach“ klagt die Bundesvereinigung Mittelständischer Bauunternehmen e.V. (BVMB) über „deutlich zu lange Bearbeitungszeiten und unzureichende Kommunikation“ bei den Ausländerbehörden. BVMB-Hauptgeschäftsführer Michael Gilka berichtet von zahlreichen Beschwerden von Mitgliedsbetrieben, die mit Versuchen, ausländische Fachkräfte aufzunehmen, zum Teil gescheitert sind.

Nach einem Vierteljahr kam die Eingangsbestätigung

Als Haupthemmnis sehen die betroffenen Unternehmen die Komplexität der bestehenden Regelungen und damit auch die Anerkennung von ausländischen Berufsqualifikationen. „Hier muss sich schnell was tun“, fordert Gilka eine Vereinfachung der Verfahren und Aufklärung der Unternehmen über die den Regelungen zugrunde liegenden Abläufe. Nicht nur die mittelständischen Bauunternehmen plagt ein immer drängender werdender Fachkräftemangel. Viele Stellen können nicht mehr qualifiziert nachbesetzt werden. Zuwanderer aus dem Ausland waren bei den vielen Spitzengesprächen zwischen Bundesregierung und Bauwirtschaft als ein Ausweg markiert worden. Die Umsetzung scheitert allerdings allzu oft an der deutschen Bürokratie.

In der Praxis versagt das Verfahren auf ganzer Linie

Dass in der Praxis die Arbeitsmigration nicht funktioniert, zeigt ein Beispiel eines Mitgliedsbetriebs aus Nordrhein-Westfalen. Dort hatte sich ein junger Mann aus Marokko angeboten, eine Lehre als Gleisbauer zu absolvieren. Zum 1. August sollte er dort anfangen. Ende Mai hatte die Baufirma bei der Zentralstelle Fachkräfteeinwanderung einen Antrag für das beschleunigte Fachkräfteverfahren eingereicht. „Ein Vierteljahr lang hat die Firma trotz mehrerer Nachfragen keine Silbe von der Behörde gehört, und nach diesem Vierteljahr kam nur die Bestätigung, dass der Antrag eingegangen sei“, schüttelt Gilka den Kopf.

Nach weiteren Nachfragen forderte die Behörde Unterlagen nach, die im Onlineportal nie als erforderlich bezeichnet gewesen seien. Die lange Verzögerung bei der Bearbeitung des Antrags führte unter anderem dazu, dass während des Verfahrens die Gültigkeit des Sprachzertifikats des Bewerbers ablief. „Das Ende vom Lied war, dass der Marokkaner, der daheim bereits seine Arbeit und seine Wohnung aufgegeben hatte, frustriert aufgegeben hat und seinen Plan, nach Deutschland zu kommen, wieder über Bord geworfen hatte“, berichtet der BVMB-Vertreter.

Dramatische Folgen für Bauwirtschaft und ausländische Bewerber

„Es kann nicht sein, dass die Politik unseren Baufirmen erzählt, dass die Kardinalslösung für den Fachkräftemangel in der Zuwanderung ausländischer Fachkräfte liege, es dann aber nicht schafft, die entsprechenden zuverlässigen Strukturen zu etablieren, damit das in der Praxis tatsächlich umgesetzt werden kann“, schimpft der Vertreter der Bundesvereinigung Mittelständischer Bauunternehmen und fordert eine „schnelle Professionalisierung“ der Abläufe in den Ausländerbehörden sowie eine Aufstockung des Personals. Für die betreffenden Baufirmen sei das „ein Riesenärgernis in mehrfacher Hinsicht“ – zum einen bestehe die Gefahr, dass sie, obwohl sie bereit dazu wären, auch auf diesem Weg keine neuen Fachkräfte bekommen. Zum anderen investierten sie viel Zeit und Geld für solche Verfahren, um am Ende dann „mit leeren Händen dazustehen“. Noch schlimmer aber sei die Situation laut Gilka für die betreffenden Bewerber aus dem Ausland: „Die Entscheidung, nach Deutschland auszuwandern, trifft man ja mal nicht einfach so nebenbei. Das sind Lebensentscheidungen, die von der deutschen Verwaltung brutal zunichtegemacht werden und die dafür sorgen, dass diese Menschen selbst in ihrer Heimat noch einmal von vorne beginnen müssen.“ Darüber hinaus sei zu befürchten, dass sich immer weniger Ausländer für eine Stelle in Deutschland interessieren, wenn sich erst einmal herumspreche, mit welchen Schwierigkeiten die Auswanderung dorthin verbunden ist.

Bild: Auf deutschen Baustellen werden die Beschäftigten knapp: Laut Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung (KOFA)  fehlen mehr als 630.000 Fachkräfte (Foto: Pixabay)

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Erschienen in Ausgabe: online

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