von Christian Schönberg
SuedLink: Baurecht besteht jetzt auf der gesamten Strecke
Interview mit Projektleiterin Alexandra Schwerdorf: "Sehr viele Dinge laufen parallel"
Welche wichtigen Etappenziele sind zuletzt erreicht worden?
Alexandra Schwerdorf: Der Fortschritt von SuedLink lässt sich nicht an einzelnen Maßnahmen oder Einzeletappen festmachen. Sehr viele Dinge laufen parallel – und müssen das auch. SuedLink lebt von vielen kleinen Etappenzielen, die kontinuierlich erreicht werden müssen, um den Gesamtfortschritt dauerhaft abzusichern. Aus meiner persönlichen Sicht hat SuedLink jedoch Ende vergangenen Jahres das zentrale Etappenziel schlechthin erreicht: Mit dem Erhalt aller Planfeststellungsbeschlüsse verfügen wir über das komplette Baurecht entlang der gesamten Trasse.
Was bedeutet das konkret?
Damit ist das Gesamtprojekt vollständig in die Bauphase eingetreten. Seitdem wird überall entlang der gesamten Trasse in allen Baulosen gebaut. Nach vielen Jahren intensiver Planung, Genehmigung und Vorbereitung ist SuedLink damit insgesamt in der Umsetzung angekommen – ein entscheidender Meilenstein für das
Gesamtprojekt.
Wann soll die Inbetriebnahme erfolgen?
Der Start dieser Phase ist für Dezember 2028 geplant.
An welchen Teilabschnitten wird derzeit am intensivsten gebaut?
Entlang der gesamten SuedLink Trasse wird derzeit sehr intensiv gebaut. Wir haben unseren Teil der Trasse in zehn Lose unterteilt und in all diesen Abschnitten laufen parallel Tiefbauarbeiten, ergänzt durch vorgezogene Maßnahmen sowie zahlreiche Sonderbauwerke wie Straßen-, Gewässer- und Bahnquerungen. Die ersten Kabel sind gelegt. Besonders anspruchsvoll und entsprechend arbeitsintensiv sind die Bereiche mit geschlossenen Bauweisen sowie der Bergwerksabschnitt im Raum Heilbronn, wo die Arbeiten seit Längerem auf Hochtouren laufen. Ein zentraler Schwerpunkt ist außerdem der Konverterstandort Leingarten. Hier befindet sich das Projekt bereits in einer fortgeschrittenen Bauphase: Die Gebäude und wesentliche technische Anlagen sind weitgehend errichtet, aktuell stehen Montage, Vorinbetriebnahme und Inbetriebnahmevorbereitungen im Fokus.
Welches Ziel verfolgen Sie dort?
Ziel ist es, den Konverter noch in diesem Jahr in den Statcom-Betrieb zu überführen, um bereits vor der vollständigen Inbetriebnahme von SuedLink Blindleistung bereitzustellen und damit zur Stabilisierung des Übertragungsnetzes beizutragen. So setzt sich der Bau abschnittsweise entlang der gesamten Trasse fort – SuedLink wird Schritt für Schritt und gleichzeitig in vielen Regionen Realität.
Ist der Netzausbau per Erdkabel mit besonderen Herausforderungen verbunden?
Im Kern handelt es sich um bewährte Tätigkeiten wie Tiefbau, Kabellegung und den Bau von Sonderbauwerken – Arbeiten, die aus vielen anderen Infrastrukturprojekten bekannt sind und dort bereits erfolgreich umgesetzt wurden. Die besondere Komplexität von SuedLink ergibt sich vielmehr aus der Dimension des Projekts und den vielfältigen Rahmenbedingungen. Über viele hundert Kilometer arbeiten wir in ganz unterschiedlichen Bodenverhältnissen und Topografien. Dabei müssen zahlreiche Bodenhorizonte fachgerecht getrennt, bewegt und wieder eingebaut werden – häufig unter Grundwassereinfluss und unter hohen thermischen Anforderungen. Hinzu kommen hunderte Querungen von Gewässern, Straßen, Bahntrassen oder Schutzgebieten, die neben dem offenen Grabenbau den Einsatz spezieller Bauverfahren wie Spülbohrungen, Pressungen oder Micro-Tunnelbau erforderlich machen.
Wie anspruchsvoll ist die Logistik und wie gelingt es Ihnen deren Komplexität zu bewältigen?
Maschinen und die tonnenschweren Kabeltrommeln sind just-in-time an die jeweiligen Installationsorte zu bringen. Dafür sind zahlreiche temporäre Baustraßen und Umladeplätze notwendig. Gleichzeitig müssen Boden-, Umwelt- und Naturschutz jederzeit berücksichtigt werden.
Wie schaffen Sie es Eingriffe in Böden und Lebensräume so gering wie möglich zu halten?
Uns gelingt das durch frühzeitig geplante und umgesetzte Ausgleichsmaßnahmen. All dies erfordert eine sehr präzise Planung sowie eine enge Abstimmung mit Grundstückseigentümern und zuständigen Behörden. Und genau das ist die Herausforderung bei
SuedLink – die Kombination aus großer Projektlänge, unterschiedlichen geologischen und topographischen Bedingungen sowie hohen technischen und logistischen Anforderungen.
Was hat es mit der Technologie der Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung (HGÜ) auf sich?
HGÜ ist die effizienteste Art, große Strommengen über weite Strecken zu transportieren. Mit SuedLink können wir bis zu vier Gigawatt erneuerbaren Strom aus dem Norden verlustarm nach Süddeutschland bringen – genau dort, wo Industrien und Ballungsräume ihn brauchen. Dabei haben wir von TransnetBW uns gemeinsam mit TenneT für 525 KV-Kabel entschieden. Damit können wir Lastflüsse im Netz – also wie viel elektrische Leistung zwischen zwei Knoten übertragen wird – besser steuern. Das stabilisiert das gesamte Netz, macht es flexibler und wir können so die schwankenden Strommengen aus den erneuerbaren Energien besser in das Stromnetz in-
tegrieren.
Zieht das sichtbare Eingriffe nach sich?
Mit diesen 525 KV-Kabeln brauchen wir nur einen schmalen Korridor, um diese zu legen und zu installieren und sie selbst „hört und sieht“ man nach dem Bau nicht. Denn nach den Bauarbeiten wird an der Oberfläche abgesehen von den technischen Bauwerken kaum mehr etwas zu sehen sein. Die Landwirte können ihre Böden wie vor dem Bau wieder bewirtschaften.
Wo fehlen noch Genehmigungen und aus welchen Gründen?
Für SuedLink liegt mittlerweile das vollständige Baurecht entlang der gesamten Trasse vor. Es fehlen somit keine grundlegenden Genehmigungen mehr, die den Bau insgesamt infrage stellen. Gleichzeitig zeigt sich bei einem Projekt dieser Größenordnung im Baualltag, dass Anpassungen an der Planung notwendig werden können. Trotz sehr umfangreicher Erkundungen, Untersuchungen und Analysen im Vorfeld lässt sich nicht jede Situation vollständig vorwegnehmen. In der Umsetzung kann es vorkom-men, dass einzelne Maßnahmen vor Ort anders gelöst werden müssen als ursprünglich geplant oder dass unvorhergesehene Randbedingungen auftreten.
Was sind in solchen Fällen die nächsten Schritte?
In solchen Fällen kann es erforderlich sein, Planänderungen vorzunehmen oder einzelne Punkte genehmigungsseitig nachzuziehen. Das ist keine Besonderheit von SuedLink, sondern ergibt sich aus der Realität eines großen, linearen Infrastrukturprojekts, das sich über viele hundert Kilometer erstreckt und unter sehr unterschiedlichen lokalen Bedingungen gebaut wird.
Wie stark ist das Projekt von politischen Rahmenbedingungen und Zuschüssen abhängig?
Der Stromnetzausbau ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und Teil der allgemeinen Daseinsfürsor-ge. Daher werden die Kosten für die Errichtung, die Wartung und die Instandhaltung von Leitungen über die Netzentgelte auf die Netznutzer umgelegt. Sowohl TenneT als auch TransnetBW arbeiten bei SuedLink, wie auch bei allen anderen Netzausbauprojekten, möglichst kosteneffizient und wirtschaftlich. Dazu sind sie durch die Vorgaben des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG) und die Vorgaben der Netzentgeltregulierung verpflichtet. Die Investitionskosten von SuedLink werden über die geplante Mindestnutzungsdauer von 40 Jahren abgeschrieben und fließen in die Netz-entgelte ein.
von Christian Schönberg