von Christian Schönberg
Mehr neue Wohnungen genehmigt - aber Trend kann verpuffen
9,2 Prozent mehr neu zugelassene Wohnungen im April lassen nur wenig Hoffnung keimen
Im April 2026 sind in der Bundesrepublik Deutschland 20 200 neue Wohnungen genehmigt worden. Das teilte das Statistische Bundesamt (Destatis) Mitte Juni mit. Der Behörde zufolge waren das 9,2 Prozent mehr Baugenehmigungen als im April 2025.
Dabei stieg die Zahl der genehmigten Wohnungen im Neubau um 10,3 Prozent oder 1 600 auf 16 900. Die Zahl genehmigter Wohnungen, die durch den Umbau bestehender Gebäude entstehen, stieg im April 2026 gegenüber dem Vorjahresmonat um 4,0 Prozent oder 100 auf 3 200.
Mit 83.700 Wohnungen in den ersten vier Monaten des laufenden Jahres wurde ein Zuwachs von 13,2 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum verzeichnet. Diese Entwicklung machte sich auch bei den Mehrfamilienhäusern mit 44.300 neu genehmigten Wohnungen und einem Plus von 14,7 Prozent bemerkbar.
Tim-Oliver Müller: "Jetzt müssen daraus auch Projekte werden"
Bauverbände glauben hingegen nicht, dass sich die statistischen Daten eins zu eins in einen enormem Wirtschaftsschub umsetzen werden. Das habe bereits die Vergangenheit gezeigt, so beispielsweise Tim-Oliver Müller, Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie: „Aus Baugenehmigungen müssen jetzt Projekte werden", sagte er: „Aber genau hieran hat es in den letzten Monaten gehapert." Das belegen ihm zufolge die Fertigstellungszahlen für 2025 und der niedrige Auftragseingang der Bauwirtschaft.
Auch der Zentralverband Deutsches Baugewerbe blickt skeptisch auf die jüngst veröffentlichten statistischen Daten: Zwar halte der Aufwärtstrend der vergangenen Monate an. "Aber die Krise am Wohnungsmarkt ist noch lange nicht gelöst", sagt ZDB-Hauptgeschäftsführer Felix Pakleppa. "Wir kommen von einem historisch niedrigen Niveau", begründet er seine Skepsis. Gemessen am aktuellen Bedarf reichen laut Pakleppa die Genehmigungszahlen bei Weitem nicht aus.
Axel Gedaschko: "Bautätigkeit vom Bedarf meilenweit entfernt"
Auch für die Wohnungswirtschaft Deutschland (GDW) sind die auf dem Papier Hoffnung machenden Zahlen "keine Entwarnung", wie es in der Verbandsmitteilung zu der Destatis-Nachricht heißt: "Von einem Aufschwung kann derzeit angesichts stark eingebrochener Fertigstellungen im vergangenen Jahr und einem weiterhin absinkenden Geschäftsklima im Wohnungsbau absolut keine Rede sein", so GDW-Präsident Axel Gedaschko. In Deutschland werden jedes Jahr mindestens 320.000 neue Wohnungen, davon 100.000 Sozialwohnungen, benötigt, führt er aus: "Von diesem Bedarf ist die Bautätigkeit weiterhin meilenweit entfernt", so Gedachko.
Für die GDW sind ein verlässlicher bundesweiter Basisstandard für günstigeres und rechtssicheres Bauen, schnellere Planungs- und Genehmigungsverfahren, weniger Bürokratie und deutlich bessere Bedingungen für serielles und modulares Bauen notwendig. Gleichzeitig müsse die Förderung langfristig verlässlich, sozial zielgenau und auskömmlich sein.
Felix Pakleppa: "Sonder-AfA mit EH-55-Standard koppeln"
Felix Pakleppa begrüßt, dass dem Wohnungsbau im Rahmen der Baugesetzbuch-Novelle ein überragendes öffentliches Interesse anerkannt wird. Aber: "Damit wir auf den jährlichen Bedarf von 320.000 Wohnungen kommen, müssen mindestens 26.700 davon monatlich genehmigt werden", führte er weiter aus. "Hierfür brauchen wir bessere Anreize", so der ZDB-Hauptgeschäftsführer. Er zählt dazu die langfristige Sicherung der EH-55-Förderung. Zudem müsse die Sonder-AfA an den EH-55-Standard gekoppelt werden. Pakleppa fordert zudem, dass der Gebäudetyp E einen klaren Rechtsrahmen erhält. Dann könne auch günstiger gebaut werden.
Tim-Oliver Müller kritisiert, dass im Sondervermögen zwar 327 Millionen Euro für den Wohnungsbau vorgesehen, aber 2025 nur 37 Millionen davon abgeflossen sind. "Die nicht verausgabten Mittel müssen daher unbedingt im Bundeshaushalt 2027 dafür eingesetzt werden, den Wohnungsbau wieder in Schwung zu bringen", sagte er.
Müller hat dabei ebenfalls die Förderkulisse im Blick. Sie müsse, wie angekündigt, deutlich vereinfacht werden. "Hierbei reicht es aber nicht, die schon bestehenden Förderprogramme in die zwei Säulen 'Sanierung' und 'Neubau' aufzuteilen", so Müller: "Vielmehr braucht es auch eigenkapitalunterstützende sowie verbesserte, steuerliche Abschreibungsinstrumente und eine langfristige Planbarkeit der Programme für bezahlbaren Wohnungsneubau.“
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von Christian Schönberg