von Christian Schönberg
Schwammstadt als Standard der Bauleitplanung
Forderung für eine wasserbewusste Stadtentwicklung - Mit der Allianz "Gemeinsam für eine wasserbewusste Stadtentwicklung" interdisziplänes Netzwerk gebildet
Bei der anstehenden Novellierung des Baugesetzbuches muss die wasserbewusste Stadtentwicklung als Standard der Bauleitplanung verankert werden. Das forderte ein neues Netzwerk, das unter anderem die Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall (DWA) aus der Taufe gehoben hat.
Berücksichtigt werden muss demnach insbesondere, dass die Kommunen die Hauptlast dabei tragen werden, Siedlungsflächen zur Schwammstadt zu machen. Unter diesem Schlagwort werden mehrere Strategien vereint. Zum einen geht es darum, das Niederschlagswasser nicht nur abzuführen, sondern zu sammeln und selbst zu nutzen. Zum anderen gehört dazu auch, dass eine Siedlungsfläche gut mit Starkregenereignissen klarkommt, ohne dass es zu mitunter verheerenden Überschwemmungen kommt. Nicht zuletzt geht es auch darum, Stadträume naturnäher zu gestalten - beispielsweise durch mehr Pflanzenbewuchs, der wiederum das Wasser benötigt, das heute zumeist noch einfach abgeleitet wird.
Belastbare Planungsgrundlagen nötig
Um dieser Aufgabe gerecht werden zu können, benötigen Städte und Gemeinden belastbare Planungsgrundlagen, heißt es nun in einer aktuellen Mitteilung des Netzwerks, das unter dem Namen "Gemeinsam für eine wasserbewusste Stadtentwicklung" zusammengefunden hat. Administrative Klarheit und langfristige finanzielle Sicherheit müssen die Kommunen demnach haben, um der Schwammstadt-Aufgabe gerecht zu werden. Die Infrastruktur dafür muss integraler Bestandteil der baulichen Entwicklung werden und Standard in der Bauleitplanung sei, so eine weitere Forderung.
„Die wasserbewusste Stadtentwicklung ist kein Zusatz, sondern ein zentraler Baustein moderner Stadt- und Quartiersplanung“, betonte DWA-Vorständin Dr. Lisa Irwin-Broß bei einem kürzlich abgehaltenen parlamentarischen Abend mit politischen Vertretern unter anderem des Bundesumwelt- und -bauministeriums. Wichtig sei daher ein zukunftsweisender rechtlicher Rahmen. Ohne starken kommunalen Konsens und funktionierende Kommunalunternehmen werde es nicht gehen.
Schwammstadt macht bereits Schule
Betont wird, dass nicht bei Null angefangen wird. Bundesweit haben zahlreiche Städte und Gemeinden Schwammstadtprojekte angeschoben und umgesetzt (Der BauUnternehmer berichtete). Die Projekte funktionieren als Anpassung an den Klimawandel, haben laut dem Netzwerk die Lebensqualität in den Quartieren erhöht, wirken als überaus positiver Standortfaktor – und werden von den Bürgern angenommen. "Mit diesen Best-Practice-Beispielen müssen wir werben; bei der Politik, bei kommunalen Entscheidungsträgern sowie bei der Bevölkerung vor Ort", heißt es weiter.
Teil des Netzwerks sind neben dem DWA 23 Organisationen und Institute, darunter die Bundesarchitektenkammer, die Deutsche Bundesstiftung Umwelt, die Wirtschaftsbetriebe Duisburg sowie andere Stadtplaner und Landschaftsarchitekten, die sich um eine langfristige Versorgungssicherheit der Kommunen sowie deren Erhöhung der Lebensqualität sorgen.
Foto: Pixabay/WolfBrol
Bei einem Parlamentarischen Abend gab es den direkten Austausch zwischen Politik und Verbänden (von links): Carsten Träger, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesumweltministerium BMUKN, Alexander Bonde, Generalsekretär Deutsche Bundesstiftung Umwelt, Regina Paas, Abteilungsleiterin im BMUKN; Andrea Gebhard, Präsidentin der Bundesarchitektenkammer, DWA-Vorständin Dr. Lisa Irwin-Broß,, Dr. Olaf Joachim, Staatssekretär im Bundesbauministerium und Sebastian Beck, Vorstand der Wirtschaftsbetriebe Duisburg (Foto: Jan-Philipp Burmann/City-Press/DWA)
von Christian Schönberg