Bauwirtschaft -

Hauptverbands-Präsident Prof. Thomas Bauer (Bildmitte), Verbands-Hauptgeschäftsführer RA Michael Knipper (links im Bild) und Dr. Heiko Stiepelmann, Pressesprecher des Verbandes.  (Foto: DBU/Heiko Metzger)
Hauptverbands-Präsident Prof. Thomas Bauer (Bildmitte), Verbands-Hauptgeschäftsführer RA Michael Knipper (links im Bild) und Dr. Heiko Stiepelmann, Pressesprecher des Verbandes. (Foto: DBU/Heiko Metzger)

Rekorde bei Auftragsbeständen sorgen für gute Stimmung am Bau

Anzeichen einer Konjunkturbelebung im Wirtschaftsbau nehmen zu

DBU/Berlin – Trotz schwacher Umsätze zu Jahresbeginn herrscht in der deutschen Bauindustrie eine optimistische Stimmung. Das teilte der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB) auf seiner Jahrespressekonferenz in Berlin mit. Winterliche Witterung habe in den ersten Monaten des Jahres zu Produktionsausfällen geführt, „die Stimmung der Bauunternehmer zu Beginn des zweiten Quartals ist dennoch verhalten optimistisch“, sagte Verbandspräsident Prof. Thomas Bauer.

Bauer nannte drei Faktoren für die gute Stimmung am Bau: Zum einen habe sich die Konjunktur im Euro-Raum, speziell in Spanien und Portugal, „etwas erholt“. Zum anderen würde die stark export­orientierte Wirtschaft Deutschlands vom schwachen Außenwert des Euros profitieren. Der Wertverfall der Gemeinschaftswährung macht Produkte, die im Euro-Raum produziert wurden, im Ausland günstiger. Dadurch könnten deutsche Unternehmen mehr Produkte außerhalb der Euro-Zone absetzen. Das wirke sich positiv auf die deutschlandweite Baunachfrage der Unternehmen aus, argumentierte Bauer. Der Rückgang vieler Rohstoffpreise sei der dritte Faktor, der sich positiv auf die Stimmung am Bau auswirke, so HDB-Verbandspräsident Bauer.

Rekordauftragsbestand
In die Jahre 2012 und 2013 war die Baubranche jeweils mit Auftragsbestandsrekorden gestartet. Und im ersten Quartal 2015 sind die Auftragsbestände neuerlich auf Rekordhöhe gestiegen. Der Hauptverband rechne für die ersten drei Monate mit einem Auftragsplus von drei Prozent, teilte Bauer mit. Aktuell liege die Reichweite der Auftragsbestände bei fast drei Monaten. Der langfristige Durchschnitt beträgt 2,6 Monate.
Dabei haben sich die Auftragseingänge in den Segmenten sehr unterschiedlich entwickelt. Nach Schätzung des Hauptverbandes lagen die Auftragseingänge von Januar bis März im Wohnungsbau um neun Prozent über dem Vergleichsquartal des Vorjahrs: Auch im öffentlichen Bau konnten nach HDB-Einschätzung die Baubetriebe mehr Auftragseingänge verbuchen (plus acht Prozent). Schwach entwickelte sich hingegen der Wirtschaftsbau. Hier sanken die Auftragseingänge im Quartalsvergleich um vier Prozent.

Wohnungsbau stützen
Für den Wohnungsbau hat der Hauptverband seine Umsatzprognose vom Jahresbeginn bestätigt. Demnach erwartet der Verband in diesem Segment 2015 ein Umsatzplus von drei Prozent.
Doch Verbandspräsident Bauer sieht zwei Herausforderungen, die die Wohnungsbaupolitik in den nächsten Jahren meistern muss, wenn sich die Voraussetzungen für den Wohnbau in Deutschland nicht deutlich verschlechtern sollen.
Zum einen fordert er die Kommunen auf, zusätzliches Bauland auszuweisen – Bauer spricht hier direkt die Gemeinden in den Ballungsgebieten an. Nur so könne in den kommenden Jahren vor Ort ausreichend Wohnraum geschaffen werden. Zum anderen fordert Bauer, „den gesamten Regulierungsrahmen, unter dem Wohnungsbau heute stattfindet, auf den Prüfstand zu stellen.“ Zur Begründung weist der HDB-Präsident darauf hin, dass 40 Prozent der Kostensteigerung im Wohnungsbau, die seit 2000 aufgetreten sind, auf staatliche Vorgaben zurückzuführen seien. Konkret sei zum Beispiel die Energieeinsparverordnung (EnEV) für ein Fünftel der Kostensteigerungen im Wohnungsbau verantwortlich. Bei Natur- und Bodenschutz solle mit mehr „Augenmaß“ vorgegangen werden. Außerdem spricht sich Bauer für niedrigere Grunderwerbsteuersätze und „höhere Abschreibungsraten für Inves­titionsvorhaben in Gebieten, wo die Mietpreisbremse gelten soll“.

Anspringender Wirtschaftsbau
Laut Hauptverband mehren sich die Zeichen, dass die Nachfrage im Wirtschaftsbau dieses Jahres angesprungen ist. Bauer sprach von einem „deutlichen Stimmungsumschwung“.
Der HDB stützt seine positive Annahme u. a. auf eine aktuelle Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertag DIHK, der zufolge die Investitionsneigung des Verarbeitenden Gewerbes in Deutschland zurzeit wächst. Zudem lag der Auslastungsgrad der Kapazitäten im Verarbeitenden Gewerbe zu Beginn des zweiten Quartals deutlich über dem langjährigen Mittel. Diese Faktoren sprächen für ein Anziehen der Konjunktur auf dem Wirtschaftsbaumarkt. „Für einen deutlichen Schub reichen diese Impulse aus unserer Sicht jedoch noch nicht aus“, so HDB-Präsident Bauer. Daher bestätigte der Hauptverband auch seine zu Jahresbeginn getroffenen Umsatzprognose 2015 für den Wirtschaftsbau: plus 1,5 Prozent.

Öffentlicher Bau: Weiter hoffen
Positives berichtet Verbandspräsident Bauer vom öffentlichen Bau. „Unsere stetige Kritik am Zustand der Infrastruktur scheint inzwischen Früchte zu tragen.“ Bauer lobte, der Bund habe „in den vergangenen Monaten die Grundlagen für eine öffentliche Investitionswende“ gelegt. Die Bundesregierung hatte ein bereits im Herbst 2014 angekündigtes Investitionsprogramm, das 10 Mrd. Euro umfassen soll, konkretisiert. Demnach plant die Regierung zusätzliche 3,3 Mrd. Euro in Verkehrswege zu stecken. „Die Investitionslinie Verkehr wird von 10,8 Mrd. Euro im Jahr 2015 auf knapp 13 Mrd. Euro im Jahr 2017 steigen“, so HDB-Präsident Bauer. 1,1 Mrd. Euro sollen in den Ausbau der Breitbandnetze fließen, insgesamt 500 Mio. Euro in energetische Sanierung, altersgerechten Umbau und die Errichtung von Studentenwohnheimen. Diese guten Aussichten haben den HDB veranlasst, seine Jahresauftaktprognose für den Öffentlichen Bau nach oben zu revidiert. Jetzt erwartet der HDB in diesem Segment ein Jahresumsatzwachstum von 1,5 Prozent.

Erschienen in Ausgabe: Juni 2015 | Seite 2

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