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„Quality changes the world“ prangt in Großbuchstaben auf der oberen Kante der Produktionshalle. Gebietsverkaufsleiter Tony Thorpe ist absolut sicher, dass die Bagger deutschen Ansprüchen genügen. (Foto: Sany Germany)
„Quality changes the world“ prangt in Großbuchstaben auf der oberen Kante der Produktionshalle. Gebietsverkaufsleiter Tony Thorpe ist absolut sicher, dass die Bagger deutschen Ansprüchen genügen. (Foto: Sany Germany)

Qualität verändert die Welt

Chinesische Raupenbagger erobern Europa von Deutschland aus

Köln (Nordrhein-Westfalen) – 2011 fiel der erneute Startschuss für ein langfris­tiges Engagement des chinesischen Baumaschinenriesen Sany in Europa. Soweit der Plan. Ein erster Versuch vor rund zehn Jahren brachte – insbesondere im Baumaschinenbereich – damals nicht den erwünschten Durchbruch. Heute sind es ganz andere Maschinen und Ressourcen, mit denen Sany nach Europa drängt.

Chinesische Produkte lassen sich in unserem Land, das so stolz ist auf sein „made in Germany“, eben nicht vorbehaltlos vermarkten. Doch heute sieht alles anders aus; denn aus Fehlern lernt man ja bekanntlich: Heute zählt die Sany-Gruppe weltweit zu den zehn größten Herstellern von Baumaschinen. 
In China, wo in Spitzenzeiten bis zu 200.000 Raupenbagger pro Jahr verkauft werden, gehört Sany zu den Topexporteuren und hat in den letzten Jahren den höchsten Marktanteil in China mit über 10 Prozent erreicht. Dabei werden dann regelmäßig namhafte Wettbewerber auf die Plätze verwiesen.
Die Maschinen bewähren sich bereits in vielen anspruchsvollen Märkten außerhalb Asiens; längst stehen Ergonomie, Ökonomie und Wertbeständig im Fristenheft der Ingenieure ganz oben. Jede Maschine, die nach Europa geliefert wird, ist voll CE-konform und entspricht den hiesigen Anforderungen an ein modernes Arbeitsgerät. Den europäischen Grundstein legten die Sany-Verantwortlichen 2011 mit dem Start der Produktion von Betonpumpen in Bedburg, in der Nähe von Köln. Vergangenes Jahr stoppte Sany dann die Herstellung der Pumpen dort und die Reach Stacker traten auf den Plan. Von 2013 bis heute rollten pausenlos Hafenumschlagmaschinen aus der 10.000 Quadratmeter großen Produktionshalle zu ihren neuen Besitzern nach Belgien, Deutschland, Portugal, Italien und Russland. Weitere neue Aufträge aus Schweden und Großbritannien machen den europäischen Markteintritt perfekt.
Vertrieb, Ersatzteile und Service werden in Bedburg gemanagt, so garantiert Sany Germany schnelle Hilfe und kurze Stillstandzeiten. Besucht man das Unternehmen im Rheinland fallen einem sofort die Großbuchstaben an der Längsseite der Produktionshalle ins Auge: „Quality changes the world“, zu Deutsch „Qualität verändert die Welt“. „Hoppla!“, wird sich da schon manch einer gedacht haben. „Hoppla“, weil chinesische Gabelstapler eher für günstige Preise als für gute Qualität bekannt sind. Und „Hoppla“, weil man sich so einen Leitsatz als asiatischer Produzent nur auf die Fahne schreiben sollte, wenn man auch die Beweise dafür antreten kann. Und Sany macht’s und gewinnt immer mehr Marktanteile in Europa. 
Heute ist der Standort Deutschland Drehscheibe für die Entwicklung, den Vertrieb und die Produktion für Sany-Produkte in Europa. Das Team kommt aus verschiedenen europäischen Ländern und jeder Mitarbeiter verfügt über eine große Erfahrung in seinem Fachbereich. Der Prozess der Teambildung ist allerdings noch nicht abgeschlossen: Sany Germany sucht weiter qualifizierte Mitarbeiter für die Verwaltung, den Service sowie für Entwicklung und Forschung. 
„Nur so – wenn wir nach vorne schauen und expandieren – erreichen wir unser Ziel, ein echter Global Player zu werden. Die Investition in Sany Germany ist eine von vielen weltweit, die die Fertigungskapazitäten erweitern sollen. Die Schaffung neuer Zentren für Forschung und Entwicklung sorgt dafür, dass die Anforderungen der lokalen Märkte zufrieden gestellt werden“, erklärt Bart Decroos, Geschäftsführer von Sany Germany. 
Die Philosophie dahinter ist einfach: Konzentration auf die Kernkompetenzen Entwicklung und Herstellung. Vertrieb und Service sollen von zuverlässigen Partnern, sprich regionalen Händlern, mit entsprechendem Know-how übernommen werden. 
In Bedburg stehen Sany 25 Hektar zur Verfügung. Da ist Platz genug für ein weltweites Ersatzteillager und Raum für großzügige Expansionen. Auf dem Gelände befinden sich momentan auch zehn Sany-Hydraulikkettenbagger von 7,5 bis 33,5 Tonnen, ebenfalls bereit, den europäischen Markt zu erobern. „Wir starten erst einmal mit fünf Baggermodellen in unterschiedlichen Tonnagen“, erklärt Tony Thorpe, Gebietsverkaufsleiter Baumaschinen. „Wir sind uns sicher, dass unsere Maschinen die deutschen Bauunternehmer und Baggerfahrer positiv überraschen werden. Natürlich ist es nicht einfach, mit einem neuen Produkt in Deutschland Fuß zu fassen, aber wir wollen durch Qualität und Leistung überzeugen. Darum suchen wir nur qualifizierte Händler mit Know-how in Vertrieb und Service.“
Die Modellreihe für Europa ist das Ergebnis einer Zusammenarbeit von deutschen, amerikanischen und chinesischen Ingenieuren. Vorhandene und bewährte Konstruktionen wurden so modifiziert, dass sie den Kundenwünschen und den Gesundheits- und Sicherheitsanforderungen in Europa entsprechen. So lädt Sany interessierte Neukunden und Händler gerne ein, nach Bedburg zu kommen und die Bagger zu testen. 
Um der Nachfrage in Europa gerecht zu werden, setzt Sany einen hohen Fokus auf Sicherheit und Ergonomie. Alle Bagger sind serien­mäßig mit Sicherheitsventilen an Ausleger- und Armzylinder und Überlastwarneinrichtung ausgerüstet. Ein ferngesteuerter Notausschalter, Fahralarm, proportionale Joysticks, ROPS- und FOPS-zertifizierte Kabinen und zusätzliche Hydraulikschaltkreise gehören auch dazu. Die beiden kleineren Modelle (7,5 und 13,5 t) sind serienmäßig mit Planierschild und IIIA-Motoren ausgestattet. Die drei größeren Modelle (21,5 - 33,5 t) sind serien­mäßig mit Rückfahrkameras und IIIB-Motoren ausgerüstet. 
Die Maschinen werden in China montiert, in Kunshan und Lingang. Beide Einrichtungen sind auf dem neuesten Stand der Technik mit voll automatisierter Komponentenverteilung und Montageprozessen, die die Jahresleistung auf deutlich über 20.000 Einheiten bringen.

 

Kurzinterview mit Tony Thorpe, Gebietsverkaufsleiter Baumaschinen bei SANY

 

Bei Vertrieb und Service setzt SANY auf regionale Partner vor Ort. Wie gut ist das Service- und Händlernetz des chinesischen Konzerns heute in Deutschland aufgestellt?
Tony Thorpe: SANY Europa ist im Bereich Bagger in Deutschland in der Anfangsphase. Wir sind im Gespräch mit einigen potentiellen Partnern sowohl im Norden als auch in anderen Teilen des Landes. Deutschland ist für SANY einer der wichtigsten Märkte in Europa und für uns ist es sehr wichtig, hier die richtigen lokalen Partner zu finden, die zum einen im Service und After Sales Bereich sehr gut aufgestellt sind, zum anderen bereit sind mit SANY zu wachsen. Wir schauen uns momentan intensiv in Deutschland, aber auch anderen Ländern wie z.B. Frankreich um.

SANY gehört weltweit zu den größten Baumaschinen-Herstellern. Wie viele Großmaschinen setzt das Unternehmen pro Jahr in Europa ab?
Thorpe: SANY ist in Europa (und Deutschland) noch ein recht junges Unternehmen. Wir produzieren seit 2013 mobile Hafenumschlaggeräte in Deutschland für den gesamten europäischen Markt. Das Portfolio umfasst momentan Reach Stacker in verschiedenen Größen und wird Anfang 2015 durch Schwerlaststapler und Leercontainerhandler ergänzt. Wir haben in diesem Bereich in den vergangenen Monaten ein umfassendes Händlernetzwerk in Europa aufbauen können und erwarten dementsprechend steigende Umsätze in den kommenden Monaten. Mit der Erweiterung der Produktpalette im kommenden Jahr werden wir einen weiteren positiven Effekt erzielen. 
Im Bereich Baumaschinen konzentrieren wir uns in Europa im Moment auf die SANY Bagger sowie Raupenkrane. Wie schon erwähnt, stehen wir mit den Baggern in der Anfangsphase, wir konzentrieren uns in der ersten Phase darauf geeignete Partner zu etablieren, denn es ist uns enorm wichtig eine funktionierende Service- und Ersatzteilversorgung zu schaffen, bevor wir Maschinen in den Markt geben. Dies haben wir in Norwegen, Belgien, Holland und auch England bereits erreicht, Deutschland und Frankreich sind für uns die nächsten zentralen Schritte. In diesem Sinne erwarten wir auch in diesem Segment in den nächsten Monaten positive Entwicklungen und wachsende Umsätze.

Herr Thorpe, ich bedanke mich für das Gespräch. 

Die Fragen stellte DBU-Redakteur Heiko Metzger 

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