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Nicht alltägliche Kanalsanierung in Elmshorn

Mit Flowtite GFK-Rohren durchs Nadelöhr

Mochau (Sachsen) – Die Erschließung des neuen Quartiers Krückau-Vormstegen ist Teil eines großangelegten Stadtentwicklungsprojektes, das die Stadt Elmshorn in diesen Tagen vorantreibt. Im Zuge der umfangreichen Arbeiten werden auch Maßnahmen umgesetzt, die der vom stadteigenen Regiebetrieb Stadtentwässerung Elmshorn entwickelte Generalentwässerungs-plan vorsieht. Dabei wird die unterirdische Infrastruktur auf dem Areal nicht nur saniert, sondern komplett umgestaltet.

Den Anfang machte die Verlegung eines neuen Regenwassersammlers, der von der Ansgarstraße bis ins Osterfeld verläuft und die Reichenstraße quert. Eine besondere Herausforderung hierbei stellte die von der Schleswig-Holstein Netz AG betriebene überörtliche Gasleitung dar, die Teile des Baufeldes durchzieht. Da diese unter anderem große Unternehmen versorgt, die rund um die Uhr arbeiten, hätte eine Außerbetriebnahme erhebliche Kosten verursacht und wäre auch nur in einem sehr kurzen Zeitfenster möglich gewesen. Außerdem sollte die Bauzeit so kurz wie möglich sein, weil eine Vollsperrung der Reichenstraße den Verkehrsteilnehmern nicht zumutbar war.

Mit Blick auf diese Rahmenbedingungen entschieden sich die Ingenieure der Stadtentwässe-rung für Flowtite GFK-Rohre DN 800. Maßgeblich für die Entscheidung war neben den guten hydraulischen Eigenschaften und problemlosem Handling auf der Baustelle vor allem die geringe Wandstärke der Rohre, die entscheidend dazu beitrug, dass die Verlegung des neuen Regenwassersammlers durch das Nadelöhr unter der Gasleitung reibungslos vonstatten ging.

Mit der Verlegung des neuen Regenwassersammlers wurde – anders als ursprünglich geplant – nicht bis zum nächsten Haushalt gewartet. Diese Vorgehensweise war notwendig, da der alte Regenwasserkanal DN 1000 in der Ansgarstraße bei Hochwasser über keinen freien Auslauf verfügt. Es kommt deshalb zum Einstau, sodass nicht genügend Kapazität zur Verfügung steht. Durch den neuen Regenwasserkanal im Osterfeld über Schloßstraße, Vormstegen bis zum Auslauf in das Hafenbecken wird dieser Engpass beseitigt. Zusätzlich wird im Hafen ein Schöpfwerk errichtet, damit der Regenwasserkanal auch bei Hochwasser leerlaufen kann.

Ein weiterer wichtiger Grund war die geplante Straßenerneuerung der Ansgarstraße: Bei einer späteren Verlegung des Regenwassersammlers hätte die gerade fertiggestellte Straße erneut aufgerissen werden müssen. Darüber hinaus sollte der schnellstmögliche Beginn der Bau-maßnahme Reichenstraße einem Investor Baufreiheit bei der Umgestaltung des Kibek-Hochhauses ermöglichen.

Schnelles Handeln erforderlich
Bei seiner Eröffnung im Jahr 1959 war das Kibek-Hochhaus, das bis zum Jahr 2006 als Firmensitz der Teppich Kibek GmbH fungierte, das größte Geschäftshaus in ganz Schleswig-Holstein. Nachdem das Unternehmen neue Räume am Stadtrand von Elmshorn bezog, stand das denkmalgeschützte Objekt lange Zeit leer.

Im Zuge der Umgestaltung des städtischen Quartiers Krückau/Vormstegen und der Erschließung neuen Baulandes aber hat sich auch für das Elmshorner Wahrzeichen eine neue Nutzungsperspektive ergeben: Ein Unternehmen der Wohnungswirtschaft möchte die ehemaligen Geschäftsräume in barrierefreien Wohnraum umwandeln.

Der straffe Zeitplan des Investors verlangte der Stadt Elmshorn schnelles Handeln ab. Handlungsbedarf habe ohnehin bestanden, erläutert Dipl.-Ing. Heike Meier vom stadteigenen Regiebetrieb Stadtentwässerung Elmshorn: „Viele der alten Kanäle aus Steinzeug waren mittlerweile mehr als 90 Jahre alt und hatten das Maximum der zu erwartenden Nutzungsdauer bereits erreicht.“
Erwartungsgemäß hatte die lange Nutzung deutliche Spuren hinterlassen. Meier: „Das Er-gebnis der Kamerabefahrung zeigte Scherben- und Rissbildung, teils waren die Schäden wirklich gravierend.“
Das Fazit: Die Haltungen waren sowohl unter bautechnischen als auch hydraulischen Gesichtspunkten sanierungsbedürftig. „Zudem war das alte Kanalsystem auch kapazitativ an seine Grenzen gestoßen“, erläutert Meiers Kollege Dipl.-Ing. Thomas Beiersdorf, bei der Stadtentwässerung Elmshorn als Planungsingenieur für die Bedarfsplanung (Generalentwässerungsplanung) verantwortlich: „Die alten Regenwasser-Sammler in der Ansgarstraße hatten eine Nennweite von DN 1000 und 500, davon wurde der abgängige Regenwasserkanal DN 500 außer Betrieb genommen. Mit Blick auf die hohe Anzahl zulaufender Nebenstraßen, die bereits an den Regenwasserkanal der Ansgarstraße anschließen und noch angeschlossen werden müssen, war die Kapazität nicht mehr ausreichend.“ Der von der Stadt entwickelte Gene-ralentwässerungsplan sah deshalb eine Entlastung über den Bypass Reichenstraße DN 800 vor.

Vorausschauend gehandelt
Bei der Querung der Reichenstraße galt es eine Besonderheit zu beachten. Hierbei handelt es sich um eine auf dem Areal verlegte überörtliche Gasleitung der Schleswig-Holstein-Netz AG, die während der gesamten Baumaßnahme nicht außer Betrieb genommen werden durfte. Da mit Blick auf den Schutz der Versorgungsleitung auch nicht gedükert werden durfte, kam nur eine Querung infrage.
Ebenfalls aus Sicherheitsgründen nicht möglich war eine Unterquerung der Gasleitung im grabenlosen Vortrieb. „Beim Einbau der neuen Rohre kam es wirklich auf jeden Zentimeter an“, bringt Schachtmeister Maik Schöneweiß von der Johanssen Straßen-, Hoch- und Tiefbau GmbH die Lage auf den Punkt, „daher stellte sich sehr früh die Frage nach dem optimalen Werkstoff.“
Die Entscheidung fiel zugunsten von Flowtite GFK-Rohren, deren geringe Wandstärke sie für das Vorhaben prädestinierte; geliefert wurden die Rohre von der HWH Baustoffhandel GmbH in Henstedt-Ulzburg.

Geringe Wandstärke, leichte Handhabung
Die ausgewählten Rohre boten sich aufgrund einer Vielzahl von Vorteilen an. „Die Produkte bieten eine sehr hohe Steifigkeit, und das bei geringem Eigengewicht“, erläutert Thomas Wede, Gebietsleiter Amitech Germany GmbH, das Produkt. Das sogenannte Endlos-Wickelverfahren, das mit einem Stützkern aus einer wandernden zylindrischen Spirale statt eines festen Stahlzylinders arbeitet, gestattet die Fertigung von Rohren mit variierbaren Wandstärken und Längen.
„Dank ihres niedrigen Eigengewichtes lassen sich die Rohre leicht transportieren und auf der Baustelle problemlos handhaben – das wirkt sich natürlich auch günstig auf den Baufortschritt aus“, so Wede. Als gute Wahl für die Elmshorner Baustelle empfahlen sich die GFK-Rohre aber nicht zuletzt aufgrund ihrer geringen Wandstärke. „Die Gasleitung der Schleswig-Holstein Netz AG liegt in ca. 1,20 m Tiefe, die Sohle der Kanalisation zwischen 2,30 und 2,40 m“, führt Schachtmeis­ter Schöneweiß aus. „Im Klartext bedeutet das: Zwischen Gasleitung und Regenwassersammler blieb ein Abstand von gerade einmal 10-20 cm.“

Rohre aus anderen Werkstoffen wie Beton oder Steinzeug in der erforderlichen Nennweite DN 800 sind deutlich dickwandiger und waren deshalb für den Einbau auf der Elmshorner Baustelle nicht geeignet.
Mit den Flowtite GFK-Rohren hingegen ließ sich die anspruchsvolle Aufgabe, bei der jeder Zentimeter zählte, in kurzer Zeit und zur Zufriedenheit aller Beteiligten lösen. Günstig sind die Werkstoffeigenschaften des Rohrs auch mit Blick auf das mit 3,9‰ relativ geringe Gefälle des Regenwassersammlers.
„Das glatte Rohr bietet gute hydraulische Eigenschaften, gestattet Fließgeschwindigkeiten von bis zu 8 m/s und lässt sich selbst bei nur geringem Wasserdurchfluss gut reinigen“, nennt Wede weitere Produkteigenschaften. Hinzu kommt: Umfangreiche Qualitätskontrollen im Werk des Herstellers sorgen dafür, dass der Kunde ein geprüftes Qualitätsprodukt erhält, das höchsten Ansprüchen gerecht wird.

Tangentialschächte für die Revision
Nach der Querung der Reichenstraße wird die neue Regenwasserleitung in ein gemauertes Schachtbauwerk eingebunden. Von dort wird das Abwasser in Richtung des Schmutzwasser-Pumpwerks Vormstegen geleitet; zur Zeit wird geprüft, ob das vorhandene Pumpwerk eine Doppelfunktion erhält oder ein Schöpfwerk im Hafenbereich gebaut wird.

Der Regenwasserkanal im Osterfeld wird mit zwei als Tangentialschacht ausgeführten Revi-sionsschächten ausgestattet, die vom gleichen Hersteller wie die verwendeten Rohre stammen. Das aus Schachtunterteil und Schachtmantelrohr bestehende Bauteil ist wasserundurchlässig, korrosionsbeständig und eignet sich ideal für Entwässerungs- und Kanaleinstiege in Leitungsnetzen mit großem Durchmesser von DN 500 bis DN 3000.
Dank ihrer Gestaltung und des verwendeten Materials erfüllen die Schächte sämtliche technischen Anforderungen hinsichtlich Sicherheit, Funktionalität und Haltbarkeit. Die Schächte sind mit verschiedenen Abdeckungen und Gerinneausführungen aus GFK und GFK-geschichtetem Beton erhältlich, auf Anfrage sind weitere kundenspezifische Ausführungen möglich. Die geringe Wandstärke und damit der geringe Platzbedarf waren auch bei der Wahl der Schächte ausschlaggebend.

Verlegeanleitung als Service-Plus
Bei den Mitarbeitern des ausführenden Unternehmens gut angekommen ist auch die produkt-begleitende Verlegeanleitung, die Thomas Wede im Gepäck hatte: „Mit der Info-Broschüre haben wir eine zuverlässige Grundlage für den fachgerechten Einbau der Produkte geschaffen“, erklärt der Amitech-Gebietsleiter.

Die kompakte Anleitung im handlichen DIN lang-Format bietet in komprimierter, übersichtlicher Form umfassende Informationen vom ordnungsgemäßen Transport und richtiger Lagerung der Rohre bis hin zu Montagehinweisen für GFK-Schachtbauwerke. Die gute Beratung und die positiven Produkteigenschaften der Flowtite GFK-Rohre haben dazu beigetragen, dass die erforderlichen Sanierungsmaßnahmen zügig umgesetzt werden konnten – nicht nur zur Zufriedenheit des Auftraggebers, sondern auch des Investors, der nun mit der Realisierung seiner Pläne beginnen kann.

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