von Christian Schönberg

Neuer Zeitplan für Fehmarnbeltquerung gesucht

Geplante Inbetriebnahme Ende 2029 wird verschoben – Verzögerungen sowohl auf deutscher als auch auf dänischer Seite

Der Zeitplan eines großen deutschen Bauprojekts steht auf der Kippe. Dieses Mal ist die Bundesrepublik mit ihren staatlichen Institutionen aber nicht alleiniger Hauptverantwortlicher. Denn die Fehmarnbeltquerung ist ein gemeinsames öffentliches Bauprojekt mit dem Königreich Dänemark. Und von dort kamen im Frühjahr schon die ersten schlechten Botschaften.

Ende Oktober haben die beiden Verkehrsminister der EU-Staaten, der bundesdeutsche Patrick Schnieder (CDU) und der Däne Thomas Danielsen, angekündigt, zu Beginn kommenden Jahrs sich auf einen neuen Zeitplan zu verständigen. Mit dem bislang geplanten Eröffnungstermin Ende 2029 wird es wohl nichts.

Spezialschiff zur Absenkung legte später als erhofft in Dänemark an

Auf dänischer Seite wurde das Spezialschiff zur Absenkung der nötigen Tunnel-Elemente für die Querung zu spät fertig; und hierzulande ließ die Deutsche Bahn verlauten, dass sie mit der eigenen Hinterlandanbindung mehr Zeit als die vier Jahre benötige.

Ein Prestigeprojekt ist die Fehmarnbeltquerung aus vielerlei Gründen. Die Fahrzeit mit dem Zug von Hamburg nach Kopenhagen soll sich halbieren: Es dauert dann nur noch zweieinhalb statt knapp fünf Stunden in der Bahn zwischen den Hauptbahnhöfen beider Metropolen. Das wiederum könnte die Schienenstrecke – zur mutmaßlichen Entlastung des Klimawandels – auch attraktiver für den Gütertransport der beiden wirtschaftsstarken Standorte machen.

Weltweit längster Tunnel aus Absenk-Elementen

Nicht zuletzt erwächst sich das Prestige des Projektes auch aus der Bauweise. Es ist der weltweit längste Tunnel, der mit Absenk-Elementen vollbracht wird. Die kolossalen Beton-Riesen sind 217 Meter lang und 73.500 Tonnen schwer. 79 davon lässt der Bauherr, Femern A/S, in der Betonagefabrik auf Lolland herstellen. Hinzu kommen noch zehn 39 Meter lange Spezial-Elemente. Insgesamt sind also 89 Teile des größten Tunnel-Puzzles der Welt zusammenzubringen.

Und in zwölf Monaten sind erst zehn davon, vier Jahre vor der geplanten Eröffnung, fertig geworden. Das ist dann nur ein Neuntel – und passt so gar nicht zum Zeitplan. Dennoch soll es nicht die Betonfertigung sein, die zur dänischen Verzögerung führt, sondern die Genehmigung des Schiffsbetriebs.

Zwei Spezialschiffe aus polnischen Werften warten auf Betriebserlaubnis

Femern A/S hat zwei Spezialschiffe in polnischen Werften bestellt. Doch „Ivy 1“ und „Ivy 2“ sind entgegen den ursprünglichen Plänen erst im Frühjahr dieses Jahres eingetroffen – zu spät, um zeitnah auf Absenkfahrt zu gehen. Denn die Spezialanfertigungen mit ihren ausgeklügelten technologischen und mechanischen Ausrüstungen und vor allem einem neuartigen Software-Programm müssen noch intensiv getestet, von zuständigen Behörden begutachtet und schließlich zugelassen werden.

Fest steht: Die Dänen wollen ihren Absenkprozess sofort beginnen, sobald es für sie möglich ist. Rücksicht auf die Deutsche Bahn müssen sie nicht nehmen. Das betont der dänische Bauherr in einer Mitteilung zu den bisherigen Verzögerungen des Baufortschrittes. Wenn der Tunnel unabhängig von der Hinterlandanbindung fertig wird, können wenigstens die Autos und andere nicht schienengebundene Fahrzeuge durch den Supertunnel rollen.

Bahn bringt Aus- und Neubau von 88 Streckenkilometern ein

Doch das Prestige der schnellen Zugfahrt müsste weiter warten. Denn es ist nicht wenig, was die Bahn im Hinterland bereitstellen muss. 88 Kilometer Inlandsanbindung gehören zum Unterwasser-Vorhaben dazu. 55 Kilometer dieser Strecke müssen komplett neu gebaut werden. Der Bauherr hat, wie so oft hierzulande, mit Widerständen zu kämpfen. Im betroffenen Bad Schwartau ist der zusätzliche Bahnverkehr nicht wohlgelitten.

Besonders heikel wird für den Vorfeld-Bau aber, dass auch auf deutscher Seit im Fehmarnsund ein Tunnel gebaut werden muss. Er verbindet die deutsche Ostseeinsel mit dem ostholsteinischen Festland. Seine Länge beträgt mit 1,7 Kilometern zwar nur ein Zehntel der Beltquerung. Aber das Absenk-Verfahren und die Unterwasser-Verknüpfung von gewaltigen Tunnelbauteilen für den Straßen und Schienenverkehr – das gilt auch hier. Das Eisenbahnbundesamt hat daher Mitte des Jahres schon einen Zeitplan erstellt, der für den Sund das Fertigstellungsjahr 2032 für wahrscheinlicher hält als 2029.

Bild: Screenshot vom Video Femern A/S

von Christian Schönberg

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