. Jasch Zacharias

Die Hochkonjunkturphase der Bauwirtschaft ist im "Musterländle" Baden-Württemberg definitiv Vergangenheit.  (Foto: Pixabay)

Ba Wü: Deutlich weniger Baufträge im April

Insbesondere Wirtschaftsbau und Öffentlicher Bau brechen ein

DBU/ Stuttgart -  Die Auftragseingänge in der baden-württembergischen Bauwirtschaft sind im Monat April deutlich eingebrochen - und zwar in allen Bausparten. Verglichen zum Vorjahresmonat waren es 26,5 Prozent weniger Aufträge, die die Bauunternehmen mit 20 und mehr Beschäftigten zu beklagen haben. Besonders stark war der Rückgang mit - 44,3 Prozent im Wirtschaftsbau. Aber auch der öffentliche Bau musste mit - 15,5 Prozent.  kräftig Federn lassen.

„Damit sind die Auswirkungen der Corona-Krise inzwischen auch in unserer Branche angekommen“, erklärt Thomas Möller, Hauptgeschäftsführer der Bauwirtschaft Baden-Württemberg. „Besonders die Entwicklung im Wirtschaftsbau bereitet uns zunehmend Sorgen. Offenbar scheinen die Unternehmen im Land, allen voran die Automobilbranche, angesichts der aktuellen Krise ihre Investitionen in neue Fabrikhallen und Bürogebäude derzeit zurückzustellen. Umso wichtiger ist es, die Maßnahmen von Bund und Land zur Belebung der Wirtschaft schnell auf den Weg zu bringen, damit die Nachfrage rasch wieder anziehen kann.“

Rückgänge im Öffentlicher Bau und im Wirtschaftsbau  alarmieren die Branche

Mit Blick auf die aktuellen Zahlen verweist Möller allerdings darauf, dass sich der Auftragseingang im Wert von knapp 870 Mio. Euro im Monat April dieses Jahres nach wie vor auf sehr hohem Niveau bewegt. Zudem gäbe es einen gewissen Basiseffekt, da der April-Wert 2019 mit Abstand der höchste Auftragswert seit 1995 war. Dennoch sei der starke Auftragsrückgang, beispielsweise im öffentlichen Bau, ein Alarmsignal, vor dem die Branche im Zuge des Corona-Lockdowns frühzeitig gewarnt hat. Hier seien klar die öffentlichen Auftraggeber in der Verantwortung. Durch die Konjunkturpakete würden die Kommunen künftig immerhin in die Lage versetzt, trotz wegbrechender Gewerbesteuereinnahmen in bereits geplante Bauvorhaben und Sanierungsmaßnahmen zu investieren.

„Öffentliche Ausschreibungen sind vor allem jetzt in der Krise essentiell, um die Bauwirtschaft zu stärken. Schon in der Vergangenheit hat sich unsere Branche als wichtiger Konjunkturmotor für die Gesamtwirtschaft erwiesen und wird es auch in der Corona-Krise sein“, ist Thomas Möller überzeugt. Er appelliert außerdem nochmals an die privaten Bauherren, Vertrauen zu haben und gerade in schwierigen Zeiten in sichere Werte wie die eigenen vier Wände zu investieren.

Im Gegensatz zu den Auftragseingängen ist laut Branchenverband die Umsatz- und Beschäftigtenzahl auf dem Bau seit Jahresbeginn vergleichsweise stabil geblieben. So wurde in den ersten vier Monaten 2020 ein Umsatzplus von 5,9 Prozent auf insgesamt 3,91 Mrd. Euro erwirtschaftet. Die Zahl der Mitarbeiter stieg im Schnitt um 4,2 Prozent Verbandshauptgeschäftsführer Möller kommentiert die momentane Lage wie folgt: „Corona hat leider auch unsere Branche angesteckt. Die Investitionsprogramme könnten aber ein wirksames Gegenmittel sein. Die Bauwirtschaft wird sich jedenfalls den Herausforderungen stellen, um auch diese Krise zu meistern.“




 

. Jasch Zacharias

Erschienen in Ausgabe: online

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