von Christian Schönberg
Drei Jahre Abschwung: Sto kritisiert Bundespolitik
Konzernchef hofft auf weitere politische Vorstöße zur energetischen Gebäudesanierung
Bei einem Rundgang mit bündnisgrünen Politiker Cem Özdemir hat Sto-Vorstandschef Rainer Hüttenberger die baupolitischen Entscheidungen der Bundesregierung deutlich kritisiert. Als Weltmarktführer für Wärmedämm-Verbundsysteme (WDVS) halte der Konzern derzeit geplante Investitionen bewusst zurück, so der Firmenlenker.
„Uns fehlt die notwendige Planungssicherheit“, sagte Hüttenberger. Politische Entscheidungen seien in den vergangene drei Jahren mit Abschwung und laut Hüttenberger „spürbaren Umsatzrückgängen“ zu volatil, also zu wechselhaft, ausgefallen, fügte der Sto-Vorstandschef hinzu.
Fehlende grundlegende und richtungsweisende Vorgaben
„Auch die aktuelle Bundesregierung hat bislang keine grundlegenden und richtungsweisenden Vorgaben geschaffen, an denen wir uns orientieren können“, monierte er. Hinzu komme ihm zufolge der jüngste Vorstoß der Bundesländer, die für uns wichtige Umsetzung der EU-Gebäudeeffizienzrichtline zu verschieben beziehungsweise inhaltlich zu modifizieren. „Kurz gesagt: Es fehlt auf allen politischen Ebenen an Planungssicherheit“, so Hüttenberger.
Er hofft auf weitere politische Vorstöße zur energetischen Gebäudesanierung – und vor allem „verlässliche Rahmenbedingungen“, so Hüttenberger weiter. Beim Rundgang mit Özdemir und verschiedenen anderen bündnisgrünen Politikern standen Fassadendämmsysteme im Mittelpunkt. Neben dem Spitzenkandidaten der Partei für die Landtagswahl am 8. März war auch der Landtagsabgeordnete Niklas Nüssle dabei, der insbesondere Stos regionale Verwurzelung trotz der Ausrichtung auf den globalen Markt lobte: Insbesondere der Innovationscampus in Stühlingen-Weizen stehe dafür.
Chancen für erneuten Wahlsieg der Grünen bei nahezu null
Die Bündnisgrünen stellen in Baden-Württemberg seit knapp 15 Jahren mit Winfried Kretschmann den Ministerpräsidenten. Özdemir will ihn, der nicht noch einmal antritt, beerben. Ob das gelingt, ist zweifelhaft. Jüngste Umfragen sehen die Christdemokraten mit ihrem Ehinger Spitzenkandidaten Manuel Hagel deutlich vorn. Den Grünen macht den Prognosen zufolge sogar die Alternative für Deutschlands den zweiten Platz in Baden-Württemberg streitig.
Bild oben (von links): Heiner Röhr von Sto, Niklas Nüssle und Cem Özdemir von Bündnis90/Grüne, Sto-Konzernchef Rainer Hüttenberger und Sto-Technik-Vorstand Jost Bendel vor den Dämmprodukten des Herstellers mit Stammsitz in Stühlingen.
(von links) Rainer Hüttenberger und Jost Bendel erläutern dem Politiker die Produktionsanlagen.
von Christian Schönberg