von Christian Schönberg
Kleine und mittelgroße Nuklearreaktoren auf dem Vormarsch
Hochtief will sieben Jahrzehnte lange Erfahrung im Nuklearbereich einbringen
Kleine und mittlere Nuklearanlagen sind auf dem Vormarsch. Analysteneinschätzungen zufolge machen die summierten Investitionen in diesem Bereich bis 2040 einen Betrag von 600 Milliarden Euro aus.
Kernaspekt ist der große Hunger nach Elektrizität. Einhergehend mit gewaltigen Rechenzentren für die Künstliche Intelligenz, der wachsenden Zahl an Autos, die mit Strom und nicht mehr mit Reibstoff fahren, und auch dem Heizen mit Wärmepumpen statt Gasverbrennung muss mehr her: 25 Länder haben sich jedenfalls verpflichtet, ihre Kernkraftkapazität bis 2050 auf 1.200 Gigawatt zu verdreifachen. Zu diesem Ziel haben sie sich - darunter die Vereinigten Staaten, Frankreich, Kanada, Japan und Großbritannien - bei der Weltklimakonferenz in Dubai bekannt. Denn Kernenergie erzeugt zwar Strahlung. Deren Freisetzung kann aber gebändigt werden, während das CO2 aus Kohle- oder Gaskraftwerken sich nicht einfach so einfangen und in ihren gewaltigen Emissionsausmaßen irgendwohin verfrachtet werden kann.
Zu den deutschen Profiteuren soll Hochtief zählen. Der Konzern - das aktuell jüngste Mitglied im DAX, dem Index der größten deutschen Aktienunternehmen - bringt einem Bekunden zufolge sieben Jahrzehnte Erfahrung im Nuklearbereich ein. Das hat auch Rolls-Royce SMR beeindruckt, einen Entwickler von Small Modular Recators (SMR), also kleinen Modularreaktoren. Er machte Hochtief zu einem Teil seinen Global Project Delivery Partner-Teams.
Zusammen mit Amentum, einer weltweit führenden Gruppe für fortschrittliche Ingenieur- und Technologielösungen, wird Hochtief das Baumanagement von Rolls-Royce SMR-Projekten eruopaweit unterstützen. Die ersten Projekte werden im Vereinigten Königreich und in der Tschechischen Republik realisiert.
Die Expertise von Hochtief umfasst den gesamten Lebenszyklus im Kernenergiebereich. Sie reicht von Design- und Planungsaufträgen, über Bau, Modernisierung und Rückbau bis zum sicheren Betrieb und Abfallmanagement von Nuklearanlagen. Das Unternehmen nutzt darüber hinaus seine Kompetenz bei der Führung von Großprojekten und im modularen Bauen, um die neueste Generation von Kernenergieprojekten zu realisieren. "Das schafft weltweit Mehrwert für Kunden, Investoren und die Gesellschaft", heißt es in einer Unternehmensmitteilung.
Hochtief hat zusammen mit der ACS Group an Bau, Nachrüstung, Wartung und dem Abbau von drei der sieben Kernkraftwerke Spaniens mitgewirkt. Der Gesamtkonzern war in Deutschland an der Realisierung von 13 der 20 Kernkraftwerke in Deutschland beteiligt.
Zu den aktuellen und neueren Projekten gehören Sellafield, wo der laufende Betriebs und irgendwann einmal die Stilllegung unterstützt wird. Hinzu kommt das tschechische Kernkraftwerk Temelín, wo der Bau von zwei 1000-Megawatt-Reaktorblöcken ansteht. In Finnland übernimmt Hochtief mit seinem Partner aktuell eine Rolle bei der Planung und Bauleitung eines 1,6-GW-Kraftwerks in Olkiluoto. In Deutschland wiederum kümmert sich das Konsortium um die Lagerstätte "Konrad II" mit mehrjährigen Design- und Managementaufträgen.
"Das Rolls-Royce SMR-Programm ist ein Meilenstein für die globale Energiewende und ein prägender Moment für Hochtief", erzählt CEO Juan Santamaría: "Wir kombinieren unsere jahrzehntelange Expertise im Nuklearbereich mit unserer Führungskompetenz im modularen Bau und bei der Durchführung von Großprojekten." So leistet Hochtief einen Beitrag, um den weltweiten Einsatz von kleinen und mittleren Reaktoren zu beschleunigen. "Bei der Umsetzung", so Santamaría, "arbeiten wir eng mit Regierungen und Gemeinden zusammen, um die Wirtschaft in den jeweiligen Regionen zu fördern und Arbeitsplätze zu schaffen." Dieser Erfolg ist Teil der Unternehmensstrategie, die führende Rolle im Kernenergiebereich weiter auszubauen. "Wir schaffen zugleich Synergien mit anderen Wachstumsbereichen des Konzerns wie Rechenzentren, Verteidigung oder kritische Mineralien", so der CEO: "Unser Zeil besteht darin, sichere, kohlenstoffarme Energie für kommende Generationen bereitzustellen."
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von Christian Schönberg