Rückbau - von

Industriebrache in Wetzlar wird wieder nutzbar

Rückbau eines Zementwerkes: 250.000 Tonnen Beton und 400.000 Tonnen Erdbewegungen

Berkheim – Seit März 2015 arbeitete die Max Wild GmbH aus Berkheim am Rückbau der Fabrikanlage des ehemaligen Zementwerkes Wetzlar. HeidelbergCement AG hatte das Werk 2010 stillgelegt. Max Wild ist unter anderem spezialisiert auf Industrieabbruch. „Die Zusammenarbeit mit den Behörden wie Stadt und Ordnungsamt waren hervorragend“, sagt Geschäftsführer Max Wild. „Auch die Mannschaft in Wetzlar hat für ihre Arbeit ein großes Lob verdient.“

Aufgeteilt in drei Lose meisterte Max Wild in Los 1 einen Abbruch von rund 320.000 Kubikmeter umbauten Raum und 15.000 Quadratmeter Freiflächenbefestigung, meist Betonplatten. Die Abbruchprofis waren dabei zuständig für Abbruch, Entkernung, Erdarbeiten, Entsorgung von teilweise kontaminiertem Material und die Aufarbeitung des Bauschutts.

In Los 2 und 3 kooperierte Max Wild in einer ARGE (Arbeitsgemeinschaft) mit der Wilhelm Geiger GmbH & Co. KG sowie der Geiger Umweltsanierung GmbH & Co. KG aus Oberstdorf zur Sanierung und Entsorgung der Pyrit- und Klinkerhalde. Ende Juli 2016 waren das gesamte Werksgelände beräumt und der Unterbau für die Parkflächen des neuen Einrichtungshauses fertig gestellt.

Nach zwei Wochen Vorbereitungszeit hatten die Abbruchprofis im März 2015 mit den Arbeiten begonnen. Dabei wurde während der gesamten Bauzeit der Ablaufplan in Bezug auf die Einteilung von Personal, Baugeräten und Subunternehmern wöchentlich überarbeitet und angepasst.

In den folgenden fünf Monaten lag der Arbeitsschwerpunkt bei Entkernung und Abbruch, dabei wurden auch Maschinen, Aggregate und Installationen demontiert.

Im Anschluss wurden parallel dazu mehr und mehr Erdarbeiten ausgeführt. Um den Untergrund zu stabilisieren, setzten die Abbruchprofis zusätzlich eine staubarme Bodenfräse zur Einarbeitung von bodenverbessernden Bindemitteln ein. So wurden die geforderten bodenmechanischen Werte überall erreicht.

32 Bauwerke rückgebaut, vier davon gesprengt
Der gesamte Bauschutt verblieb bis zur Beprobung und bei entsprechendem Ergebnis zur Verwertung auf der Baustelle. Die große Menge an Bauschutt und Aushub wurde auf Haufwerken zwischengelagert und gesiebt, dann beprobt und wieder eingebaut bzw. entsorgt, je nach Ergebnis der Analyse.

250.000 Tonnen Beton und 400.000 Tonnen Boden (davon 100.000 Tonnen aus der Sanierung) wurden im gesamten Bauzeitraum bewegt. Rund 150.000 Tonnen (einschließlich Sanierung ARGE) an Bauschutt und Aushub wurden entsorgt und konnten nicht für den Unterbau des neuen Möbelhauses verwendet werden. 500.000 Tonnen Material wurden recycelt (gebrochen, gesiebt und mit Bindemitteln verbessert) und auf dem gesamten Gelände von 75.000 Quadratmeter als Unterbau verwendet.
Nach mehreren Bombardierungen im Zweiten Weltkrieg war das Gelände aufgefüllt worden. Um sicherzustellen, dass keine Blindgänger oder Kampfmittel im Boden verbleiben, wurde das komplette Areal während der Aushubarbeiten sondiert und in Begleitung des Kampfmittelräumdienstes ausgehoben. Das Material wurde vor dem Wiedereinbau auf Haufwerken zur Analyse bereitgestellt.

Etwa 150.000 Kubikmeter Erdmasse wurden unter der Begleitung vom Kampfmittelräumdienst ausgehoben, mit der Siebanlage aufbereitet, anschließend beprobt und teilweise wieder verbaut. Durch Bombenfunde am 9. Juli 2015, 12. Mai 2016 und 13. Juli 2016 wurden diese Vorsichtsmaßnahmen bestätigt.

Max Wild hatte bei allen Arbeiten einen umfangreichen Maßnahmenkatalog einzuhalten: Lärmschutzbestimmungen, Erschütterungsmessungen, Staub­eindämmung und Rücksichtnahme auf den in der direkten Nachbarschaft befindlichen Bahn- und Gleisbetrieb und den Gasanbieter EnWAG.

Durch Informationsveranstaltungen wurden Anwohner auf die Bauarbeiten vorbereitet und konnten sich so auf auftretende Einschränkungen besser einstellen.

Die Sprengung des Wärmetauschers (65 Meter hoch) und der drei Zementsilotürme (je 80 Meter hoch) war anfänglich für den 2. August 2015 geplant. Durch den Bombenfund musste erst das komplette Areal „sauber“ sein, bevor die Sprengung durchgeführt werden konnte. Am 28. Februar 2016 wurde ab 4 Uhr morgens das Gebiet durch Feuerwehr und Polizei weiträumig abgesperrt. Um 5 Uhr war es dann endlich soweit: Eduard Reisch, der Sprengtechniker, mit dem Max Wild schon eine langjährige, sehr gute Zusammenarbeit verbindet, führte die Sprengung in gewohnter Präzision aus.

Kontrollierter Einsturz
Die Max Wild GmbH schüttete für die Sprengung zirka 60.000 Tonnen Beton-RC in Fallbetten mit einer Höhe von sechs bis sieben Meter auf. Deshalb war keine nennenswerte Erschütterung beim Einsturz der Türme messbar. Die Erschütterungswerte blieben weit unter den zulässigen und prognostizierten Werten.

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Erschienen in Ausgabe: November 2016 | Seite 19

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