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Arvind Poddar, Co-Geschäftsführer von BKT, schilderte Kunden und Geschäftspartnern die strategischen Ziele des indischen Reifenherstelles während einer Konferenz im Juni auf Kreta.     (Foto: BKT)
Arvind Poddar, Co-Geschäftsführer von BKT, schilderte Kunden und Geschäftspartnern die strategischen Ziele des indischen Reifenherstelles während einer Konferenz im Juni auf Kreta. (Foto: BKT)

Indischer Hersteller will Reifen für weltweit jede zehnte Baumaschine liefern

BKT ringt Premium-Marken Marktanteile ab. Eigene Rohstoffproduktion sichert stabile Preise

Berlin/Agia Pelagia (Griechenland) – Der indische Reifenhersteller BKT hat den Weltmarkt für Arbeitsreifen aufgewirbelt. Vor dem Einstieg des Konzerns in das hart umkämpfte Reifengeschäft vor 30 Jahren waren die Verhältnisse am Markt über lange Zeit eindeutig: Premium-Hersteller aus den Industrieländern lieferten technologisch hervoragende Produkte, Anbieter aus den Schwellenländern fluteten den Weltmarkt mit Billig-Reifen minderer Qualität. Doch BKT erkannte schon damals die freie Nische. „Wir bieten den Käufern niedrigere Preise als die Premium-Hersteller, aber zugleich die hohe Produktqualität eines Premium-Herstellers“, sagte BKT-Geschäftsführer Rajiv Poddar, der gemeinsam mit seinem Vater Arvind Poddar den indischen Konzern leitet. Die Strategie geht auf. Das Unternehmen mit Sitz in Mumbai hat sich bei Arbeitsreifen (Landwirtschaft, Industrie, Bau) nach eigenen Angaben einen Weltmarktanteil von fünf Prozent. Doch aus Sicht des Vater-Sohn-Duos an der BKT-Konzern-Spitze ist das nicht genug. Zehn Prozen ist ihr Ziel. Dabei will der indische Hersteller in Europa gerade im Bereich Erdbewegungsreifen kräftig punkten.

In Deutschland arbeitet BKT eng mit Reifengroßhändler Bohnenkamp zusammen. Das Osnabrücker Unternehmen ist Exklusiv-Vermarkter für BKT auf dem hiesigen Markt und das mit großem Erfolg. „In der Landwirtschaft hat sich BKT als Qualitätsmarke völlig etabliert“, sagte Hendrik Schmudde, Marketingleiter bei Bohnenkamp dem BauUnternehmer. Und noch immer verzeichne sein Unternehmen im Agrar-Bereich ein stabil hohes Wachstum der BKT-Reifen, so Bohnenkamp-Marketingleiter Schmudde.
Nach eigenen Angaben hat BKT in der Landwirtschaft weltweit bereits einen Marktanteil von zehn Prozent errungen. Gleiches gelte für den Einsatz in der Industrie, versicherte Konzernchef Arvind Poddar anlässlich des 10-jährigen Markteinführung der BKT-Reifenserie Earthmax, die speziell auf die Bedürfnisse und Anforderungen des Baugewerbes zugeschnitten sind.
Bei den Erdbewegungsreifen habe BKT in Deutschland noch nicht das hohe Maß an Marktdurchdringung erreicht wie im Agrar-Sektor, so Bohnenkamp-Marketingleiter Schmudde. Doch sei das vor allem der kürzeren Präsenz am Markt geschuldet. Denn während BKT bereits seit 15 Jahren bei deutschen Landwirten für seine Reifen wirbt, sei BKT im deutschen Baugewerbe erst seit etwa vier bis fünf Jahren aktiv. Zwar hat BKT seit 10 Jahren auch Erdbewegungsreifen im Programm, doch habe das Unternehmen seine Earthmax-Serie breit aufstellen müssen, um wirklich erfolgreich im Baugewerbe agieren zu können, so Marketingleiter Schmudde. Dieser zeigt sich überzeugt davon, dass BKT auch in der deutschen Bauwirtschaft in den kommenden Jahren weiterhin stark wachsen und Marktanteile hinzugewinnen wird.

Über alle Anwendersegmente hinweg bietet BKT seinen Kunden aktuell rund 1.800 Reifentypen zur Auswahl.
Bei der Entwicklung seiner Erdbewegungsreifen arbeitet BKT seit Beginn an mit führenden Maschinen-Herstellern zusammen. Die allererste Baumaschine, deren Räder mit BKT-Reifen bezogen wurden, war ein Radlader des schwedischen Qualitäts-Fabrikanten Volvo CE. Es folgte eine Maschine des US-amerikanischen Branchenprimus Caterpillar.
Sämtliche Reifen fertigt BKT im westindischen Bundesstaat Gujarat. Unweit der Bezirkshauptstadt Bhuj ist 2012 die Reifenproduktion in einem komplett neuen Werk angelaufen, das der Konzern für umgerechnet 500 Millionen US-Dollar auf 126.000 Quadratmeter in einer Halbwüste errichtet hat. Um die Energie-Versorgung des Werkes sicherzustellen hat BKT auf dem Werksgelände ein Kraftwerk hochgezogen.
Nach eigenen Angabe steckt BKT rund vier Prozent seines Jahresumsatz in die Entwicklungs- und Forschungsarbeit. So betreibt das Unternehmen vor Ort eine eigene Black-Carbon-Fabrik und treibt ein Forschungsprojekt zur nachhaltigen Rohstoffgewinnung: Der Wurzelsaft von Löwenzahn soll künftig dem klassischen Kautschuk-Anbau Konkurrenz machen (siehe DBU-Ausgabe Juni 2018). Laut Angaben der Konzernspitze will BKT durch seine Forschungs- und Entwicklungsarbeit von den stark schwankenden Rohstoffpreisen unabhängig werden, um so seinen Kunden stabile Preise bieten zu können.

Erschienen in Ausgabe: August 2018 | Seite 6

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