von Gastautor

Sondervermögen: "Deutschland muss jetzt liefern"

Bessere Verkehrswege. leistungsfähigere Energienetze und klimaresiliente Städte: Nemetschek-CEO Yves Padrines macht sich für einen Modernisierungsturbo stark

Während Deutschland sich gerade von der jüngsten Rekord-Hitzewelle erholt, steht gleichzeitig das größte Infrastrukturprogramm seit Jahrzehnten in den Startlöchern. Das ist nach Ansicht von Yves Padrines -  CEO der Nemetschek Group, einem weltweit führenden Anbieter von vertikalen Software- und KI-Lösungen - kein Zufall.  Deutschland muss dringend im Zuge des Klimawandels  in moderne Verkehrswege, leistungsfähige Energienetze und klimaresiliente Städte investieren, meint er. Mit dem 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität seien die finanziellen Voraussetzungen dafür geschaffen. Jetzt entscheide sich, ob daraus ein echter Modernisierungsschub wird – oder ob Deutschland weiterhin an langsamen Planungs- und Umsetzungsprozessen scheitert.

„Die nächsten Jahre entscheiden, ob das Sondervermögen zum Modernisierungsschub wird"

Die aktuelle Hitzewelle zeigt, wie eng Infrastruktur- und Klimapolitik inzwischen miteinander verknüpft sind. Wenn Schienen unter Extremtemperaturen leiden, Energienetze an ihre Belastungsgrenzen stoßen und Städte Lösungen gegen zunehmende Hitzebelastung entwickeln müssen, wird klar: Deutschland kann sich bei der Modernisierung seiner Infrastruktur keine verlorenen Jahre mehr leisten.

Doch genau darin liegt die Herausforderung. Zu lange haben Großbauprojekte in Deutschland gezeigt, dass fehlendes Geld oft nicht das eigentliche Problem ist. Entscheidend sind Planung, Koordination und Ausführung. Verzögerungen, mangelnde Transparenz und komplizierte Abstimmungsprozesse sind teuer und ressourcenintensiv. Gleichzeitig zeigen europäische Projekte wie der Brenner-Basistunnel, wie wichtig eine durchgängige digitale Planung und gemeinsame Datenstandards für den Erfolg komplexer Infrastrukturvorhaben geworden sind. Zudem steht fest: Ohne den intelligenten Einsatz von Künstlicher Intelligenz wird die nächste Stufe dieser digitalen Transformation kaum zu erreichen sein – KI wird zum Taktgeber, wenn es darum geht, komplexe Infrastrukturprojekte schneller und verlässlicher auf die Schiene zu bringen.

„Wer Infrastruktur des 21. Jahrhunderts bauen will, muss auch mit Werkzeugen des 21. Jahrhunderts planen.“

Europa steht vor gewaltigen Investitionen in Schiene, Straße, Energie und öffentliche Infrastruktur. Gerade weil sich die Auswirkungen extremer Wetterereignisse immer stärker bemerkbar machen, muss Infrastruktur heute nicht nur leistungsfähig, sondern auch resilient geplant werden. Deutschland kann es sich deshalb nicht länger leisten, milliardenschwere Projekte mit analogen Prozessen und isolierten Datensilos umzusetzen. Es ist ein wichtiges Signal, dass die Bundesregierung an einer Beschleunigung von Vergabe- und Planungsprozessen arbeitet. Denn die größte Herausforderung liegt inzwischen nicht mehr in der Finanzierung, sondern in der Umsetzung. Jeder Euro aus dem Sondervermögen, der durch ineffiziente Prozesse, Planungsfehler oder Verzögerungen verloren geht, fehlt am Ende für neue Infrastruktur.

„Das Sondervermögen wird nur dann erfolgreich sein, wenn es auch in moderne digitale Planungs- und Steuerungsprozesse investiert wird"

Digitale Methoden wie Building Information Modeling (BIM), digitale Zwillinge und offene Datenstandards sind längst keine Zukunftsthemen mehr. Sie sind die Voraussetzung dafür, dass Bauherren, Planer, ausführende Unternehmen und Betreiber auf einer gemeinsamen Datenbasis arbeiten, Risiken frühzeitig erkennen und Projekte schneller, transparenter und wirtschaftlicher realisieren können. Mit ihren vertikalen Software- und KILösungen gehört die Nemetschek Group zu den Unternehmen, die den Weg hin zu einer KIgestützten Bau- und Infrastrukturplanung maßgeblich prägen.

„Die Infrastruktur, die wir heute bauen, wird die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands für Jahrzehnte prägen. Deshalb müssen wir das Sondervermögen intelligent einsetzen"

Die gute Nachricht: Deutschland verfügt über die Ingenieurskunst, die Unternehmen und die Technologien, um diese Herausforderung zu meistern. Jetzt braucht es den politischen und operativen Willen, die Digitalisierung zur tragenden Säule der Infrastruktur-Offensive zu machen. Denn die aktuelle Hitzewelle erinnert uns daran, worum es eigentlich geht: nicht nur um neue Infrastruktur, sondern um eine Infrastruktur, die den Anforderungen der kommenden Jahrzehnte gewachsen ist.

„Die Technologien sind vorhanden. Das Know-how ist vorhanden. Die Mittel sind vorhanden. Jetzt gibt es keine Ausreden mehr", sagt Ives Padrines abschließend.

 

Bild: Yves Padrines, CEO von Nemetschek. (Foto: Nemetschek)

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Erschienen in Ausgabe: online

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