. Jasch Zacharias

Hart, aber fair sind die  Debatten zwischen Arbeitgebern und Demonstranten  bei 36 Grad in mannheim  geführt worden. (Foto: BW Baden-Württemberg)

IG-Bau-Demo: Unternehmer spendieren Eis für Demonstranten

Trotz hitziger Vorwürfe bewahren Arbeitgeber kühlen Kopf bei der Protestaktion vor dem Haus der Bauwirtschaft in Mannheim

DBU/Mannheim -  Kühlen Kopf bewahren, trotz hitziger Vorwürfe - das war das Motto der Bau-Arbeitgeber, die bei heißen 36 Grad am Freitag eine Abordnung von etwa 30 IG Bau-Demonstranten vor ihrem Verbandsgebäude in Mannheim empfingen. Der Präsident der Bauwirtschaft Baden-Württemberg, Markus Böll, und sein Hauptgeschäftsführer Thomas Möller versuchten, mit den Gewerkschaftsteilnehmern ins Gespräch zu kommen und im Vorfeld der Bau-Schlichtungsgespräche sachliche Argumente auszutauschen.

Fairer Schlagabtausch

Es kam zu einer kontroversen Debatte, aber dennoch zu einem fairen Schlagabtausch. Knackpunkt waren die massiven und teils ungerechtfertigten Vorwürfe seitens der Gewerkschaftsvertreter. Die Demonstranten warfen den Bau-Arbeitgebern unter anderem schlechte Arbeitsbedingungen auf den Baustellen, zu niedrige Bezahlung, fehlendes Wegegeld, unzureichende Corona-Schutzmaßnahmen und illegale Beschäftigung vor. Darunter würde das Image der Baubranche leiden und deshalb bekomme man auch kaum Lehrlinge. Der Präsident des Bauverbandes konterte und unterstrich zunächst die Gemeinsamkeiten von Unternehmern und Beschäftigten: "Wir sitzen alle im gleichen Boot. Unser Ziel ist dasselbe, nämlich junge motivierte Fachkräfte für die Bauwirtschaft zu gewinnen. Mit unsachlichen Vorwürfen kommen wir aber nicht weiter. Wer den Erfolg seiner eigenen Branche bewusst öffentlich schlecht redet, darf sich nicht wundern, wenn die Attraktivität der Bauberufe leidet."

Markus Böll verwies zugleich darauf, dass die Arbeitgeberseite sehr viel unternehme, um ihren Beschäftigten gute Arbeitsbedingungen zu bieten. Dazu gehören eine fundierte Bauausbildung samt Spitzen-Lehrlingsvergütungen, faire Löhne für alle Baubeschäftigten mit etlichen Zusatzleistungen, individuelle Lösungen für die Wegezeit, ein hoher Arbeitsschutz auf den Baustellen auch im Hinblick auf Corona, der Einsatz von modernen Baumaschinen, die die Arbeit auf den Baustellen erleichtern und nicht zuletzt ein krisenfester Job, der selbst in Pandemie-Zeiten verglichen zu anderen Branchen kaum von Kurzarbeit oder Entlassungen bedroht ist.

Bauverbandspräsident Böll mahnt zur Mäßigung vor Beginn der Schlichtung

Der Bauverbandspräsident mahnt überdies zur Mäßigung mit Blick auf die Schlichtungsgespräche Ende August: "Ja, die Bauwirtschaft ist bislang einigermaßen glimpflich durch die Corona-Krise gekommen. Aber auch wir spüren die wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie. Die Aufträge in vielen Bausparten gehen seit Monaten zurück. Wir wissen nicht, was die zweite Jahreshälfte bringt und können deshalb nicht aus dem Vollen schöpfen. Die Sicherung unserer Arbeitsplätze sollte dabei oberste Priorität haben." Böll fordert deshalb, dass die IG Bau von ihren Maximalforderungen abrückt und zu konstruktiven Lösungen mit einem maßvollen Lohnabschluss beiträgt. Sein Appell an die Gewerkschaft: "Stehen Sie zu den positiven Entwicklungen in der Bauwirtschaft und lassen Sie uns gemeinsam die Rahmenbedingungen für unsere Beschäftigten verbessern, damit der Konjunkturmotor Bau nicht ins Stocken gerät."

Nach den heißen Diskussionen bei tropischen Temperaturen, zeigten sich die Arbeitgeber in Spendierlaune. Passend zum heißen Wetter bot der Bauverband zur Abkühlung der hitzigen Gemüter allen Demonstranten kalte Getränke und frisches Eis an.

. Jasch Zacharias

Erschienen in Ausgabe: online

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