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Blick in das Auditorium der Fachtagung Abbruch im Berliner Hotel Intercontinental. (Foto: DBU/Heiko Metzger)
Blick in das Auditorium der Fachtagung Abbruch im Berliner Hotel Intercontinental. (Foto: DBU/Heiko Metzger)

750 Gäste bei der Fachtagung Abbruch

Experten informieren über aktuelle Rückbaufragen – unter anderem über Abbruch von Atomanlagen und über Recycling

DBU/Berlin – Am 6. März hat die 21. Fachtagung Abbruch in Berlin stattgefunden, veranstaltet vom Deutschen Abbruchverband. „Mit über 750 angemeldeten Gästen und mehr als 90 Ausstellern ist diese Veranstaltung Europas größte Fachtagung zum Thema Abbruch“, sagte Andreas Pocha, Geschäftsführer des Deutschen Abbruchsverbandes zur Eröffnung der Fachtagung.

Wie in den Vorjahren hatte der Deutsche Abbruchverband in das Berliner Hotel Intercontinental geladen. Bevor am zweiten Tag der Fachtagung eine Exkursion zu einem Abbruchobjekt stattfand, konnten sich die Besucher am ersten Tag der Tagung in 19 Fachvorträgen – gehalten jeweils von Experten ihres Faches – über aktuelle Entwicklungen rund um das Thema Abbruch informieren. Ergänzend präsentierten rund 90 Unternehmen spezielle Lösungen und Produkte für Abbruch- und Rückbaubetriebe in den Kongressräumen des Hotels.

Von der Wiege zur Wiege
Valentin Brenner von der Ingenieursgesellschaft Drees & Sommer postulierte in seinem Vortrag „Von der Wiege zur Wiege (und nicht zur Deponie)“, dass das nächste Schwerpunktthema der Bauwirtschaft der Stoffkreislauf sein werde. Aktuell widme sich die Bauwirtschaft vorrangig noch dem Themenkomplex Energieeinsparung, so Brenner. Künftig werde sich das Augenmerk aber auf den Umgang mit Rohstoffen verschieben. Zur Illustration erklärte Brenner, dass schon heute die Menge des verbauten Kupfers größer sei als die Menge des Kupfers, das noch in der Erde auf seine Gewinnung warte.
In der Zukunftvision von Valentin Brenner werden die Rückbau- und Abbruchunternehmen zu Wertstoffmanagern. Hierzu sei ein positiver Materialwert eines Gebäudes am Ende seines Lebenszykluses unabdingbar, so der Experte von Drees & Sommer. Und hierfür müssten Baumaterialen so verbaut werden, dass sie sortenrein wieder rückgebaut werden können. Aus Sicht des Experten Brenner stellen Verbundsys­teme ein gravierendes Problem für das Baustoffrecycling dar. „Wir empfehlen unseren Kunden stets andere Lösungen als WDVS (Wärme-Dämm-Verbundsysteme)“, so Brenner. Er verweist auf moderne Baulösungen wie Dämmwände aus Holz, bei deren Verarbeitung nicht mal Klebstoffe oder Leim eingesetzt werden. „So lässt sich beim Recycling ein sortenreiner Recyclingstoff gewinnen“, so Bauexperte Brenner von Drees & Sommer.
Brenner wirbt vor den Fachtagungsteilnehmern für den „Material Pass“, den Drees & Sommer entwickelt hat und an dessen Verknüpfung mit der Prozesslösung BIM (Buildung Information Modeling) das Unternehmen gerade arbeite. Der Material Pass enthält projektbezogen Informationen über alle verbauten Baustoffe – über deren Recyclingfähigkeit, deren chemische Zusammensetzung, der Preis und so weiter. Der Pass soll ermöglichen, zu jederzeit den Recyc­lingwert der Gebäudeelemente zu ermitteln.

Rückbau von Kernkraftwerken
Ebenfalls ein großes Zukunftsthema für die deutsche Abbruch- und Rückbaubranche sprach Thomas Mandrysch von E.on Technologies in seinem Vortrag an – „Herausforderungen im Übergang vom nuklearen Rückbau zum konventionellen Abbruch“. E.on gehört zu der Handvoll Kernkraftbetreiber, die es in Deutschland gibt.
Zunächst stellte Mandrysch verschiedene Rückbaustrategien vor, die den Betreiber nach der Stilllegung eines Nuklearkraftwerkes zur Verfügung stehen. „E.on verfolgt die direkte Rückbaustrategie“, sagte Mandrysch. Demnach plane der Betreiber nach der Stilllegung seiner Atomkraftwerke sofort mit dem Rückbau zu beginnen.
Im Zuge der Energiewende werden bis zum Jahr 2022 alle deutschen Atomkraftwerke stillgelegt. Die ersten Anlagen wurden wenige Monate nach der Nuklearkatastrophe im japanischen Fukushima abgeschaltet, als ein verheerender Tsunami das Nuklearkraftwerk Fukushima zerstörte.
Nach Betriebsende könne aber nicht sofort mit dem Rückbau begonnen werden, berichtete Mandrysch. Zuerst müssten die Nuklearanlagen eine drei- bis siebenjährige Nachbetriebsphase durchlaufen, bevor mit dem „nuklearen Rückbau“ begonnen werde, der ungefähr zehn Jahre in Anspruch nehme, so Mandrysch. „Dann erst erfolgt der konventionelle Rückbau.“ Der E.on-Experte verweist darauf, dass die Nachfrage nach konventionellem Rückbau im Nuklearsektur nicht kontinuierlich an den Markt kommen werde. Vielmehr kämen immere mehrere Kraftwerke zeitgleich, quasi „paketweise“, an den Abbruchmarkt. Mandrysch hielt seinen Vortrag auf der Fachtagung um die Branche auf diese Kraftprobe vorzubereiten.

Die nächste Fachtagung Abbruch findet am 4. und 5. März 2016 statt - wieder in Berlin.

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