. Tizian Meieranz-Nemeth

Die Scan-Robotik-Totalstation GTL-1000 im Einsatz. Fotos (2): Topcon/ Balfour Beatty

20 Prozent geringere Baukosten bei Nacharbeit

Neue Scan-Robotik-Totalstation von Hersteller Topcon vergleicht den Ist-Zustand mit dem Modell und weist schnell auf Fehler hin

DBU/ Hamburg – „Der Bedarf an Wohnraum ist in den Städten allgegenwärtig und es wird vermehrt in die Höhe gebaut“, weiß Ian Stilgoe, Vice President für Geopositionierung in Europa bei der Topcon Positioning Group. „Wir verfolgen kontinuierlich neue Trends und Technologien, mit denen sich die Bauausführung beschleunigen lässt, um für immer neue Produktivitätszuwächse zu sorgen. Schnelles Bauen ist wichtig, aber noch wichtiger ist eine hohe Qualität der Ausführung, damit es nicht zu teuren Nacharbeiten kommt.“ Wie das Unternehmen aus Hamburg die Kontrolle von Bauabläufen und die digitale Absteckung verbessern will, hat Der BauUnternehmer im Gespräch mit Wolfgang Bücken, Business Development & Key Account Manager DACH bei Topcon, erfahren.

Digital, smart, produktiv: Digitale Technologien halten in Infrastrukturprojekten in aller Welt Einzug. Diese Entwicklung will der Anbieter von Positionierungslösungen unter anderem mit seiner Topcon GTL-1000, einer sogenannten Scan-Robotik-Totalstation, und mit entsprechender Software wie dem Programm „Magnet 6“ unterstützen.

Fehler und Kosten für Nacharbeiten sollen wegfallen

„Für die Erfassung des Ist-Zustands und dem laufenden Abgleich zwischen Ist und Soll werden höchste Anforderungen an Präzision bei gleichzeitig einfacher Handhabung gestellt,“ weiß Wolfgang Bücken. Gerade im Hochbau sei es wichtig, die Bauprozesse nachvollziehbar zu machen. „Bei vielen Bauprojekten liegen die Baukosten um 20 Prozent höher als im Budget vorgesehen. Der Grund dafür sind Nacharbeiten beispielsweise durch aufgetretene Kommunikationsprobleme oder Vermessungsungenauigkeiten,“ sagt Bücken. Mit dem neuen Vermessungsgerät sollen diese Fehler vermieden werden, da das Gerät gleich mehrere Prozesse gleichzeitig erledigen kann. Bisher wurden Vermessungsaufgaben immer durch mehrere Vermessungsingenieure erledigt, die zunächst das Gelände abstecken und teilweise Wochen später das Gelände vermessen – wobei bereits daraus Fehler resultieren können, so Bücken.

Die Ein-Mann-Station hingegen erlaubt es einer Person das Feld abzustecken und per Knopfdruck erstellt das Gerät in drei bis dreieinhalb Minuten einen Vollscann nebst Fotos vom Objekt und dem Gelände. Das Gerät besteht unterhalb der Griffe aus einer klassischen Robotik-Station, wie sie von Vermessern weltweit eingesetzt wird. Oberhalb der Griffe befindet sich der 3D-Scanner und die Kamera. Beide Einheiten lassen sich nicht voneinander trennen.

Eine Person reicht für die Vermessung mit der Scan-Robotik-Totalstation von Topcon aus.

Nach der Aufnahme des Ist-Zustands wird das erstellte Modell damit abgeglichen. Laut Bücken arbeitet das System ohne Cloud-to-Cloud-Registrierung, das erstellte Modell wird aus einer sogenannten Funkwolke heraus mit dem Ursprungsmodell abgeglichen, wodurch das System sehr schnell arbeiten soll. Sämtliche Informationen werden direkt im Gerät auf einer SD-Karte gespeicherte. Die Aufnahmen vom jeweiligen Projekt können auf diese Weise vom Vermessungsingenieur direkt lokal am Laptop noch auf der Baustelle mit der Software Magnet Collage verarbeitet werden. Diese gleicht Koordinaten und Scan-Daten mit den Modelldaten ab.

Einsatz in England, bei Stuttgart 21 und für Kreuzfahrtschiffe

Die Scanner-Reichweite der GTL-1000 beträgt 140 Meter – 70 Meter in beide Richtungen. Daher eigne sich das System in erster Linie für den Hochbau und nicht für Vermessungen über lange Strecken, ergänzt Bücken. Die ersten Prototypen wurde in England durch das Unternehmen Balfour Beatty getestet. Das Unternehmen war bereits seit längerem auf der Suche nach einem Gerät aus klassischer Robotik und einem Scanner. Für das Projekt Cooper‘s Hill, eine millionenschwere Renovierung eines viktorianisch-gotischen Gebäudes, das zuletzt als Studentenwohnheim genutzt wurde, startete Anfang 2017. Die Umwandlung umfasste die Umnutzung des alten Gebäudes und den Bau neuer Stahlkonstruktionen zur Schaffung von 78 luxuriösen Seniorenwohnungen. Nach dem Feldversuch mit dem Vermessungsgerät flossen die Erfahrungen insbesondere in die Optimierung der Software und der Hersteller Topcon ging in die Serienproduktion mit dem Gerät, erzählt Bücken im Interview.

Aktuell wird das Gerät, das das Unternehmen auf der diesjährigen Intergeo-Messe vorgestellt hat und mit dem es derzeit auf einer Roadshow unterwegs ist, von dem Ingenieurbüro GeoDat aus München eingesetzt. Das hat unter anderem beim Projekt Stuttgart 21, am Marienplatz und in einem Tunnel das Gerät erfolgreich im Einsatz. Der Kauf der Totalstation mit 3D-Scanner war sehr spontan, weiß Wolfgang Bücken. Das Gerät - frisch aus der Produktion wurde von Topcon auf der diesjährigen „Bauma“ erstmals vorgestellt. Dort entdeckten die Verantwortlichen von GeoDat das Gerät und entschieden sich noch auf der Messe, ihre bisherigen Geräte durch eine neue GTL-1000 zu ersetzen. Auf Nachfrage erklärt Wolfgang Bücken, dass der Produktlebenszyklus eines Vermessungsgeräts normaler Weise zwischen sechs und zwölf Jahren liege. Allerdings hätten sowohl die Ingenieure von GeoDat ebenso wie das Unternehmen Balfour aus England ihre bewährten Geräte gegen die neue Station ausgetauscht, da sie den 3D-Scanner und die verfügbare Software für ihre jeweiligen Projekte im BIM-Verfahren einsetzen wollten.

Im Gespräch verrät Bücken, welche Möglichkeiten das Unternehmen für sein Vermessungsgerät noch sieht. Derzeit plane man, in einem ersten Versuch, das Gerät beim Bau von Kreuzfahrtschiffen einzusetzen. Beim Bau dieser „schwimmenden Stätte“ könne der Scanner Kosten einsparen helfen. Schiffe werden nach der Fertigstellung des Rohbaus mit einer kostspieligen Schutzschicht versehen. Durch die genaue Vermessung und die Ermittlung des Materialbedarfs werden die Kosten verringert.

. Tizian Meieranz-Nemeth

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