von Christian Schönberg
Hunderte Millionen Euro sollen bis 2032 in ICC-Umbau fließen
Neues Hochhaus und Aufbau eines neuen Hotels geplant
Das Internationale Congress Centrum (ICC) neben dem Funkturm in Berlin ist zu einem Fremdkörper geworden. Abseits der sonst so lebendigen Zentren der Hauptstadt herrscht dort seit 2014 „Stillstandsbetrieb“. So nennen es die leitenden Behörden der Stadt. Doch Leben soll nun wieder einkehren. Das Baukonzept dafür ist Ende Juni erstmals vorgestellt worden.
Bei der Pressevorführung war mehr als einmal von der „Maschine“ die Rede. Tatsächlich sieht das ICC von schräg oben aus wie ein stillgelegtes Hollywood-UFO, das keiner mehr braucht. Eingekeilt zwischen Stadtautobahn und Zubringerstraßen liegt es leblos und ungebraucht da. An der Seitenfront des mattmetallenen Gebäudes hat die Stadt aber schon ein Transparent anbringen lassen. Man solle sich von seinem derzeitigen Zustand nicht täuschen lassen: „ICC : Dauert noch ein bisschen : aber wird Mega“ steht da in großen Lettern.
Investoren müssen Denkmalschutz beachten
Das „bisschen“ Dauer sind noch mindestens drei Jahre. „Unser Wunsch ist, dass die Bagger 2029 anrollen“, skizziert Berlins Innensenatorin Franziska Giffey (SPD) vage den Baustart. Bertram Schultze vom Projektentwickler Coloured Fields sieht dann drei Jahre Bauzeit kommen. Er geht jedenfalls beim Pressegespräch in seiner Antwort vom Jahr 2032 mit der Betriebsaufnahme aus: „Wenn alles gut läuft“, fügt er hinzu.
Mega wird das Projekt schon anhand der Investitionssumme: Den groben Schätzungen zufolge soll sie bei mehr als 700 Millionen Euro liegen. Dazu muss man wissen: Die „Maschine“ hat trotz ihres stadtfremd wirkenden Aussehens Denkmalschutz. Kriterium dabei war eben nicht, wie sich das Gebäude ins Stadtbild einfügt, sondern sein Charakter als steinerner Zeitzeuge einer Epoche. In der Hochphase des Systeme-Wettbewerbs im Kalten Krieg verkörperte das 1979 eröffnete ICC die fortschrittliche Technik und galt damit als Ausdruck der Freiheit des Westteils der Stadt, während der Osten unter der totalitären SED-Glocke verharrte.
So wird auch künftig der Kern des ICC nicht angetastet, aber zu einer Achse geformt. Denn am Nordende soll nun ein Hochhaus für Hotel- und Wohnnutzung entstehen, das 100 Meter hoch sein soll und damit alle umgebenden Gebäude deutlich überragt. Damit werde der „nördliche Eingang des ICC zu einem bedeutenden Ankunftsort“, hieß es in der Projektpräsentation.
Kongresshotel – auch für Besucher der Messen
Über den Kern der Achse, also das jetzige ICC hinweg, wird statt dem derzeit noch bestehenden breiten Parkhaus ein neues 60 Meter hohes Gebäude entstehen – zur „Stärkung der Wahrnehmbarkeit des Ensembles“, wie es hieß. Es soll den jetzigen Plänen zufolge künftig als Kongresshotel dienen – insbesondere für besucherstarke Veranstaltungen auf dem unmittelbar angrenzenden Berliner Messegelände.
Das ICC selbst soll sich der Kultur und gesellschaftlichen Anlässen, mitunter auch wieder den nicht mehr so nachgefragten Kongressveranstaltungen öffnen, die mittlerweile auf dem Messegelände ihren Platz gefunden haben. Saal 1 wird eine Konzerthalle für Popmusik-Auftritte, kann aber nach dem Umbau auch einen Orchestergraben für die Philharmonie haben. Aus Saal 2, so die Vorstellungen der Planer, kann eine Halle für Dauerausstellungen werden.
Für die neuen Hochhäuser konnte Bertram Schultze einen Investitionskorridor von jeweils 150 bis 200 Millionen Euro nennen. Völlig unklar ist, wie viel Geld in die Sanierung und den inneren Umbau des ICC als solchem gesteckt werden müssen. Unter anderem muss die gesamte Haustechnik komplett ausgetauscht werden: „Wir müssen da noch stark ins Detail gehen“, kündig te Schultze an. Es könnte sich aber in einem schon öffentlich genannten Korridor von 330 bis 400 Millionen Euro und „einen Tick drüber“ bewegen.
von Christian Schönberg