von Redaktion
Hochhäuser können auch aus Birkenholz sein
Fachhochschule Aachen forscht am Einsatz einer vielfach verfügbaren Nutzholzart - Versuchshalle steht in Simmerath
Eine Birke wächst schnell. Als sogenannte Pionierbaumart kommt sie auch auf Böden und in Gebieten klar, wo Eiche und Buche noch keine Wurzeln schlagen. Im Bau kommt der Rohstoff, den die Birke spendet, aber kaum zum Einsatz. Die Fachhochschule Aachen will, dass sich das ändert.
Dabei denkt das zuständige FH-Institut ganz groß. Es geht nicht darum, eine Gartenlaube mit Birkenholz zu errichten. Das Team um Prof. Dr. Thomas Uibel hat den mehrgeschossigen Holzbau bei seinen Untersuchungen in den Blick genommen.
Vielversprechende Ergebnisse aus Versuchshalle in Simmerath
Das dreijährige Forschungsprojekt läuft seit August 2023. Und die Ergebnisse in der Versuchshalle von Simmerath sind viel versprechend, wie der Professor betont: „Unsere Versuche belegen, dass Birkenholz eine deutlich höhere Festigkeit als Fichte aufweist“, sagt er.
Bund fördert das dreijährige Holzbau-Projekt
Untersucht wurden Bauteile aus Birken-Brettschichtholz. Im Gegensatz zu dem erwähnten Nadelbaumart gibt es zu solchen Bauelementen noch keine standardisierten Lösungen. Das soll sich mit dem Projekt ändern, das die FH „Holzbau-Systemlösungen für Mehrgeschossigkeit“ – oder kurz „HolzSysteMe“ – getauft hat. 1,7 Millionen Euro stehen zuzüglich einer Förderung des Bundesforschungsministeriums bereit.
Dabei denkt das Forschungsinstitut immer auch an die Praxis: Die Experimente in Simmerath sind Versuche im Bauteilmaßstab. Nur so lässt sich der FH zufolge das reale Trag- und Verformungsverhalten von Holz verlässlich beurteilen. Die Experimente werden mit nummerischen Simulationen kombiniert. Beides zusammen garantiert eine präzise Erfassung von Biegefestigkeit und Verformungsverhalten, so Teamleiter Tom Jansen.
Partner aus der Wirtschaft: Pirmin Jung, NR, Adam Holzbau, Pollmeier Massivholz
Praxisnähe garantieren auch die Partner. Unternehmen wie Pirmin Jung Deutschland, die NR Ingenieurgesellschaft Holztragwerke, Adams Holzbau, Pollmeier Massivholz, aber auch der Landesbetrieb Wald und Holz Nordrhein-Westfalen und das Holzbau Deutschland Institut sind mit an Bord. Bei einer Begehung der Versuchshalle in Simmerath zeigte sich auch der Stellvertretende Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Aachen interessiert und beeindruckt von den Resultaten.
Begleitet wurde er von den beiden FH-Prorektoren Prof. Dr. Josef Rosenkranz und Prof. Dr. Christof Schelthoff. Praxisnähe und gesellschaftliche Bedeutung – dafür stehe die FH, so Rosenkranz: „Das AZH steht beispielhaft dafür“, betont er: „Hier wird Zukunft gebaut – nachhaltig interdisziplinär und mit einem starken regionalen Bezug", so der Prorektor.
Der Mehrgeschossbau aus Holz gewinnt weltweit enorm an Bedeutung. Der nachwachsende Rohstoff entzieht der Atmosphäre das Treibhausgas Kohlendioxid (CO₂) und speichert es als Kohlenstoffverbindung. Das bleibt auch in einem aus Holz errichteten Gebäude so. Deshalb gilt das Material als Baustoff der klimaneutralen Zukunft. Die Birke kann dank der Aachener Forschung bald ihren Beitrag leisten.
Foto: FH Aachen/Sascha Halabut
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