von Redaktion
Heilbronn erhält eine Nordumfahrung und Anschluss an KI-Park IPAI
Mehrere Tochterunternehmen von Wolff & Müller in eine ARGE zusammengefasst
In Heilbronn haben die Bauarbeiten für eines der größten Straßenbauprojekte der vergangenen Jahrzehnte begonnen: Im Auftrag der Stadt baut Wolff & Müller einen Abschnitt der Neckartalstraße vierstreifig aus. Zugleich realisiert das Familienunternehmen den ersten Bauabschnitt der Nordumfahrung.
Mit der geplanten Umfahrung kann die Stadt Heilbronn die Stadtteile Neckargartach und Frankenbach vom Durchgangsverkehr entlasten, das Industriegebiet Neckarau und den Industriepark Böllinger Höfe besser erschließen und den aktuell im Bau befindlichen "KI-Innovationspark IPAI" an das Straßennetz anzubinden.
Gemäß dem Bauplan soll die Erschließung des Innovationsparks im Juni 2027 erreicht werden. Ein Jahr später erfolgt nach jetzigem Stand die Verkehrsfreigabe des gesamten ersten Bauabschnitts der Nordumfahrung. Im Anschluss setzt die Stadt Heilbronn den zweiten und dritten Bauabschnitt der Nordumfahrung um – entlang des Industrieparks Böllinger Höfe bis zur L 533.
Baustellenbüro zwischen Wimpfener und Böllinger Straße
Wolff & Müller richtet das Baustellenbüro des Projekts auf einer freien Fläche zwischen der Wimpfener und der Böllinger Straße ein. Im Laufe des Projektes werden – zum Teil parallel – eine Vielzahl von Leistungen erbracht: Dabei geht es um die Erweiterung eines rund 1.400 Meter langen Teils der bestehenden Neckartalstraße auf je zwei Fahrstreifen pro Fahrtrichtung und die Verwirklichung der Anschlussstellen zur Nordumfahrung. Zudem entsteht der östliche, rund 1.500 Meter lange Teil der Nordumfahrung. Dieser führt von der Neckartalstraße zum Industriepark Böllinger Höfe und überwindet rund 66 Höhenmeter.
Wächtelestalbrücke wird Teil der Nordumfahrung
Im freien Gelände werden zudem zwei neue Brücken errichtet: Die 90 Meter lange Wächtelestalbrücke wird Teil der Nordumfahrung und überspannt den namensgebenden Wächtelesgraben. Die Feldwegbrücke "Am Näpfle" überspannt die Nordumfahrung und dient der Rad- und Fußweg-Anbindung an das IPAI-Gelände sowie der Landwirtschaft.
Im Auftrag der Entsorgungsbetriebe der Stadt Heilbronn baut Wolff & Müller zwischen der Böllinger Straße und der Wimpfener Straße ein Regenüberlaufbecken – mithilfe von überschnittenen Bohrpfählen und in Betonbauweise. Schließlich realisiert das Familienunternehmen noch den vierspurigen Ersatzneubau einer bestehenden Fuß- und Radwegunterführung. Die PST Spezialtiefbau Süd GmbH erbringt für sämtliche Bauwerke die Gründungs- und Spezialtiefbau-Arbeiten.
Das Projekt hat einen enormen Umfang: Wolff & Müller bewegt insgesamt rund 150.000 Kubikmeter Erde. Dabei verbaut das Unternehmen rund 35.000 Tonnen Asphalt und rund 80.000 Tonnen mineralische Schüttgüter. „Die größte Herausforderung besteht darin, dass wir die Neckartalstraße als eine der wichtigsten Zu- und Ausfahrtstraßen Heilbronns im laufenden Betrieb ausbauen", sagt Oberbauleiter Andreas Zumbach. Die Enterteilung in 13 Abschnitte koordinieren er und sein Team so, dass der Verkehr während der gesamten Bauzeit weiterfließen kann.
Einbau der Feldwegbrücke im Tandemhubverfahren
Die Ingenieurbauwerke sind technisch herausfordernd: Die Stützen der Wächtelestalbrücke werden in hochfestem Stahl ausgeführt und mithilfe von Federlamellen in den Beton des Überbaus eingebunden. Die Feldwegbrücke wird vor Ort senkrecht zur Endlage vorgefertigt und mit zwei Autokränen – im sogenannten Tandemhubverfahren – in ihre endgültige Position eingehoben. „Weil wir mehrere Bauwerke parallel herstellen, sind Terminplanung, Schnittstellenmanagement und Bauabläufe anspruchsvoll“, sagt Louisa Lipski, Bauleiterin bei der Wolff & Müller Ingenieurbau GmbH.
Diese Ingenieurbau GmbH ist ein Tochterunterhmen der Firmengruppe, die zusammen mit anderen eine ARGE gebildet haben, um den komplexen Straßenbau zu bewältigen. Dazu gehören auch die Wolff & Müller Tief- und Straßenbau GmbH & Co. KG und die PST Spezialtiefbau Süd GmbH. Ein weiteres Unternehmen, an dem Wolff & Müller beteiligt ist – Häring Spezialtiefbau – erbringt für das Heilbronner Bauvorhaben Spundwandarbeiten.
Vermessungsdrohnen ermitteln die bewegten Erdmassen
Um das komplexe Projekt präzise und effizient zu meistern, nutzt die ARGE eine Reihe digitaler Tools. Zum Beispiel wird das Gelände regelmäßig von Vermessungsdrohnen überflogen, um die bewegten Erdmassen zu ermitteln und den Bauablauf zu dokumentieren. GPS-gesteuerte Bagger nutzen eine satellitenbasierte Positionierung für präzises Arbeiten. Die Ingenieurbauwerke werden mithilfe von Building Information Management (BIM) erstellt; die Baustellenmanagement-Plattform Dalux sorgt für einen koordinierten Informationsfluss und eine strukturierte Abwicklung.
Bild oben: Das zweite Brückenbauwerk im Projekt Nordumfahrung ist die Feldwegbrücke Am Näpfle. - Visualisierung: Stadt Heilbronn/Planungsbüro IB Bauen
Die Nordumfahrung entlastet gleich zwei Heilbronner Stadtteile. - Kartengrundlage: Kartengrundlage: Stadt Heilbronn/Vermessungs- und Katasteramt
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