von Redaktion
Verband IVH: ARD-Krimi Tatort "Fackel" erzählt ein baufachliches Zerrbild
Industrieverband Hartschaum wehrt sich gegen Darstellung in der Grennfell Tower-Folge
Der am heutigen 22. März ausgestrahlte Tatort "Fackel" erzählt laut eigener Ankündigung von einem "verheerenden Hochhausbrand (...) infolge billiger Dämmmaterialien" sowie von einem "Geschäftsführer eines Baustoffkonzerns mit engen politischen Verbindungen". Regisseur Rick Ostermann verweist darauf, dass sich die Handlung konkret am Brand des Grenfell Tower im Juni 2017 orientiert. Um dem Film zusätzliche gesellschaftliche Relevanz zu verleihen, greift er bewusst auf reale Hintergründe zurück.
Damit aber verlässt er auch den Bereich reiner Fiktion, wie die Geschäftsführerin des Industrieverbandes Hartschaum (IVH), Serena Klein, in einer aktuellen Stellungnahme darlegt. Der IVH ist ein Zusammenschluss der deutschen Hersteller von Wärmedämmung aus expandiertem Polystyrol-Hartschaum (EPS).
Serena Klein: "Hergestellter Zusammenhang entspricht nicht der Realität"
"Die Tatort-Episode 'Fackel' erzählt ein baufachliches Zerrbild", so Serena Klein. Sie stelle einen Zusammenhang zwischen einzelnen Baustoffen und Gebäudebränden her, der fachlich nicht belastbar ist und der Realität nicht entspricht. "Tatsächlich entstehen Brände nicht isoliert durch Baumaterialien, sondern durch Fehler im Gesamtsystem - etwa in Planung, Ausführung oder Kontrolle", stellt die Geschäftsführerin klar.
Sie beruft sich auf den Abschlussbericht zum Grenfell Tower: "Er stellt fest, dass der Brand durch einen defekten Kühlschrank ausgelöst wurde. Die fatale Brandgeschwindigkeit wurde durch fälschlicherweise an der Fassade eingebaute, brennbare Aluminium-Verbundplatten mit Polyethylenkern begünstigt. Insgesamt führten aber Konstruktionsmängel, unzureichender Brandschutz sowie systemisches Versagen bei Planung, Regulierung und Kontrolle dazu, dass sich das Feuer ungehindert über die Fassade und zurück ins Gebäude ausbreiten konnte", verweist Klein auf die damaligen Erkenntnisse.
Grenfell Tower hatte keinen Polystyrol-Dämmstoff an der Fassade
Am Grenfell Tower kam kein Polystyrol-Dämmstoff an der Fassade zum Einsatz. Der Tatort "Fackel" leistet daher einen Beitrag zur Mythenbildung. "Vor diesem Hintergrund ist es wichtig, die Diskussion faktenbasiert zu führen. In Deutschland unterliegen insbesondere Hochhäuser strengen bauordnungsrechtlichen Anforderungen", so Klein. "Materialien und Fassadensysteme werden umfassend geprüft und entsprechend den geltenden Brandschutzvorschriften." Für Hochhäuser gilt beispielsweise die Muster-Hochhaus-Richtlinie (MHHR): "Brände wie bei Grenfell können nach unserer Ansicht in Deutschland nicht vorkommen, da wir ein anderes Regelwerk haben: in Deutschland werden ausschließlich vom Deutschen Institut für Bautechnik (DIBt) bauaufsichtlich zugelassene Systeme für den Hochhausbereich verwendet", so die Verbandsgeschäftsführerin.
Ihr sei es, wichtig dass fiktionale Darstellungen nicht zu Fehlinterpretationen über reale Bauweisen und deren Sicherheitsstandards führen, da sie zur öffentlichen Meinungsbildung beitragen können. "Wenn - wie im 'Tatort' - ein unzutreffender Zusammenhang mit EPS-Dämmstoffen hergestellt wird, fördert das nicht nur eine verzerrte öffentliche Wahrnehmung, sondern führt auch zu einer allgemeinen Verunsicherung beim Einsatz von Wärmedämmstoffen", kritisiert Klein.
Foto (Leonhard_Niederwimmer/Pixabay): In Deutschland schützt die Muster-Hochhaus-Richtlinie vor solchen Brandfällen wie im Vereinigten Königreich.
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