von Christian Schönberg
Größtes modulares Wohnbauprojekt ist in Berlin umgesetzt worden
Überwiegender Teil der Wohnungen wird "belegungsgebunden" vergeben
Ressourcenschonend, kostengünstig, qualitätsüberwacht und vor allem schnell fertig: Gebäude in modularer Bauweise liegen im Trend einer Zeit, in der vor allem in Ballungsräumen dringend neuer Wohnraum benötigt wird. In Berlin erreicht das Verfahren nun eine neue Dimension: Kein modular entstandenes Wohnquartier in Europa hat die Ausmaße wie das an der Landsberger Allee.
Errichten lässt es die Wohnungsbaugesellschaft Gewobag. Ein Meilenstein bis zur endgültigen Fertigstellung ist am 18. Mai mit der Feier des Stapelfestes gesetzt worden: Das letzte von insgesamt 3.289 Modulen wurde mit dem Kran eingehoben und montiert.
Verena Hubertz und Kai Wegner beim Stapelfest
Der Rekordgröße dieses modularen Bauvorhabens entsprach die Prominenz der Besucher: Sowohl Bundesbauministerin Verena Hubertz (SPD) als auch der Regierende Bürgermeister der Stadt Berlin, Kai Wegner (CDU), kamen mit Glückwünschen auf das Baufeld.
Sie machten sich einen Eindruck von dem imposanten Komplex, der aus vier Gebäuden mit bis zu acht Geschossen besteht: 776 Einraum-, 472 Zweiraum-, 237 Dreiraum-, 27 Vierraum- und 36 Fünfraum-Wohnungen finden die Neumieter dort vor – alles in allem also 1.548 Haushalte mit 2.500 bis 3.000 Menschen, die sich dort einrichten können.
Marc Terboven: "Daiwa war der geeignete Partner"
Gewobag-Vorstand Markus Terboven erinnerte in seiner Stapelfestrede daran, dass die Geburtsstunde des Bauvorhabens in keiner einfachen Zeit schlug: Als vor vier Jahren ein Baupartner für das Projekt gesucht wurde, ist die Wirtschaft und insbesondere die Baubranche von ansteigenden Zinsen und hohen Einkaufspreisen nach den Corona-Jahren und dem Beginn des Ukraine-Kriegs konfrontiert gewesen: „Bei der Suche nach einem geeigneten Partner haben wir Daiwa gefunden“, erinnerte sich Terboven. „Sie haben gesagt: ‚Wir machen einen Festpreis und wir stehen dazu‘“, so der Gewobag-Chef.
Das Bauverfahren von Daiwa führte unter anderem zu einer günstigen Herstellungsweise, die sich auch auf die Mieten auswirkt, wie Bundesbauministerin Verena Hubertz in ihrer Festrede betonte: Der Herstellungspreis pro Quadratmeter lag ihr zufolge bei 2.700 Euro; bei konventioneller Bauweise wären es 4.300 Euro: „Das macht dann auch die Mieten günstig“, so Hubertz.
Sozial vertretbare Mietpreise
Attraktive, sozial vertretbare Mietpreise waren auch eines der Ziele der Gewobag: 1.316 der dort angebotenen 1.548 Wohnungen sind „mietpreis- und belegungsgebunden“, wie es in der Ankündigung zum Stapelfest hieß. Kaltmieten zwischen sieben und 11,50 Euro je Quadratmeter hat die Gewobag realisieren können. Das machten Terboven zufolge Mittel der sozialen Wohnraumförderung und Kreditpartner, wie die Europäische Investitionsbank oder die Kreditanstalt für Wiederaufbau, möglich – aber eben auch das modulare Herstellungsverfahren.
Doch Daiwa hat die Berliner Wohnungsbaugesellschaft nicht nur mit einer kostengünstigeren Bauweise überzeugt. Das Unternehmen fertigt die Module so, dass praktisch das gesamte verbaute Material recyclingfähig ist. In einem sogenannten Materialpass ist dokumentiert, welche Baustoffe verbaut wurden und wie sie wieder in neue Herstellungskreisläufe übergehen können.
Wohnen der Zukunft mit Kita, Park und vielen Geschäften
Generell achtet Daiwa in seinem Konzept neben der nachhaltigen Bauweise auch auf nachhaltiges Wohnen. Die Dachbereiche werden begrünt sein. Den Gebäudekomplex ergänzt ein unmittelbar anliegender Park zur Erholung und für die familiäre Spielplatz-Freizeit. Eine Kita wird ebenso integriert sein wie weitere Bereiche der Nahversorgung. Das garantiert die Attraktivität des Wohnquartiers für die Zukunft.
Ein entscheidendes Hauptmerkmal der modularen Bauweise ließ beim Stapelfest auch keiner der Gastredner unerwähnt: die Geschwindigkeit. Innerhalb der vergangenen vier Jahre so weit zu sein, ist nur mit der Vorfertigung möglich. Die Wege waren dafür auch nicht weit. Daiwa betreibt sein Fertigungswerk in Fürstenwalde. Die Stadt liegt 50 Kilometer vor den Toren Berlins. Transportkosten und -lasten blieben damit auf ein Minimum beschränkt.
Regierender Bürgermeister Kai Wegner erkennt „Gamechanger“
Für den Regierenden Bürgermeister Kai Wegner ist solch ein Projekt wie das von Daiwa und der Gewobag ein „Gamechanger“, wie er bei seiner Stapelfestrede verdeutlichte: In so schneller Zeit ein lebenswertes und zukunftsweisendes Quartier zu schaffen, soll nach seinem Wunsch „nicht das letzte Mal in Berlin“ so sein.
Daiwa hat laut Wegner den Mut aufgebracht, eine revolutionäre Bauweise umzusetzen und Erfolg damit. Damit setzt das Unternehmen zusammen mit Partnern wie der Gewobag das in der Praxis um, was die Stadt auch politisch anstrebt – und dafür beispielsweise das Schneller-Bauen-Gesetz auf den Weg gebracht hat. Auch die Landesbauordnung ist so angepasst worden, dass schneller und einfacher solch große Bauprojekte wie hier umgesetzt werden können, so der Berliner CDU-Politiker.
Daiwa-CEO Manabu Hirabayashi nahm die Worte des Berliner Regierenden Bürgermeisters dankbar und besonders warmherzig auf. Denn dem Unternehmer bedeutet die Stadt auch persönlich viel, wie er in seiner Dankesrede erzählte: Er war 1989 Student in der Stadt. Dieser Aufenthalt fiel zeitlich zusammen mit dem Mauerfall, den er dadurch selbst miterlebt hat. Es war der Beginn eines bedeutenden Wandels für die Stadt – beziehungsweise einer „transformation“, wie Hirabayashi in englischer Sprache erzählte. Jetzt komme er mit Daiwa und einer anderen „transformation“ zurück, um mit modularem Verfahren zukunftsfähiges und lebenswertes Wohnen bereitzustellen – nachhaltig, kostengünstig und schnell.
Foto oben: Daiwa House Modular Europe / Cojan van Toor
Vom Daiwa-Werk in Fürstenwalde sind die Module nach Berlin-Lichtenberg geliefert worden. Foto: Dirk Enters
von Christian Schönberg