von Redaktion

Gipsrecycling: Viel Potenzial liegt noch brach

Holger Ortlieb: "Recycling ist kein kurzfristiger Ersatz für REA-Gips"

Der Bundesverband der Gipsindustrie warnt vor einer sich zuspitzenden Rohstofflücke. Dagegen kann mehr Recycling helfen. Doch nur 22,18 Prozent des derzeitigen Gipsabfall-Aufkommens wird wiederverwertet, wie eine Analyse für das Jahr 2024 ergab.

Insgesamt fielen seinerzeit 578.600 Tonnen Gipsabfälle an. Daraus stellten Recyclingunternehmen rund 128.500 Tonnen Recycling-Gips her. Das vorhandene Potenzial wird angesichts dieser Daten auf etwa 300.000 bis 400.000 Tonnen geschätzt. Dass nicht ganz der Wert des gesamten Abfallaufkommens erreicht werden kann, liegt daran, dass ein Teil davon nur in geringen Anteilen Gips enthält und damit für die wirtschaftliche Aufbereitung uninteressant ist.

Rauchgasentschwefelung als Ausgang für neuen Gips

Die Bedeutung des Recyclings hat vor allem vor dem Hintergrund schließender Kohlekraftwerke zugenommen. Denn der Rohstoff kann quasi in dreifacher Form auf die Baustellen gelangen: als abgebauter Rohstoff, als recyceltes Material und vor allem als sogenannter REA-Gips – einem Nebenprodukt der Rauchgasentschwefelung in Kraftwerken, die mit Kohleverarbeitung betrieben werden. Letztere werden zunehmend geschlossen, um politischen Vorgaben zur Treibhausgasausstoß-Reduzierung zu entsprechen. Das führt dann auch zum teils massiven Rückgang des REA-Gipsaufkommens und diesbezüglichen Engpässen.

Die angestrebten Recyclingmengen werden die entstehende REA-Gips-Lücke nicht allein kompensieren können. Denn die Recyclingkapazitäten stoßen – wie das Beispiel Wohnungsbau sehr anschaulich zeigt – an natürliche Grenzen: Der Rückbau von Gebäuden unterschreitet den Neubau deutlich. So sind im Jahr 2022 zirka 295.275 Wohnungen neu gebaut, aber im selben Zeitraum nur etwa 16.500 abgerissen oder umgewidmet worden.

Abbau von Naturgips bleibt unverzichtbar

Dazu kommt, dass Gipsplatten erst ab den 1980er Jahren verstärkt verarbeitet wurden. Größere Mengen werden daher voraussichtlich erst in den kommenden Jahren bei Rückbau und Umbau von Gebäuden anfallen und für das Recycling zur Verfügung stehen.

„Recycling ist ein zentraler Baustein der Kreislaufwirtschaft, aber kein kurzfristiger Ersatz für REA-Gips“, verdeutlicht Verbandsgeschäftsführer Holger Ortlieb das Problem. Deshalb muss der Abbau von Naturgips weiter gesteigert werden. Nur dadurch lässt sich die REA-Gips-Lücke zuverlässig schließen.

Gleichzeitig plädiert die Branche für klare politische Rahmenbedingungen, um die Potenziale des Recyclings weiter zu heben und diese Rohstoffbasis langfristig zu sichern. (Mehr dazu in unserer kommenden Ausgabe 10/2026 Nr. 215)

Foto: Bundesverband der Gipsindustrie

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