von Christian Schönberg
Gicon hat den Bau am höchsten Windrad der Welt wieder aufgenommen
Ertrag von 30 bis 33 Gigawattstunden möglich - Jährlicher Bedarf von 7.500 Haushalten
Im südbrandenburgischen Schipkau entsteht das höchste Windrad der Welt. Nach einem Baustopp im Winter sind die Arbeiten am 2. März wieder aufgenommen worden. Das Bauwerk wird bis zur Spitze seines Rotors mit 365 Metern annähernd so hoch wie der Berliner Fernsehturm sein.
Die Unterbrechung der Bauarbeiten war laut dem Erbauer Gicon unvorhergesehen: Wie die Unternehmensgruppe auf ihrer eigenen Website berichtet, seien fehlerhafte Stahlteile geliefert worden.
Gelieferte Stahlelemente hatten den Ansprüchen des Mammutbauvorhabens nicht genügt
„Die interne Qualitätskontrolle ist abgeschlossen“, berichtet das Unternehmen auf seiner Website. Alle bisher verbauten Stahlelemente sowie Lieferungen auf dem Baufeld seien sorgfältig geprüft worden. „Betroffene Komponenten, bei denen Ende 2025 Abweichungen bei gelieferten Stahlelementen eines Subunternehmens festgestellt wurden, werden nun durch Ersatzbauteile ersetzt“, heißt es weiter.
Der Windturm entsteht als Stahlfachwerk mit einer innovativen Aufbaumethode. Ein dünner wird in einen breiteren Turm gebaut und später wie bei einem Teleskop nach oben geschoben. Die Nabenhöhe der Windkraftanlage liegt in zirka 300 Metern Höhe.
Turm wird nach Aufsetzen der Turbine nach oben teleskopiert
Gicon hatte zuvor mit vielen Bauunternehmen aus der Umgebung In der zweiten Jahreshälfte 2025 das Fundament gegossen, die ersten Verankerungen für den Turm gesetzt und die Vorbereitungen für die Montage des Stahlgitterturm getroffen. Wenn dieser montiert ist, wird die Turbine aufgesetzt und in die Höhe teleskopiert.
Das neue Höhen für die Windenergie erschlossen werden, hat einen triftigen Grund. Dort oben wehen stärkere und gleichmäßigere Winde als nahe dem Erdboden. Damit kann ein deutlich höherer Jahresertrag erzielt werden als bei heutigen Anlagen. „Ziel ist es zudem, die Stromerzeugung näher an Verbraucher zu bringen und so die regionale Versorgung mit erneuerbarer Energie zu stärken“, bekräftigt Gicon.
Ideengeber Prof. Jochen Großmann ist auch Gründer der Unternehmensgruppe Gicon
Gründer der Gicon-Gruppe ist Prof. Jochen Großmann. Der Dresdner Hochschullehrer und Unternehmer gab laut der Bundesagentur für Sprunginnovationen (Sprin-D) gemeinsam mit dem Leipziger Professor Dr. Horst Bendix den Anstoß für die Idee. Sprind-D ist eine Ausgründung des Bundesforschungsministeriums und formell Auftraggeber für den Windturmbau zu Schipkau.
Sprin-D plant gemeinsam mit Gicon mit einem Jahresstromertrag von 30 bis 33 Gigawattstunden. Das entspreche dem Jahresbedarf von rund 7.500 Vier-Personen-Haushalten. Die 2016 errichtete Windkraftanlage in Hausbay-Bickenbach im Hunsrück stellt mit 229,50 Metern Kompletthöhe jährlich Strom für 3.000 Vier-Personen-Haushalte her.
Sprin-D sieht in dem Schipkauer Projekt nur einen Anfang: „Denn nur viele solcher Anlagen können die Windenergie dahin bringen, wo sie gebraucht oder – idealerweise beides – akzeptiert wird“, heißt es dort: Viele weitere gute Ideen und wertvolle Erfahrungen aus dem Projekt müssten schnell umgesetzt werden, um sowohl die Kosten für den Strom aus einer Höhenwindenergieanlage unterhalb der jetzigen Preise anzusiedeln als auch die Strompreise in Dunkelflauten zu senken. „Die Chancen dafür stehen gut, denn Höhenwindstrom steht häufiger und stabiler zur Verfügung“, so der Auftraggeber.
von Christian Schönberg