von Christian Schönberg
Forschung an CO2-senkendem Beton nimmt Fahrt auf
Netzwerk Paebbl unterstützt unter anderem Umbau von Fährhaus in Rotterdam zu Kulturzentruim
Aus einem nicht mehr benötigten Fährhaus in Rotterdam wird nun ein Kulturzentrum. Unter anderem erhält es dafür eine neue Gebäudehülle. In ihr stecken 275 Kilogramm gespeichertes Kohlendioxid (CO2).
Der Hersteller der zwölf Betonfertigteile, die niederländische Firma Byldis, seiner Zeit mehrere Schritte voraus. Gleiches gilt für Heijmans. Dieses niederländische Unternehmen stellte den Beton für die erste Brücke, die aus komplett CO2-neutralem Beton hergestellt worden ist und nun in Rosmalen auf dem Werksgelände aus Fertigteilen errichtet worden ist. Feierlich eröffnet wurde das sieben Meter lange Bauwerk Ende Januar dieses Jahres mit Heijmans-Innovationsmanager Nick Vervoort und Ana Luisa Vaz von Paebbl an der überdimensionalen Schere. (Foto oben: Paebbl AB).
Gründung von Paebbl erfolgte im Jahr 2021
Normalerweise gilt Beton als Treibhausgas-Verursacher: Denn sein Hauptbindemittel Zement stößt bei dessen Klinkerproduktion zweifach Treibhausgas aus: einmal durch die benötigte viel Wärme, zum anderen durch die chemischen Prozesse. Mithin ist die Zementproduktion für acht Prozent aller ausgestoßenen Treibhausgase verantwortlich.
Dass das im Fall des Rotterdamer Fährhauses und der Heijmans-Brücke nicht so ist, gehört zu den Erfolgen von Paebbl. Diese unternehmerische Organisation hat sich 2021 mit dem hohen Ziel gegründet, das Bauen klimaneutral zu machen. Sie hat sich von Anfang an paneuropäisch aufgestellt. Zu den Mitgründern gehören die schwedische Investorin Marta Sjögren, die britische Unternehmerin Jane Walrud und der niederländische Wissenschaftler Pol Knops.
Silikate entziehen CO₂ durch Karbonatbildung
Das Netzwerk Paebbl kann auf wichtige Partner aus der Wirtschaft zählen. So haben sich Goldbeck und Holcim zur Zusammenarbeit mit Paebbl entschlossen. Holcim als genuiner Zementhersteller hat damit die Möglichkeit, ausgestoßenes und eingefangenes Kohlendioxid einer sinnvollen Verwendung zuzuführen. Denn Paebbl benötigt reines CO₂ für seine eigene Produktion.
Dafür gibt es bislang eine Demo- und eine Pilotanlage. Ein Werk zur Serienproduktion sollte nach den Vorstellungen von Sjögren aus dem Jahr 2024 im kommenden Jahr entstehen. Damals hob sie in einem Interview mit einem Start-up-Magazin hervor, dass es von den ersten Labortests bis hin zur ersten voll funktionsfähigen Pilotanlage nur 18 Monate in Anspruch genommen habe.
Neben der Pilot- existiert seit 2025 auch eine Demoanlage
Die Pilot- wie auch die im März 2025 in Betrieb genommene Demoanlage sind beide in Rotterdam beheimatet. Insbesondere Letztere soll dazu dienen, die industrielle Fertigung vorzubereiten. Bis Mitte November hatte sie 500 Betriebsstunden absolviert, während die Pilotanlage bereits 2.000 Stunden lief.
Beide Werke dienen aber vor allem einer Sache: noch zu lernen und die Fertigungsmethoden so anzupassen, dass sie im industriellen Maßstab und damit wirtschaftlich umgesetzt werden. Dass das gelingt, daran zweifelt Sjögren nicht: „Wir setzen auf eine energieeffiziente Produktion, um die Kosten niedrig zu halten“, sagt sie.
Das allein würde aber nicht reichen. Es braucht verlässliche Abnehmer. Die Wirtschaftspartnerschaften machen da schon mal Mut. Aber grundsätzlich ist die Bauwirtschaft von Zurückhaltung bei neuartigen Baustoffen geprägt, wie Sjögren weiß: Insbesondere diverse Normungen berücksichtigen neuartige Verfahren oder Betonbindemittel nicht oder nur unzureichend. Entsprechend zurückhaltend sind große Abnehmer und entsprechend klein sind noch solche umgesetzten Projekte wie der Umbau des Rotterdamer Fährhauses zum Kulturzentrum „Het Veerhuis“.
Und entsprechend groß ist die Abhängigkeit auch von öffentlicher Förderung, die gang und gäbe ist, wenn Unternehmen wie Paebbl Neufelder betreten. Neben den staatlichen Förderungen zählen dazu auch die Kooperationen mit den zumeist ebenso von öffentlichen Geldern lebenden Universitäten. Akademische Zusammenarbeit gibt es dabei aber nicht nur in Europa mit dem Königlichen Institut für Technologie in Stockholm, den Universitäten von Oxford und Twente sowie der Rheinland-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen. Auch die Universität von Guelph in Ontario (Kanada) gehört dazu.
Die Brücke ist etwa sieben Meter lang und steht auf dem Firmengelände in Rosmalen. (Foto: Paebbl AB)
Aus dem Rotterdamer Fährhaus ist mit der Sanierung der Gebäudehülle ein Kulturzentrum geworden. Foto: Paebbl AB
Mehr dazu in unserer aktuellen Ausgabe "Der BauUnternehmer"
von Christian Schönberg