Krane - von Redaktion

Flat-Top-Kran klettert auf Rekordhöhe

Liebherr 1000 EC-B errichtet Windenergieanlage mit Nabenhöhe von 149 Meter

Biberach an der Riß – Ein Liebherr-Turmdrehkran war kürzlich bei der Montage einer Windkraftanlage in rund 800 Meter Höhe im Windpark Prechtaler Schanze im Schwarzwald im Einsatz. Auf dem Höhenzug zwischen den Gemeinden Gutach und Mühlenbach errichtete der 1000 EC-B mit extrem geringem Flächenbedarf erstmals eine Windenergieanlage mit einer Nabenhöhe von 149 Meter. Der Turmdrehkran war bisher beim Windenergieanlagen-Hersteller Enercon noch nie so hoch aufgebaut worden – sowohl mit als auch ohne Abspannung am Turm der Windkraftanlage.

Im April 2016 hat ein Liebherr-Turmdrehkran 1000 EC-B 125 Litronic von Enercon eine neue Windkraftanlage im Windpark Prechtaler Schanze errichtet. Mit einer Nabenhöhe von 149 Meter sowie einem Flügeldurchmesser von 115 Meter ist es die bisher größte Anlage, die mit diesem Kran aufgebaut wurde.

Mit dem 31,50 Meter langen Ausleger konnten bei 164 m Hakenhöhe immer noch 100 Tonnen im Vierstrang gehoben werden – einer der entscheidenden Vorteile des stärksten Flat-Top-Krans von Liebherr, der für die Montage von Windenergieanlagen optimiert wurde. Generell beträgt die maximale Traglast dieses Krantyps 125 Tonnen in der Sechs-Strang-Ausführung beziehungsweise 100 Tonnen in der Vier-Strang-Ausführung.

Logistische Vorteile bei Transport und Montage
Windkraftanlagen in Schwachwindgebieten sind in der Regel nicht Bestandteile großer Windparks, sondern werden in Waldgebieten oder an schwer zugänglichen Orten errichtet. Beides war am aktuellen Einsatzort im Südschwarzwald der Fall.
Laut Enercon kam auf der kleinen, spitzen Bergkuppe in Gutach, Mühlenbach mitten im Wald nur der 1000 EC-B 125 Litronic in Frage. Der Flächenbedarf für die Montage eines kompletten Flat-Top-Krans beträgt etwa die Hälfte der üblichen Standfläche anderer Kransysteme. Der hier eingesetzte Ausleger ist sehr kurz, daher ist auch für dessen Montage keine zusätzliche Rodung des Geländes nötig.
Zudem ist der logistische Aufwand für den Transport des 1000 EC-B 125 Litronic viel geringer als für vergleichbare verfahrbare Kransysteme, da die einzelnen Bauteile des Turmdrehkrans in kleineren Kolli angeliefert werden. Auslegerteile des Großkrans können in die Turmelemente eingeschoben, auf einem Lkw transportiert und vor Ort zusammengebaut werden.

Zunächst montierte der kompakte Liebherr-Raupenkran LR 1200 den Flat-Top-Kran auf seine anfängliche Grundhakenhöhe von 39 Meter. Ab diesem Punkt montiert der Turmdrehkran die Windkraftanlage und kann mit seiner eigenen Klettereinrichtung selbstständig mit dem Baufortschritt des Turms mitklettern.

Beim Einsatz im Südschwarzwald kletterte er bis zu einer Hakenhöhe von 110 Meter freistehend. Auf einer Höhe von 100 Meter wurde er an der Windkraftanlage abgespannt. Mit dieser einen Abspannung kletterte der Kran bis auf eine Endhakenhöhe von 164 Meter. Sowohl freistehend als auch fertig geklettert und abgespannt sind das für Enercon noch nie da gewesene Hakenhöhen. Dies ist nur möglich, weil das Flaggschiff der Liebherr-Flat-Top-Krane auf das Turmsystem 1000 HC montiert wurde. Die Monoblock-Turmstücke mit einem Systemmaß von 3,40 Meter mal 3,40 Meter und einer Länge von 5,80 Meter ermöglichen hohe freistehende Aufbauhöhen bei kurzen Montagezeiten. Der Aufbau der Windkraftanlage dauerte in etwa vier Wochen.

Zudem wurde der Kran für die Errichtung der ersten Anlage auf Wunsch von Enercon mit verstellbarem Unterwagen mit 18,0 mal 18,0 Meter Abstützbasis konzipiert. Die Tragholme lassen sich bei diesem speziellen Unterwagen aus der 45-Grad-Position um +/- 5 Grad oder +/-10 Grad verstellen. Die Standfläche der Abstützbasis beträgt dann 20,4 Meter mal 15,2 Meter. So kann bei geringem Platzbedarf noch näher an das Objekt gerückt werden.

Spezialist für Windkraft-Montagen
An Standorten von Windkraftanlagen herrschen meist raue Windbedingungen, die Kraneinsätze beeinträchtigen können. Ein spezifischer Vorteil von Turmdrehkranen ist die Betriebssicherheit bei Windgeschwindigkeiten von bis zu 65 Stundenkilometer.

Die stufenlosen Kranantriebe gewährleisten zudem hohe Arbeitsgeschwindigkeiten. Mit dem Feinpositioniermodus Micromove lassen sich die Betonringe, die Gondel und die Rotorblätter millimetergenau positionieren und absetzen. Auch die sehr langen Rotorblätter können bei der Montage millimetergenau platziert werden, da Pendelbewegungen der angehängten Bauteile vermieden werden.

Aus der Kabine hat der Kranfahrer eine optimale Sicht auf das Geschehen. Dies erleichtert die exakte und sichere Positionierung der Rotorblätter mit dem Laufkatzausleger.

von Redaktion

Erschienen in Ausgabe: September 2016 | Seite 24

Zurück