von Redaktion
Fernwärmenetz-Betreiber setzt auf Flüssigboden
Insgesamt 1.000 Meter Leitungsgräben sind damit bereits verfüllt worden
Die Gemeinde Benningen im Unterallgäu will künftig alle ihre Haushalte mit erneuerbarer Fernwärme versorgen. Dazu wird derzeit eines der bundesweit größten Bauprojekte für regenerative Energiegewinnung umgesetzt. Die neuen Leitungen werden nicht einfach auf üblichem Sand gebettet – Flüssigboden kommt zum Einsatz.
Insgesamt geht es um 30.000 Megawattstunden Wärme, die vom Heizwerk Memmingen / Süd-Benningen neben den Haushalten der Gemeinde auch Teile Memmingens mit der Fernwärme versorgen. Holzhackschnitzel bilden den Grundstoff. Außerdem sollen Großwärmepumpen laufen, deren Strom aus einem Fotovoltaikfeld am Allgäu-Flughafen gewonnen wird.
Rohre mit einem Außendurchmesser DN 450
Die Hauptleitung des neuen Fernwärmenetzes verläuft im Erdreich. Die Rohre dafür sind entsprechend der Größe des Projekts sehr groß, und damit auch der Grabenquerschnitt. Sie haben einen Außendurchmesser von 45 Zentimeter, also DN 450. Zugleich werden Leitungen DN 200 für die Abwärme verlegt, die aus dem Netz in die Energiezentrale laufen soll.
Große Leitungen erfordern auch einen großen Grabenquerschnitt. Den Flüssigboden stellt die Max Wild GmbH aus dem nahen Berkheim bereit. Insgesamt etwa 1.000 Meter Leitungsgräben für Fernwärme, Fernkälte und Lichtwellenleiter wurden bereits damit verfüllt. Alles in allem sind 3.000 Kubikmeter eingebaut worden. „Gerade in Nah- und Fernwärmenetzen und je nach Anforderung ist Flüssigboden oft die beste technische Möglichkeit, die Leitungen zu betten und zu umhüllen“, betont Max-Wild-Abteilungsleiter Jan Bielefeld.
Spezialisten von E-con haben die Rohre vorgeschweißt
Max Wild hat den Rohrgraben ausgehoben, während die Spezialisten des kommunalen Energieversorgers E-con nebenan die Rohre vorgeschweißt haben, die zum Teil 36 Meter lang waren und am Stück in den Rohrgraben gehoben wurden. Dort wurden sie mit Niederhaltern fixiert und anschließend mit dem Flüssigboden verfüllt. Während des letztgenannten Arbeitsschrittes wurde bereits der nächste Abschnitt ausgehoben, das gleiche Prozedere folgte.
Mit individuell angepassten Rezepturen erreicht Max Wild damit eine stabile Bettung. Das Familienunternehmen produziert seinen Flüssigboden gemäß eigener Eignungsprüfung und Rezepturen aus dem hauseigenen geotechnischen Labor. Es garantiert eigenen Angaben zufolge die Qualität durch die werkseigene Produktionskontrolle. Der Sekundärbaustoff gilt als nachweislich umweltunbedenklich, ist nach dem Verein Baybüv güteüberwacht und gemäß der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen (FGSV) zertifiziert.
Flüssigboden ist dauerhaft wiederaushubfähig
Gegenüber der klassischen Verfüllung mit Sand hat der Flüssigboden einen entscheidenden Vorteil: Er ist dauerhaft wiederaushubfähig. Auch bei späteren, fremden Tiefbauarbeiten im Bereich des Wärmenetzes würde der Aushubgraben stabil stehen bleiben und verhindert somit, dass die Rohrumhüllung der bestehenden Sparten wegbricht.
Der ausgehärtete Flüssigboden lässt sich leicht mit einem Spaten lösen, ganz ohne Spezialgeräte und ganz ohne den Rest des Fernwärmenetzes zu beeinträchtigen. „Wenn Reparaturen oder Erweiterungen anstehen, können wir punktuell vorgehen und haben einen unkomplizierten und schnellen Zugriff auf die Leitungen“, erzählt E-con-Vorstand Peter Waizenegger. Gerade bei der Hauptleitung sei das entscheidend: „Wir können sie nicht einfach mehrere Tage stilllegen“, verdeutlicht er.
Vollflächige und anliegende Umhüllung der Rohre
Der Flüssigboden bietet eine vollflächige und anliegende Umhüllung der Rohre und leitet Reibungskräfte in den Boden ab. Gegenüber der klassischen Verfüllung mit Sand reduziert das den Rohrverschleiß, betont Max-Wild-Abteilungsleiter Jan Bielefeld: „Je besser die Ableitung, desto weniger verschleißen die Rohre“, sagt er. Für einen langfristigen und sicheren Netzbetrieb sei das ein zentraler Gesichtspunkt.
Der Flüssigboden von Max Wild ist bereits nach rund 24 Stunden begeh- und überbaubar. Im Falle des Fernwärmenetzes Memmingen Süd/Benningen kamen Kies, Asphalt sowie eine Deckschicht für einen frostsicheren Aufbau über den ausgehärteten Flüssigboden. Denn die meisten Leitungen, die mit dem Flüssigboden von Max Wild verfüllt wurden, verlaufen in Hauptverkehrsbereichen, wie Straßen, Rad- und Gehwegen.
Foto: Max Wild
Sogenannte Niederhalter verhindern das Aufschwimmen der Leitungen, die mit Flüssigboden verfüllt werden. - Foto: Max Wild
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