von Christian Schönberg
Fehmarnbelttunnel wird in zwei Etappen eröffnet
Zugverkehr wird erst deutlich später als der Straßenbetrieb in Gang gesetzt
Der Bau des Fehmarnbelttunnels hat zwei Jahre Rückstand. Das teilte die staatliche dänische Holding Sund & Bælt Mitte Mai mit. Und dieser Zeitverzug muss nicht das Ende der Fahnenstange sein: „Die Rahmenbedingungen erschweren es, verlorene Zeit aufzuholen“, heißt es in der Firmenmitteilung: „Sie könnten zu weiteren Verzögerungen des Projektes führen.“
Zu diesen Rahmenbedingungen gehören insbesondere die Auflagen deutscher Behörden: Demnach gebe es strenge Vorgaben zum Geräusch-Ausstoß unter Wasser Unterwasserlärm. Zudem geben sie Zeitfenster vor, in denen gearbeitet werden darf oder nicht.
Der bisherige Zeitverzug hat aber einen anderen Grund. Das Bauvorhaben wird in Absenkmethode erstellt: 217 Meter lange und 73.500 Tonnen schwere Einzelelemente werden ins Wasser gelassen, in eine vorbereitete Tunnelgrube am Meeresgrund platziert und miteinander verbunden. Dafür braucht es ein Spezialschiff. Und darauf warteten die Dänen länger als erwartet.
Unabhängig von dem Zeitverzug durch die späte Schiffslieferung wird der Tunnel nun definitiv in zwei Etappen eröffnet. Für Kraftfahrzeuge wird die Unterführung deutlich früher in Betrieb genommen als für Züge. Dabei sollten – auch im Sinne einer viel zitierten Mobilitätswende – die abgasfreien Bahnfahrzeuge zur selben Zeit wie Autos durch den Tunnel rauschen. Grund für die Eröffnung in zwei Etappen ist, dass Ende vorigen Jahres Deutschland klar gemacht hat, die benötigten Schienenanschlüsse an Land nicht, wie erhofft, bereits 2029 fertigstellen zu können.
Mikkel Hemmingsen: „Bedauerlich für die Mobilitätswende“
Wann das passieren kann, ist offenbar immer noch unklar. In der Zwei-Etappen-Meldung von Mitte Mai hält sich Sund & Bælt über den Zeitpunkt der Eröffnung bedeckt. Doch den Autos und Lkw den Vortritt vor den Zügen zu lassen – daran führe nun nichts mehr vorbei: „Es ist bedauerlich für die Mobilitätswende und für die Bahnreisenden, dass die Schienenführung nicht gleichzeitig mit der Straßenverbindung eröffnet werden kann“, sagt Mikkel Hemmingsen, Vorstandsvorsitzender von Sund & Bælt. „Eine gestaffelte Eröffnung ermöglicht es, den Tunnel früher für den Straßenverkehr in Betrieb zu nehmen und gleichzeitig die Komplexität in der abschließenden Projektphase zu reduzieren“, betont er.
Zwei Wochen vor dieser Mitteilung war bei Sund & Bælt noch Freude aufgekommen: Am 6. Mai war das erste von 89 Kolossal-Elementen abgesenkt worden. Zwei Tage zuvor ist mit fünf Schleppern und dem Absenkponton „Ivy“ alles vorbereitet worden. Das Tunnelelement ist in Rødbyhavn unweit des Lolland-Ufers gefertigt worden. Es hat, wie alle anderen noch folgenden, fünf Röhren: zwei für den Straßen-, zwei für den Eisenbahnverkehr und einen für technische Installationen. Sind Schlepper und „Ivy“ abgerückt, beginnt die Arbeit des Spezialschiffs: Es bringt große Mengen Kies entlang der Seiten des Tunnel-Elements ein. Dadurch bleibt es stabil an seinem Platz.
18 Kilometer nach Rødby: Längster Absenktunnel der Welt
Der Fehmarnbelttunnel ist nach Fertigstellung mit mehr als 18 Kilometern der längste Absenktunnel der Welt. Er verkürzt die Bahnfahrt beziehungsweise den Güterverkehr auf der Schiene von Hamburg nach Kopenhagen auf die Hälfte – statt fünf, sind die Züge nur zweieinhalb Stunden unterwegs. Und ohne den Umweg über Land und Brücken sind auch Autos nach nur zehn Minuten Fahrt von der deutschen Insel Fehmarn auf der dänischen Seite.
Foto: Femern A/S
von Christian Schönberg