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"Ohne Abbruchbranche ist keine echte Kreislaufwirtschaft möglich"

124 Aussteller und mehr als 1.200 Teilnehmer kamen zu Europas größter Fachtagung zum Thema Abbruch und Rückbau nach Berlin - Im Fokus stand das Thema "Nachhaltigkeit"

Genau 124 Aussteller und mehr als 1.200 Teilnehmer sind in diesem Jahr der Einladung des Deutschen Abbruchverbandes (DA) zu Europas größter Fachtagung zum Thema Abbruch und Rückbau gefolgt. Das gesamte Branchenevent stand unter dem zentralen Thema „Nachhaltigkeit im Abbruch“. Der Termin für die nächste Fachtagung  steht auch bereits fest: Am 14. März 2025.

Zum vierten Mal bereits fand die Fachtagung Abbruch im ehemaligen Postbahnhof der Station-Berlin (Ortsteil Kreuzberg) statt. Auch die nächste Fachtagung wird dort veranstaltet werden.  Auf einer Netto-Fläche von über 1.180 Quadratmetern  hatten Aussteller und Europas wichtigste Vertreter  der Abbruchbranche  die Möglichkeit, sich über Produkte und Dienstleistungen rund um das Thema Abbruch, Schadstoffsanierung und Recycling zu informieren. Erstmalig hatte Europas größter Branchentreff im Abbruch einen Themenschwerpunkt: Das Thema „Nachhaltigkeit im Abbruch“ stand bei allen Programmpunkten im Vordergrund. Neu war eine Podiumsdiskussion am Vormittag mit renommierten Experten, Unternehmern und Wissenschaftlern mit anschließender Publikumsdiskussion.

DA-Geschäftsführer Andreas Pocha eröffnete die Veranstaltung mit den Worten „Das Thema Nachhaltigkeit ist eine willkommene Chance für die Abbruchbranche! Sie hat eine zentrale Bedeutung für eine funktionierende und stimmige Kreislaufwirtschaft am Bau.“ Ergänzend dazu stelle er fest: „Ohne unser Sekundärmaterial aus dem Rückbau wird eine echte Kreislaufwirtschaft nicht möglich sein.“ Damit gab er den Startschuss für die Podiumsdiskussion und eine Reihe weiterer Vorträge.

Ressourcenschonung als oberste Priorität

Die Nachaltigkeitsexperten Prof. Dr. Christian Berg, Thomas Hagedorn, Sybille Mai und Johannes Schlenter tauschten sich anschließend in der neu geschaffenen Podiumsdiskussion über die im Einführungsvortag angerissenen Themen aus. Die Moderatorin Kristina zur Mühlen leitete die Runde und führte anschließend durch das gesamte Vortragsprogramm. Zusammen mit den Beteiligten setzte sie sich u.a. mit der von Prof. Dr. Berg aufgestellten These, dass vor dem Abbruch eines Gebäudes zunächst alle anderen Optionen genau erwogen werden sollten, auseinander. Oberstes Ziel für die gesamte Wirtschaft sei die Ressourcenschonung, die laut Thomas Hagedorn angesichts einer über 90%-igen Recyclingquote der mineralischen Bausubstanz, keine andere Branche besser betreibe als die Abbruchbranche. Wichtig wäre jedoch, z.B. das Wort „Abfall“ zu ersetzen und zu einer positiv besetzten Begrifflichkeit zu kommen, um so dem Recyclingmaterial und auch der Abbruchbranche einen höheren Stellenwert in der öffentlichen Wahrnehmung zu verschaffen.

Nach dem Inkrafttreten der Ersatzbaustoffverordnung sei die Akzeptanz zwar etwas gestiegen, jedoch müsse die öffentliche Hand noch stärker mitwirken und ihrer Vorbildfunktion gerecht werden. In Ausschreibungen sollte somit auch verpflichtend Recyclingmaterial und nicht nur Primärbaustoffe berücksichtigt werden. Insgesamt müsste zum Thema Altmaterial noch mehr in den Köpfen passieren, so Prof. Dr. Christian Berg. Sybille Mai plädiert dafür, die Bauproduktbranche in die Kreisläufe miteinzubinden. Als Chance für die Branche sieht sie zukünftig Kollaborationen mit Herstellern und Recyclingunternehmen mit dem Ziel, viele hochwertige Materialien in den Kreislauf bringen zu können. Ob Wiederverwertung oder Recycling – beides sollte laut Johannes Schlenter gleichermaßen Wertschätzung finden, denn die Hauptsache wäre, dass die Stoffe im Kreislauf blieben.

 

Neue Wege beim R-Beton, Digitalisierung und EU Taxonomieverordnung

Im Anschluss folgten sechs weitere Vorträge mit anschließenden Fragen aus dem Publikum u.a. von Lena Näßl und Michael Appel von PST Spezialtiefbau Süd GmbH, die in ihrem Vortrag „Urban Mining in Perfektion“ eine Testreihe mit Beton mit 100% rezyklierter Gesteinskörnung vorstellten, um damit die Produktion von Beton nachhaltiger zu gestalten.
Welche Vorteile die Digitalisierung für die Abbruchbranche mit sich bringt, erläuterte Katrin Bahlo und stellte in ihrem Vortrag die Funktionen der Plattform Madaster vor, die z.B. Auskunft über die Menge an Sekundärmaterial, zur Materialverwertung und Demontierbarkeit von Bestandsgebäuden geben kann.

Gebäude sind ein Schlüssel für den Klimaschutz, deshalb fängt für Dr. Christine Lemaitre von der DGNB GmbH Nachhaltigkeit nicht erst beim Neubau, sondern bereits beim Abbruch an. Daher gibt es nun ein neues Zertifikat der DGNB für das Lebensende von Gebäuden in der Erstanwendungsphase. Ziel des Zertifikats ist es, Stoffströme in aktuellen Rückbauprojekten zu schließen und bestehende Bausubstanz zu fördern. Damit sollen Anreize zur Wiederverwendung, Verwertung und zur Vernetzung von Rückbau und Neubau geschaffen werden.
Abbruchmaterial kann CO2 speichern. Dass sich daraus ebenfalls Chancen für die Abbruchbranche ergeben, darüber sprach Valentin Gutknecht von der neustark AG. Welche Chancen die EU Taxonomieverordnung für die Rückbaubranche bietet, erläuterte Umweltreferentin Katrin Mees vom DA e.V.
Zum Schluss präsentierten Mitglieder des Fachausschusses Sprengtechnik im DA Beispiele von Bauwerkssprengungen und zeigten auf, welche Herausforderungen die einzelnen Aufträge für die Sprengtechnik mit sich brächten. Dabei spielten die Themen Anwohner- und Artenschutz und Ressourcenschonung ebenso eine Rolle wie technische Aspekte von Sprengungen.

Bild: 124 Aussteller sind bei der Fachtagung Abbruch in der Station Berlin dabei gewesen. (Foto: DA)

 

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Erschienen in Ausgabe: online

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