von Christian Schönberg

Estland baut sein größtes Holzgebäude
Gebäude umfasst fünf Geschosse und ein 58 Meter langes Atrium
In Estland entsteht derzeit eines der größten Holzgebäude in der Europäischen Union. Es beherbergt ab kommendem Jahr das Naturkundemuseum und diverse Einrichtungen der Umweltbehörde des Landes. Die offizielle Eröffnung ist für 2027 geplant. Baustart war im Januar 2024.
Das Land investiert netto 54 Millionen in dieses Prestige-Bauwerk. Das liegt nicht nur daran, dass bis zu 250.000 Besucher dort jährlich erwartet werden. Das trotz seiner geringen Größe mit Waldreichtum gesegnete Land will auch zeigen, dass es solche Projekte auch europaweit umsetzen kann.
"Holz allein macht noch kein nachhaltiges Gebäude"
Dabei geht es nicht einfach darum, gewaltige Größen aus dem nachwachsenden Rohstoff herzustellen, um Nachhaltigkeit in dieses der Umwelt und der Natur gewidmete Bauwerk fließen zu lassen. Denn: „Holz allein macht noch kein nachhaltiges Gebäude“, wie Architekt Renee Puusepp erklärt. Es müsste sich auch zurückbauen lassen, ohne deponierpflichtige Abfälle zu hinterlassen. Zudem ist auch die Bauphase entscheidend, während der nicht allzu viel Belastung für Natur und Klima entstehen soll.
Viele Kriterien kommen da zusammen, die vorbedacht werden müssen – schon in der Planungsphase. Bei ihr ging nichts ohne digitalen Zwilling und BIM-gestützte Prozesse, die Garanten sind, dass es auf der Baustelle keine Pausen gibt, wen irgendetwas schiefgegangen ist – was digitale Vorplanung verhindert. In sie fließen auch Nachhaltigkeitsdaten ein, die sich auf den ganzen Lebenszyklus des Bauwerks beziehen – von der ersten Planung über den Bau und den nachfolgenden Betrieb bis zu einem möglichen Rückbau.
Umfassende Vorfertigung ermöglicht raschen Baufortschritt
Auf der Baustelle selbst musste es zügig gehen, um Umweltauswirkungen zu verringern. Das wiederum ermöglichte die umfassende Vorfertigung. Das Unternehmen EstNor lieferte dafür 8.000 Quadratmeter industriell hergestellte Wände für Fassade und Dach – inklusive der bereits eingebauten Fenster. Deswegen war nicht einmal die oft lange Zeit in Anspruch nehmende Aufstellung eines Gerüsts notwendig. Krane halfen bei der Montage der Bauelemente. Weil die Bauteile komplett angeliefert wurden, gab es auch kaum Abfall, der anderenfalls von der Baustelle irgendwohin transportiert oder deponiert werden müsste.
Schließlich ist das neue Naturkundemuseum auch energetisch auf dem allerneuesten Stand. Der gesamte Komplex soll in dieser Hinsicht künftig autark sein. Im Vergleich zu den bisherigen Standorten von Museum und Umweltbehörden spart der Staat laut dem Netzwerk „Trade with Estonia“ jährlich insgesamt 500.000 bis 700.000 Euro jährlich ein.
Foto (oben): Kavakava arhitektuuribüroo

Foto: Klimaministeerium.ee/Margus Pahv
von Christian Schönberg