von Redaktion
„Erfolgreiches Bauen braucht leistungsfähige Auftraggeber“
Fachkräftemangel: Baumittelstand fordert mehr Personal in Bauverwaltungen für zügigere Planung
"Wenn wir Bauprojekte erfolgreich realisieren wollen, brauchen wir leistungsfähige Auftraggeber.“ Mit dieser klaren Botschaft wendet sich Martin Steinbrecher, Präsident der Bundesvereinigung Mittelständischer Bauunternehmen (BVMB) an DB InfraGO AG, Autobahn GmbH und der Deges. Aus Sicht der BVMB mangelt es insbesondere an kurzen Entscheidungswegen, verlässlichen Planungen sowie an einer professionellen und zügigen Bearbeitung von Rechnungen und Nachträgen. Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, müssten die öffentlichen Auftraggeber ihre Personalkapazitäten gezielt stärken, statt weiter abzubauen.
Der Fachkräftemangel betrifft längst nicht mehr nur die mittelständischen Bauunternehmen, die untereinander und zunehmend auch mit Konzernen und Verwaltungen um qualifizierte Arbeitskräfte konkurrieren. Zwar ist die Fachkräftelücke nach ihrem Höchststand im Jahr 2022 auf aktuell 418.588 nicht besetzbare Stellen gesunken, dennoch zählt die Bauplanung und -überwachung weiterhin zu den fünf größten Engpassberufen auf Expertenniveau – über alle Unternehmensgrößen hinweg. Dies belegen aktuelle Ergebnisse in einer Studie des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung (KOFA).
Fachkräftemangel in Bauverwaltungen: effektivere Verwaltungen nötig
Die Analyse zeigt klare Defizite auf: „Viele große öffentliche Auftraggeber – einschließlich Bundeswehr und BImA – verfügen kaum noch über eigene Planungskapazitäten und greifen auf dieselben externen Büros zurück“, beschreibt BVMB-Hauptgeschäftsführer Michael Gilka die Lage. Die Folge sei, dass bereits im Zeitraum der Planung ein „gefährlicher Flaschenhals“ entstehe. Insgesamt seien nicht genügend Planer greifbar, die die anfallenden Planungsaufgaben in einer angemessenen Zeit abarbeiten könnten. Das Problem fehlender Personalkapazitäten zieht sich nach den Erhebungen der BVMB auch durch den weiteren Lebenslauf eines Bauvorhabens: „Planung, Ausschreibung und Bauherrenfunktion müssen personell und organisatorisch so aufgestellt sein, dass Projekte in hoher Qualität auf den Markt kommen. Unvollständige Planungen, kurzfristige Änderungen und lange Entscheidungswege kosten Zeit und Geld – und belasten am Ende Projekte und Unternehmen, die darunter leiden“, ergänzt BVMB-Präsident Martin Steinbrecher. Wenn eine Baustelle nicht rund laufe, sei immer gleich die Baufirma im Visier, so Gilka – dabei sei ein Bauunternehmen auf eine qualifizierte Vorbereitung durch den Auftraggeber angewiesen.
Fachkräftemangel in Bauverwaltungen: Lange Prüfzeiten bei Abschlags- und Schlussrechnungen
Auch während der Bauausführung sieht die BVMB erheblichen Verbesserungsbedarf bei der Leistungsfähigkeit der öffentlichen Auftraggeber. Effiziente Projektbegleitung und eine fristgerechte, vollständige Bezahlung erbrachter Bauleistungen seien zentrale Voraussetzungen für zügiges Bauen. Insbesondere lange Prüfzeiten bei Abschlags- und Schlussrechnungen sowie bei Nachträgen – wie sie aktuell etwa bei der DB InfraGO AG zu beobachten seien – stellten kein Randphänomen dar, sondern ein strukturelles Problem. „Für mittelständische Bauunternehmen sind solche Verzögerungen ein ernst zu nehmendes Liquiditätsrisiko“, betonte BVMB-Präsident Steinbrecher. Wer schneller bauen wolle, müsse auch schneller entscheiden und schneller bezahlen. Er forderte die anwesenden Vertreterinnen und Vertreter der Auftraggeber auf, auch bei der DB InfraGO AG die notwendigen Voraussetzungen für beschleunigte Prozesse zu schaffen.
BVMB-Hauptgeschäftsführer Gilka erinnerte daran, dass der Aufbau einer leistungsfähigen Bauverwaltung weiterhin eine offene Aufgabe sei. Die öffentliche Bauverwaltung müsse sich vom Bedenkenträger und Verhinderer zum Ermöglicher entwickeln. Notwendig sei ein grundlegendes Umdenken: weg von Kompetenzdiffusion, überbordenden Detailregelungen und einer verbreiteten Zurückhaltung bei der Übernahme von Verantwortung. Bei aller Kritik sei zugleich klar, dass viele Herausforderungen nur gemeinsam gelöst werden könnten – durch klare Zuständigkeiten, effiziente Abläufe und eine partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen Auftraggebern und Bauwirtschaft.
"Das Problem fehlender Personalkapazitäten zieht sich nach den Erhebungen der BVMB auch durch den weiteren Lebenslauf eines Bauvorhabens: „Planung, Ausschreibung und Bauherrenfunktion müssen personell und organisatorisch so aufgestellt sein, dass Projekte in hoher Qualität auf den Markt kommen", so BVMB-Präsident Martin Steinbrecher.
Bild: BVMB-Präsident Martin Steinbrecher (Foto: Gutjahr/ BVMB)
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