von Redaktion

Erfolg bei Kanalsanierung hat viele Gründe - Expertentage decken sie auf

Voraussetzungen für eine dauerhafte Erneuerung von unterirdischer Infrastruktur diskutiert

Die richtige Vorgehensweise für eine erfolgreiche Kanalsanierung lernten die 264 Teilnehmer des 24. Deutschen Schlauchlinertags kennen. Die Beiträge reichten von erfolgreichen Projektbeispielen bis hin zu neuen Verfahren und aktuellen technischen Entwicklungen.

Die Veranstaltung fand traditionell im Doppelpack mit dem Deutschen Reparaturtag statt. Dazu hatten sich 164 Teilnehmer angemeldet.

Dabei zog sich eine Frage durch beide Veranstaltungstage: Was muss von der Planung über die Ausführung und Qualitätssicherung bis in den späteren Betrieb stimmen, damit eine Sanierung dauerhaft funktioniert?

„Uns interessiert nicht nur, dass sondern warum eine Sanierung funktioniert hat", , betonte Dr.-Ing. Igor Borovsky. Der Geschäftsführer des Verbandes zertifizierter Sanierungs-Berater für Entwässerungssysteme (VSB) führte diesbezüglich aus, dass der Blick dabei auf die vorliegenden Grundlagen, die getroffenen Entscheidungen die gewonnenen Erfahrunge für künftige Projekte gerichtet sein müsse. Diese und viele weitere praxisorientierte Aspekte bildeten den roten Faden beider Veranstaltungstage.

Solingen gab 20 Millionen Euro für eine langfristige Sanierungsstrategie aus

Ein Sondervermögen für Infrastruktur – genauer gesagt für die Kanalsanierung – gab es in Solingen bereits 1996. 20 Millionen Euro wurden damals für eine langfristige Sanierungsstrategie bereitgestellt. Zum Auftakt des Schlauchlinertages blickte Dipl.-Ing. Frank Werner Grauvogel, Abteilungsleiter Stadtentwässerung, Planung und Bau bei den Technischen Betrieben Solingen, auf inzwischen rund 75 Kilometer eingebaute Schlauchliner zurück.

Der ursprünglich auf 20 Jahre angelegte Zeitplan habe sich zwar nicht komplett einhalten lassen. Die Strategie sei jedoch konsequent fortgeführt worden. „Mit den Erfahrungen wuchsen auch die Qualitätsanforderungen“, so Grauvogel. Zur mechanischen Materialprüfung kamen Wasserdichtheitskontrollen, baubegleitende Qualitätssicherung und für die Anschlussleitungen später auch DSC-Prüfungen zur Beurteilung des Aushärtungszustands hinzu. Erkenntnisse aus Prüfungen und Nachträgen flossen fortlaufend in die Leistungsverzeichnisse ein. „Unsere Anforderungen sind mit den Erfahrungen gewachsen", betonte Grauvogel: "Was wir aus der Ausführung, aus Prüfungen oder Nachträgen gelernt haben, haben wir in die nächsten Ausschreibungen übernommen.“

Schlauchliner: Nutzungsdauer von mindestens 50 Jahren

Wie früh die Weichen für eine qualitativ hochwertige und langlebige Sanierung gestellt werden, zeigte Experte Markus Vogel in seinem Vortrag „Ingenieurleistungen als Schlüssel zum Projekterfolg bei Schlauchliningmaßnahmen“. Ausgangspunkt sei die Leistung, die der Netzbetreiber von der sanierten Anlage über die vorgesehene Nutzungsdauer erwarte. „Dazu zählen Dichtheit, Standsicherheit, Betriebssicherheit, chemische Resistenz und betriebliche Einflüsse“, so Vogel. Für Schlauchliner setzte er eine Nutzungsdauer von mindestens 50 Jahren an. Voraussetzung dafür sei, sämtliche Anforderungen vor der Vergabe eindeutig zu definieren und in Planung und Bauüberwachung konsequent zu berücksichtigen. Denn nur was vertraglich geregelt sei, lasse sich später prüfen und einfordern.

„Materialkennwerte sind kein Prozessnachweis“, brachte Vogel einen weiteren Aspekt der Qualitätssicherung auf den Punkt. Auswertungen von mehr als 7.500 Linerinstallationen zeigten Abweichungen unter anderem bei Kalibrierung, Drücken, Temperaturen, Ziehgeschwindigkeiten und Leuchtmitteln. Klar umrissene Materialkennwerte allein ließen deshalb noch keinen Rückschluss auf einen korrekten Herstellungsprozess zu. Vogel plädierte dafür, die aufgezeichneten Prozessdaten systematisch mit den Angaben des Herstellerhandbuchs abzugleichen.

Einsatz von Glasfasern und Laminataufbauten ermöglichen höhere E-Modulwerte

Während er damit den Schlauchlinereinbau ganzheitlich in den Blick nahm, beleuchtete Michelle Peeck in ihrem Vortrag „Materialkennwerte im Wandel – Worauf müssen wir uns einstellen?“ die Materialseite der Qualitätssicherung nochmals ausführlicher. Peeck zeigte, dass der Einsatz von Glasfasern und optimierte Laminataufbauten höhere E-Modulwerte und Biegespannungen ermöglichen und zugleich geringere Wanddicken erlauben.

Mit dieser Entwicklung würden jedoch auch die Anforderungen an die Qualitätssicherung steigen. Am Reststyrolgehalt verdeutlichte sie zudem, wie wichtig eine eindeutige Bezugsgröße für die Bewertung sei. Werde der Reststyrolgehalt auf die Gesamtprobenmasse bezogen, beeinflusse der Glasanteil den Messwert, da die Glasfasern selbst kein Styrol enthalten. Für eine belastbare Einordnung müsse deshalb klar sein, ob sich der angegebene Wert auf die Gesamtprobe oder auf den Harzanteil beziehe.

Wie anspruchsvoll all das in der konkreten Bauausführung tatsächlich werden kann, zeigte Torsten Seiler. Er ist Leiter des Fachgebiets Investitionen bei der Stadtentwässerung Dresden. Beim Düker Flügelweg DN 2000 wurde eine tragende Linerwanddicke von 42 Millimetern statisch nachgewiesen. Das rund 210 Tonnen schwere System wurde bei etwa einem Meter Wasserstand eingebaut, während das parallele Rohr DN 1200 die Abwasserhaltung übernahm. Der äußere Liner wurde eingezogen, der innere mit Wasser inversiert.

Anschlussliner vom Hauptkanal aus eingebaut

Dass auch kleinere Dimensionen sorgfältige Vorbereitung verlangen, zeigte Dipl.-Ing. (FH) Dirk Mumm vom Eigenbetrieb Abwasser der Stadt Rheda-Wiedenbrück. Dort sind 2025 und 2026 probeweise Anschlussliner vom Hauptkanal aus eingebaut worden. Um eine Standardlösung handele es sich hierbei jedoch nicht, so Mumm. Das Verfahren könne den Zugang über den Übergabeschacht vermeiden, sei aber an konkrete technische Randbedingungen gebunden. So müssen unter anderem Einbausituation, Nennweitenbereich und vollständige Inversion berücksichtigt werden. Auch Satelliteninspektion, Fräs- und Reinigungsarbeiten, Einmessung und Wasserhaltung blieben erforderlich.

Im Rahmen des 15. Deutschen Reparaturtages rückte die Reparatur als Baustein des Netzerhalts in den Fokus. Florian Frambach von hanseWasser Bremen zeigte, wie solche Maßnahmen systematisch gesteuert werden. Von den rund 2.300 Kilometern Kanalnetz in Bremen werden jährlich 230 Kilometer per TV inspiziert. „Die Daten fließen in das Kanalinformationssystem, werden klassifiziert und auf ihre Sanierungsrelevanz geprüft", erläuterte er: "Auf die technische und wirtschaftliche Bewertung folgt die Entscheidung, ob repariert, renoviert oder erneuert wird.“

Die Podiumsdiskussion des Reparaturtags richtete den Fokus auf die gemeinsame Verantwortung für funktionierende Dokumentation. Unterschiedliche Vorgaben und unvollständige Ausgangsunterlagen erzeugen zusätzlichen Aufwand. Diskutiert wurde deshalb über stärker vereinheitlichte Strukturen und klar definierte Grundlagen, die zu Projektbeginn bereitstehen müssen.

Diskussion über stärker vereinheitlichte Strukturen

„Unvollständigen Ausgangsunterlagen und sehr unterschiedlichen Vorgaben für Berichte, Fotos, Videos oder Dateinamen schaffen für bauausführende Unternehmen große Probleme“, so ein wesentlicher Aspekt der Diskussion. Entsprechend wurde über stärker vereinheitlichte Strukturen diskutiert. Voraussetzung dafür seien jedoch verlässliche und klar definierte Grundlagen, die der Auftraggeber zu Projektbeginn bereitstellt.

„Die beiden Tage haben sehr deutlich gezeigt, wie viele Faktoren über den Erfolg einer Sanierungsmaßnahme entscheiden", so das Fazit von VSB-Chef Hippe. Das beginne bei belastbaren Planungsgrundlagen und der richtigen Verfahrenswahl, reiche über Material, Vorarbeiten und Ausführung bis zu Qualitätssicherung, Dokumentation und Betrieb. Besonders zielführend war es laut Hippe, dass viele Fragen in diesem Jahr noch enger auf Basis realer Projekte diskutiert worden sind. "Wir konnten die Erfahrungen von Netzbetreibern, Planern, Ausführenden und Herstellern übereinanderlegen“, sagte er abschließend.

von Redaktion

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