. Jasch Zacharias

v.r.: Klaus Kleinekorte, Technischer Direktor bei Amprion, NRW-Ministerpräsident Armin Laschet und Aachens Oberbürgermeister Marcel Philipp beim ersten Spatenstich für die erste Stromtrasse zwischen Deutschland und Belgien. (Foto: Amprion GmbH)

Energiewende sorgt für Express-Genehmigung

EU stuft deutsch-belgische Stromtrasse „ALEGrO“ als „Projekt von gemeinsamem Interesse“ ein

DBU/Berlin – Die sich im Bau befindende erste Stromtrasse zwischen Deutschland und Belgien ist in Rekordzeit genehmigt worden: Nur 18 Monate hat das Planfeststellungsverfahren gedauert. Normalerweise sind bis zu fünf Jahren üblich. Möglich macht das die Europäische Union: Sie verlieh der 90 Kilometer langen „ALEGrO“-Energiebrücke den Status als „Projekt von gemeinsamem Interesse“ (PCI). Noch 2020 geht sie ans Netz.

„ALEGrO“ steht für „Aachen-Liège Electricity Grid Overlay“. Dabei handelt es sich um ein 90 Kilometer langes unterirdisches Gleichstrom-Erdkabel zwischen Oberzier (Nordrhein-Westfalen) und Lixhe in Belgien mit einer Transportkapazität von 1.000 Megawatt. Es ist die erste Direktleitung überhaupt zwischen den europäischen Nachbarländern – ein Meilenstein auf dem Weg zum europäischen Strombinnenmarkt. Geplant und realisiert von dem deutschen Unternehmen Amprion aus Deutschland und dem belgischen Netzbetreiber Elia. Gesteuert von der Firma Thost Projektmanagement aus Pforzheim.

Im Rahmen der Energiewende hat das Projekt für die Europäische Union hohe Priorität. Status: „Projekt von gemeinsamem Interesse (Project of Common Interest - PCI)“. Es soll in Belgien mindestens 500.000 Haushalte versorgen. Möglichst mit nachhaltig produzierter Energie aus Deutschland.Zunächst durch die erste bereits 2020 ans Netz gehende Leitung. Und von 2023 an sogar möglicherweise durch eine zweite Leitung zwischen Nordrhein-Westfalen und dem belgischen Tihange. Weil das so ist, geht alles plötzlich ungleich schneller. Genehmigt hat die Planfeststellung die Bezirksregierung Köln nach nur 17 Monaten. Für ein derartiges Großprojekt eine außergewöhnlich kurze Zeit.

Projektsteuerung trägt zu zügiger Baugenehmigung bei
Dass das Pilotprojekt „ALEGrO“ so schnell heranreifen konnte, ist auch ein Verdienst der Firma Thost Projektmanagement mit Hauptsitz in Pforzheim. Zusätzlich zum Genehmigungsmanagement organisieren und steuern die Spezialisten von Thost auch das Schnittstellenmanagement und betreuen das Risikomanagement. Seit mehr als fünf Jahren beschäftigt sich der Projektsteuerer mit dem Großprojekt. „Während für unseren Kunden Amprion diese erste Stromtrasse zwischen Belgien und Deutschland eine ganz besondere technologische Herausforderung ist, ist es auch für das Management von Genehmigungsverfahren ein Vorreiterprojekt,“ sagte Kathrin Neubaum, Senior Projektmanagerin bei Thost dieser Zeitung

Viele unterschiedliche Interessen unter einen Hut gebracht
Neben der intensiven Zusammenarbeit mit der Bezirksregierung Köln ging und geht es aber auch unter anderem darum, die Interessen der Firma Amprion gegenüber Anliegern und Grundstückseigentümern zu koordinieren. Auch Umweltbelange wie beispielsweise den Bodendenkmalschutz und auch die Verhandlungen mit Landwirten spielten eine große Rolle.

„Amprion stand bei der Projektplanung vor der Herausforderung, viele unterschiedliche Interessen miteinander zu vereinbaren – auch über Ländergrenzen hinweg. Da ist es sehr hilfreich, dass wir auf unsere über 30-jährige Expertise bei Projekten in der Energiegewinnung und beim Energietransport zurückgreifen können“, so Kathrin Neubaum.

. Jasch Zacharias

Erschienen in Ausgabe: Seite 8| Mai 2019

Zurück