Digitalisierung - von

Digitalisierung im Straßenbau ist im Lehrplan unverzichtbar

Handlungsorientierte Ausbildung für Berufe im Tief- und Straßenbau

Pferdingsleben – Die Ausbildungen zum Tiefbau-Facharbeiter (zwei Jahre) und zum Straßenbauer (drei Jahre) sind geprägt von vielfältigen Aufgaben und Lerninhalten. So wird neben dem Praxisbezug unter anderem theoretisches Wissen zum Umgang mit Maschinen, verbauten Materialien, Vorschriften zum Arbeitsschutz und zu den Baustellen vermittelt. Berufsschulen, aber auch Ausbildungszentren wie das Bau-ABC, leisten hierbei sehr gute Arbeit.
Das Bau-ABC in Rostrup, einem Ortsteil in niedersächsischen Bad Zwischenahn, bietet nicht nur für die Straßenbau-Berufe, sondern für alle Bau-Berufe ausbildungsbegleitende Kurse an. Die Einrichtung wurde vor rund 40 Jahren als Verband aus dem Zusammenschluss von Baufirmen gegründet.

Angehende Straßenbauer
Start am Morgen für zwölf Azubis im Theorie-Teil „Baustellen-Logistik im Asphalteinbau“: Wolfgang Lammel hat als Projektleiter für Baulogistik im Asphalteinbau viele dieser Projekte betreut. Als Dozent ist er jetzt das dritte Mal tätig. Er sagt: „Die junge Leute verstehen sehr schnell, wo die Zukunft und die Chancen im Straßenbau liegen. Der Ehrgeiz und die Interaktion sind klasse!“
Lammel erläutert ihnen die Bedeutung der Bereiche und Mitwirkenden im Asphalteinbau. Der breit gefächerte Theorie-Part vermittelt am Vormittag unter anderem Bedeutung und Unterschied von Telematik und Telemetrie.
Nach der Mittagspause ist Praxis angesagt. Die Aufgabe lautet: „Sanierung einer Straße im Gelände des Bau-ABC. Die neue Binderschicht ist aus Asphaltbeton AC-B 0/11 und die Deckschicht aus AC-D 0/8 herzustellen. Die Deckschicht soll 4 Zentimeter bei 25 Kilogramm betragen und ist mit mindestens 0,5 Meter Überlappung zur Binderschicht herzustellen. Der Binder richtet sich nach der gefrästen Tiefe, soll 4 bis 7 Zentimeter und bei 24 Kilogramm nicht über-/unterschreiten.“
Nach dem Check der Maschinen und Geräte wird die Aufgabenteilung vorgenommen. Ziel sei es, sagt Straßenbau-Lehrwerkmeister Florian Janßen, dass jeder Teilnehmer alle Arbeitsschritte beherrscht.
Pünktlich um 14 Uhr ist der LKW mit 27 Tonnen Asphalt vom Mischwerk Ems-Jade bereit zum Abladen am Fertiger. „Endlich geht´s los“, freut sich Matthias, Tiefbau-Facharbeiter im zweiten Lehrjahr. Bis 16:30 Uhr herrscht reges Treiben auf der Baustelle. Jeder Azubi ist angehalten, alle Arbeitsschritte durchzuführen. Vom Kehren bis zum Walzen.Zu Tagesabschluss und Auswertung des Theorie- und Praxis-Teils treffen sich alle wieder ‚in zivil‘ mit den Lehrwerkmeistern in der Containerbox.
Fazit von Nico, Azubi im dritten Lehrjahr zum Straßenbauer: „Wir nutzen bei uns im Betrieb auch Computertechnik am Fertiger. Die Lkw-Ankunft wird angezeigt und wie viel Material er geladen hat. Der Fertigerfahrer richtet den Vortrieb daran aus. Zuerst war es nur eine Art Probebetrieb. Das hat den Chefs gut gefallen. Jetzt machen wir machen das immer noch. Es ist besser als ohne und nicht mehr so stressig.“

Nach Betriebsschluss im Bau-ABC
„Die Jugendlichen kommen aus ganz Deutschland zu uns. Sie wohnen in unserem Internat hier auf dem Gelände oder in Pensio­nen und Ferienwohnungen in Bad Zwischen­ahn. Uns ist wichtig, dass die jungen Leute sich auch am Nachmittag und Abend wohl fühlen“, sagt Rainer Schütte, seit 15 Jahren fest eingebunden in Organisation, Planung und Koordination aller Ausbildungsbereiche. Tischtennis, Fitnessraum, Sauna, Bowlingbahn, Outdoor-Basketball-Platz stehen den Azubis zur Verfügung. Die Mensa ist ab 7 Uhr geöffnet und stellt bis zu 600 Mahlzeiten pro Tag bereit.

Jährlich besuchen 2.300 Azubis das Bau-ABC. Ihre Arbeitgeber erhalten einen genauen Überblick über das von ihnen Gelernte und ihre Ergebnisse. Regionale Berufsschulen arbeiten teils eng mit dem Bau-ABC zusammen.

1978 eingeweiht
90 Mitarbeiter, davon 40 Lehrwerkmeister, und jährlich über 700 freie Dozenten, machen das Bau-ABC zu dem, was es heute ist: eines der größtes Ausbildungszentren für die Bauwirtschaft. Azubis und Studenten aus ganz Deutschland nutzen das Lehrangebot, das in 16 Lehrwerkhallen und auf über 20.000 Quadratmeter im Freigelände vermittelt wird. Knapp 20 Berufsbilder – vom Straßenbauer bis hin zum Spezialtiefbauer – werden mit Aus- und Weiterbildung abgedeckt. Neben dem fachgerechten Umgang mit anspruchsvollen Materialen steht dabei auch die Computertechnik der immer komplexeren Baumaschinen im Focus.
So bietet beispielsweise das Bau-ABC in Kooperation mit der Praxis Software AG Intensivtrainings für Auszubildende in den Prozessen des Asphalteinbaus an.
„Die großen Unternehmen im Straßenbau haben das Potenzial mit den neuen Medien erkannt. Sie sind ihren Wettbewerbern voraus und arbeiten wirtschaftlicher. Deshalb gehört es für uns dazu, die Möglichkeiten der Digitalisierung im Straßen- und Verkehrswegebau in den Lehrplan aufzunehmen. Es ist die Zukunft für den Branchen-Nachwuchs“, sagt Hermann Greve.
Seit 25 Jahren ist Greve fester Bestandteil des Bau-ABC, er hat den Bereich Maschinentechnik aufgebaut. Vielen Berufsanfängern mangelt es an praktischer Erfahrung, Umgang mit den Maschinen und Anlagen. „Mit unserem Angebot fangen wir die Azubis da auf wo sie stehen.“, so Greve weiter. „Jedem Baubetrieb stehen unsere Angebote offen, sie müssen nur genutzt werden. Wir können nur jedem Unternehmen nahe legen, die Angebote zu nutzen.“

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Erschienen in Ausgabe: Februar 2018 | Seite 13

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