. Jasch Zacharias

Baustelle in der Nähe des Bundeskanzleramts in Berlin-Mitte.  (Foto: Jasch Zacharias)

Bauwirtschaft braucht mehr Arbeiter vom Westbalkan!

Kommentar

Bereits seit Jahren fehlen auf Deutschlands Baustellen Fachkräfte. Wie leer gefegt ist der Arbeitsmarkt für Bauunternehmen. Dass die Bundesregierung jetzt beschließt, die Westbalkan-Regelung für dringend benötigte Arbeitsmigranten mit Arbeitsvertrag auf die Obergrenze von 25.000 pro Jahr einzuschränken, ist vor diesem Hintergrund mehr als kurzsichtig.
Per Dekret und ohne Not ignoriert man marktwirtschaftliche Gesetzmäßigkeiten und gefährdet damit die Wettbewerbsfähigkeit der mittelständischen Bauwirtschaft. Obendrein entlarvt der Beschluss eine weltfremde Migrationspolitik vorbei am gesellschaftlichen Bedarf. Denn die Menschen vom Westbalkan wollen nicht nur gern auf unseren Baustellen arbeiten, sie können das auch gut. Sie haben einen legalen sozialversicherungspflichtigen Arbeitsvertrag und verdienen hier doppelt so viel wie Zuhause, wo ihnen Niedrigstlöhne oder Arbeitslosigkeit drohen. Was ihnen in der Regel fehlt, ist der in Deutschland anerkannte Nachweis einer Fachausbildung. Eine solche Qualifikation haben arbeitslose Einheimische und EU-Bürger, die die Agentur für Arbeit auf Vorschlag von Bundesminister Hubertus Heil (SPD) künftig vorzugsweise bei den Baubetrieben vorbeischicken soll, aber auch nicht. Zudem fehlt einheimischen Arbeitslosen meist die Motivation der Menschen aus Bosnien, Serbien oder Albanien, auf Baustellen auch körperlich anspruchsvolle Arbeit zu leisten.
Wenn die Bundesregierung ihre Migrationspolitik nicht schnell ändert und auf den Bedarf geeigneter Arbeitskräfte einstellt, wird es in etwa zehn Jahren, wenn die so genannten Babyboomer in Rente gehen, noch weitaus düsterer auf dem (Bau-)-Arbeitsmarkt aussehen als heute. Denn auch, wenn sich unter anderem Bauverbände noch so engagiert um die Qualifizierung von Nachwuchs bemühen und Digitalisierung sowie Automatisierung voranschreiten, wird die vergleichsweise geringe Zahl von Arbeitskräften nicht ausreichen, um die negativen Folgen des demographischen Wandels zu stemmen. Schon alleine weil Maschinen keine Sozialabgaben zahlen, braucht Deutschland künftig mehr Migration qualifizierter und qualifizierbarer Arbeitskräfte statt weniger. Was es nicht braucht, ist die zusätzliche Belastung der Sozialkassen durch den Zuzug nicht legal erwerbstätiger Migranten!

 

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. Jasch Zacharias

Erschienen in Ausgabe: Seite 01| Oktober 2020

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