. Heiko Hohenhaus

Im Überfluss vorhanden, aber zu fein und zu glatt: Wüstensand kam bisher für die Betonherstellung nicht in Frage.   (Foto: Pixabay)

Deutsche wollen mit Wüstensand Betonindustrie revolutionieren

Neuartige Mischtechnologie für bisher nicht nutzbare Feinsande entwickelt

DBU/München – Beton ist der meistgenutzte Baustoff der Welt. Doch der Sand dafür ist knapp geworden. Wüsten- und andere Feinsande eignen sich nicht für die Betonherstellung. Eine Technologie aus Deutschland soll das ändern.

Mit dem patentierten Verfahren zur Herstellung von Betonen aus Feinsanden ist Dr. Leopold Halser in den Vereinigten Arabischen Emiraten ein gefragter Mann. Gerade erst kam der Geschäftsführer der Multicon GmbH mit Sitz in München wieder aus Dubai zurück, wo er dem internationalen Fachpublikum der Bauindustrie die Technologie zur Umwandlung von bisher nicht geeigneten Wüstensand in hochwertige Betonzuschlagstoffe präsentierte. „Wir haben 90 Anfragen aus dem Mittleren Osten und 25 aus Europa“, so der Firmenchef.

Das Sand-Paradoxon
„Sand ist knapp, obwohl es Feinsand, wie Wüstensand, in rauen Mengen gibt. Bislang wurde aber noch keine Technologie entwickelt, mit der man sich die Ressource Feinsand zunutze machen kann“, beschreibt Dr. Helmut Rosenlöcher, Technischer Direktor bei Multicon, das Paradoxon. Aufgrund ihrer Feinheit, ihres Kornspektrums und der glatten Oberflächen waren Fein- und Wüstensande bisher für die Herstellung von Betonen ungeeignet. Im Jahr 2017 gelang dem aus Weißenfels stammenden Chemiker der entscheidende Schritt, um hochwertige Betone aus Wüsten­sand herzustellen. Rosenlöcher hatte die Idee, den schon sehr feinen Wüstensand noch feiner aufzumahlen. Das pulverisierte Produkt wird anschließend mit mineralischen Bindemitteln zu druckfesten Pellets granuliert.
Mit diesen Granulaten werden dann in Anwendung der Multicon-Hochgeschwindigkeits-Mischtechnologie hochwertige Betone hergestellt. Durch das im Vergleich zu herkömmlichen Mischern viel extremere Durchkneten entstehe eine intensivere Verbindung der Ausgangsstoffe und somit ein Beton, der bis zu 25 Prozent leichter sei und eine höhere Festigkeit habe als Standardbetone. Erwünschter Nebeneffekt: Eine Zement-Reduktion von 40 Prozent sei möglich und bringe eine deutliche CO2-Ein­sparung von bis zu 30 Prozent mit sich.
„Unser Bestreben ist es, das Produkt Beton in höchstem Maße zu optimieren und bezüglich Ressourcenschonung zukunftsfähig zu machen“, so Dr. Halser. Denn für die Umsetzung künftiger Bau-Projekte, insbesondere für die geplanten Mega-Bauten wie beispielsweise in den Vereinigten Arabischen Emiraten, werden in den nächsten Jahren weltweit immense Mengen an Sand und Kies zur Betonherstellung benötigt. Die vorhandenen Ressourcen reichen aber nicht aus, um den aktuellen Bedarf zu decken. Das führt zu höheren Beschaffungskos­ten, zur illegalen Sandgewinnung und damit zu weltenweiten gravierenden politischen, wirtschaftlichen und ökologischen Folgen.
Auch in Deutschland haben bisher große Mengen von unbrauchbaren, ungenutzten Feinsanden als „Abfallprodukt“ nicht unerhebliche Umweltschäden verursacht. Mit dem neuen Verfahren können diese Sande nun auch für die deutsche Betonindustrie nutzbar gemacht werden, betont der Geschäftsführer.
Durch die Verwendung von Wüs­ten- und Feinsand würden also wesentliche Probleme entschärft, argumentiert das Unternehmen. Dr. Halser verweist darauf, dass die erste großtechnologische Anlage projektiert und auch ein Partner in der Industrie gefunden sei. Er macht außerdem auf Kostenvorteile durch die Verwendung des billigen, bisher nicht nutzbaren Rohstoffs aufmerksam.

Verheißungsvolle Technologie
„Diese Technologie ist ein gro­ßer Schritt nach vorn“, sagt Gabriela Schulz, Sprecherin des Bundesverbandes Mineralische Rohstoffe. Die Testreihen wären verheißungsvoll, wenn die großtechnologische Anlage zu wettbewerbsfähigen Kosten funktioniere, sei dies ein „Super-Ding“. Die Sprecherin erklärt, dass es schon Bauvorhaben in Deutschland gegeben habe, bei denen Sandanlieferungen ausgeschrieben worden seien und sich kein einziger Bieter gemeldet habe. Die Sandknappheit sei ein Riesenproblem. Wenn es nach dem Münchner Unternehmen geht, hat sich dieses Problem in absehbarer Zeit allerdings erledigt

. Heiko Hohenhaus

Erschienen in Ausgabe: Seite 10| März 2019

Zurück