von Christian Schönberg
Deutsche Asphalttage 2026 mit Rekordzahl an angemeldeten Besuchern
Berchtesgaden zog erneut die bestimmenden Unternehmen der Branche an - Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft im Blickpunkt
Mit 1.200 angemeldeten Teilnehmern und 80 Ausstellern konnte der Präsident des Asphaltverbandes, Oliver Nohse, schon am Eröffnungsabend ein Rekordergebnis verkünden: Die 23. Auflage der Deutschen Asphalttage war damit die erfolgreichste seit Bestehen des Formats.
Gerade im Bereich der Verkehrswege-Infrastruktur sind alle aufgewühlt. Einerseits gibt es hierzulande eine enorme Menge zu tun. Zu viele Brücken sind marode, zu viele Straßen benötigen eine Frischekur. Und dennoch stockten die Auftragseingänge in den vergangenen Jahren. Die – auch beim Eröffnungsabend oft benannten – Gründe sind vielfältig.
Bauen ist nicht mehr so billig wie vor der Corona-Pandemie beziehungsweise der russischen Eskalation des Ukraine-Kriegs. Wirtschaftlich schwere Jahre haben demgegenüber die öffentlichen Steuerkassen weniger üppig gefüllt wie erhofft. Nicht zuletzt dauert es einfach zu lang, bis zum Bau beziehungsweise der Erneuerung einer Brücke die Bagger und Radlader anrollen können. Die bürokratischen Genehmigungsvorgänge ziehen sich in die Länge. Und schließlich grätschen Verbände oder Bürger mit Klagen in die Abläufe eines Bauvorhabens hinein.
Großteil des Sondervermögens soll auch in Infrastruktur fließen
Doch die Branche ist auch positiv aufgewühlt – fast so, als stünde ein neuer, aufregender Lebensabschnitt an. Denn zum einen gibt es jetzt das Füllhorn des Staates mit immensen Krediten – „Sondervermögen“ genannt. Und davon wird ein Großteil in die Verkehrswege-Infrastruktur fließen. Zum anderen hat das Beispiel der Rahmedetal-Brücke (Bild: Autobahn GmbH) allen bewiesen, dass Deutschland auch schnell sein kann, wenn es darum geht, Straßen neu zu bauen und rasch freizugeben.
Doch wenn es tatsächlich aufwärts gehen sollte – dann von weit unten. 2025 war das Jahr mit der geringsten Asphaltproduktion seit Erfassung solcher statistischen Daten, wie Nohse beim Eröffnungsabend sagte. „Der Rückgang beträgt im Vergleich zu 2024 etwa zehn Prozent“, so der Unternehmer, wohlwissend, dass das erst einmal vorläufige Zahlen sind.
Asphaltbranche sieht sich mit teurer Transformation im Zuge der Energiewende konfrontiert
Dabei braucht die Asphaltbau-Branche dringend Einnahmen. Ihr steht eine immense Transformation bevor, sie Nohse ausführte. Der Straßenbau ist immer noch getrieben von dem vergleichsweise hohen Treibhausgas-Fußabdruck. Sie wirkt dem laut Nohse schon vielfach entgegen. So ist die Rezyklierung beziehungsweise Kreislaufwirtschaft gelebte Wirklichkeit, da sich Asphalt mit einer Quote von bis zu 90 Prozent ohne Qualitätseinbußen wiederverwerten lasse. Nur bürokratische Volten können die Erfolge hemmen, wenn beispielsweise Asphaltfräsgut erst einmal als Abfall behandelt und gelagert werden muss, obwohl er zum selben Zeitpunkt schon Ausgangsmaterial für einen Neueinbau ist.
Wirkliche und vor allem schnelle Erfolge beim Apshaltbau sind ohne staatliche Förderung kaum möglich - zumindest für kleine und mittlere Unternehmen, wie in einem der vielen Fachvorträge der Asphalttage Unternehmer Leon und Christian Schweiger ausführten.
Dass die Transformation der Dekarbonisierung, wie der Verzicht auf Kohle, Öl & Co. auch genannt wird, mit zusätzlichen Investitionen verbunden ist, verdeutlichte Leon Schweiger. Der Experte der gleichnamigen Straßenbau-GmbH aus Altomünster (Oberbayern) berichtete von seinen Anstrengungen: dem Umbau seines Asphalt-Mischwerks für eine Holzstaubnutzung.
2019 begannen bei Firma Schweiger die Überlegungen zur Umstellung
Für Schweiger ist es vor allem eines, was ihn zu dieser Umstellung bewogen hat: die Verfügbarkeit. Denn Dekarbonisierung funktioniert auch mit Wasserstoff oder flüssigen Biokraftstoffen. Doch das erstgenannte Element, bei dessen Verbrennung lediglich Wasser entsteht, ist aktuell noch in keinster Weise in ausreichendem Maße verfügbar. Bei den Bioölen hat sich herausgestellt: „Das ist für uns nicht wirtschaftlich“, so Schweiger.
Bei Holzstaub haben die Kalkulationen ein positiveres Bild ergeben, als man 2019 während der Hochphase der „Fridays for future“-Bewegung beschloss, den Heizölbetrieb abzuschaffen. Mit Benninghoven ist ein Pilotversuch gestartet worden. Es hat sich herausgestellt, dass die Grenzwerte kontinuierlich eingehalten werden können. Ende September 2023 hat Schweiger das erste unternehmenseigene CO₂-neutrale Asphaltmisch-werk in Betrieb genommen.
Doch dabei ging es eben auch nicht ohne zusätzliche Investitionen, die im laufenden Betrieb vor wirtschaftlich schwierigem Hintergrund der 2020er Jahre vorgenommen werden mussten. Das oberbayerische Unternehmen konnte da auf staatliche Unterstützung zählen. Es geht vor allem um Trocknungsanlagen und die mehrstufige Zerkleinerung der Holzabfall-Anlieferung, die neu eingerichtet werden mussten. Dann kommt der Brennerwechsel und Schweiger sah auch zusätzlichen Personalbedarf.
Christian Schweiger: "Nur mit der Förderung hat es funktioniert"
Leon Schweigers Vater und Geschäftsführer Christian Schweiger betonte bei der Podiumsdiskussion, die sich den Vorträgen anschloss, dass es für ein Unternehmen, das nur ein einziges Asphaltmischwerk betreibt, nur mit der erhaltenen 40-prozentigen Förderung funktioniert hat: „Wir sind Einzelkämpfer und dann ist es ohne Förderung schwierig“, sagte er mit Blick auf die Acht-Millionen-Euro-Investition.
Im Nachhinein habe es sich aber ausgezahlt. Der Rohstoff ist regional verfügbar und preisstabil, wie er betonte – noch ohne etwas von den Ölpreiskapriolen nach dem wenige Tage später ausgebrochenen Nahostkrieg zu wissen. Und überhaupt: Eine CO₂-Bepreisung wird jetzt vermieden, da sie auf Holzstaub-Nutzung nicht anfällt. Letztlich ist die Technologie auch ausgereift genug. Daran wird eine Umstellung im Zuge der indus-triellen Transformation nicht scheitern.
Foto: Autobahn GmbH
von Christian Schönberg