von Jasch Zacharias
Maschinen- und Anlagenbau: Das weltwirtschaftliche Klima wird rauer
Exportbilanz deutscher Hersteller rutscht auf unter 200 Milliarden Euro ab – Unternehmen setzen nun auf europäischen Binnenmarkt
Der Maschinen- und Anlagenbau in Deutschland musste im Jahr 2025 abermals spürbare Einbußen auf den Auslandsmärkten hinnehmen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts sanken die Exporte preisbereinigt um 3,3 Prozent. Insgesamt wurden Maschinen und Anlagen im Wert von 198,5 Milliarden Euro aus Deutschland in die Welt exportiert. Damit sind die Exporte sogar etwas stärker als die Produktion zurückgegangen, die nach vorläufiger Berechnung um real 2,6 Prozent schrumpfte.
„Das Jahr 2025 ist geprägt gewesen von schwierigen handelspolitischen Rahmenbedingungen. Die US-Zölle, der zunehmende Protektionismus sowie die damit einhergehende Unsicherheit auf den Weltmärkten treffen den exportorientierten deutschen Maschinen- und Anlagenbau ins Mark – und stellen die Unternehmen vor große Herausforderungen“, kommentiert Johannes Gernandt, Chefsvolkswirt des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) die Jahresbilanz der Exporte.
Exporte im Maschinen- und Anlagenbau: Deutliche Unterschiede zwischen den EU-Ländern
Die Exporte in die Länder der Europäischen Union entwickelten sich etwas besser als im Durchschnitt, lagen insgesamt mit einem Minus von nominal 0,3 Prozent aber dennoch leicht unter Vorjahresniveau. Die Unterschiede zwischen den EU-Ländern fallen dabei teilweise deutlich aus.
In Italien zeigte sich eine spürbare Dynamik mit einem kräftigen Plus von 9,5 Prozent während in Frankreich im Jahresvergleich ein Minus von 4,1 Prozent in den Büchern erschien. Mit einem Exportanteil von 44,7 Prozent blieb die EU die wichtigste Absatzregion für den deutschen Maschinen- und Anlagenbau.
Unter den Einzelabsatzmärkten waren die USA weiterhin ganz oben in der Rangliste (Exportanteil 12,7 Prozent), gefolgt von China (8,2 Prozent), Frankreich (6,6 Prozent) und Italien (5,1 Prozent). Die Vereinigten Staaten standen aufgrund ihrer erratischen Zollpolitik besonders im Fokus. Wenig überraschend schrumpften die Exporte in die USA im Jahresverlauf deutlich um 8,0 Prozent. Die Aufwertung des Euro gegenüber dem Dollar dürfte den Rückgang verstärkt haben. Mit Blick auf China war das Bild nur unwesentlich besser. Die strukturellen Probleme setzten sich hier fort und der Rückgang betrug im Jahresvergleich 8,2 Prozent.
Während es in allen großen Regionen zu Exportrückgängen kam, gab es auch vereinzelte Lichtblicke. In Europa konnte neben Italien auch Spanien mit einem deutlichen Plus von 8,4 Prozent überzeugen. Aber auch die Exporte nach Afrika (plus 9,2 Prozent), in die Mercosur-Staaten (plus 5,3 Prozent) und in den Nahen und Mittleren Osten (plus 7,1 Prozent) konnten deutlich zulegen.
Maschinen- und Anlagenbau: Branche rechnet mit anhaltenden geopolitischen Unsicherheiten
Der VDMA rechnet damit. dass die handels- und geopolitischen Unsicherheiten fortbestehen und die Maschinenexporte auch im laufenden Jahr spürbar unter Druck setzen. Dabei hat der Verband die Folgen des gerade begonnenen Irankriegs zum Zeitpunkt dieser Analyse noch garnicht miteinbeziehen können. Die dadurch weiter steigenden Energiepreise und die zeitweise Blockade der Straße von Hormus im persischen Golf werden den Handel mit Sicherheit allerdings nicht erleichtern und die Kosten ebenso keinesfalls senken.
Maschinen- und Anlagenbau: US-Zölle auf Stahl und Aluminium belasten Geschäfte enorm
Im US-Geschäft belasten insbesondere die Zölle auf Stahl- und Aluminiumderivate sowie weitere drohende Zollschocks unverändert die Geschäfte. Nach China sind die Exporte bereits seit vielen Jahren rückläufig; dieser Trend dürfte sich fortsetzen. Zusätzlich dürfte der erstarkte Euro die Exportwirtschaft bremsen.
Hoffnung macht der europäische Binnenmarkt, der von einem positiven Auftragseingang aus den Europartnerländern getragen wird. „Insgesamt wird das weltwirtschaftliche Klima rauer. Die Politik muss daher schnellstmöglich die Freihandelsabkommen mit Mercosur, Indien und Indonesien ratifizieren, um Wohlstand und Arbeitsplätze zu sichern“, resümiert Gernandt.
Deutsche Maschinenexporte im Dezember 2025
Im Dezember 2025 beliefen sich die deutschen Maschinenexporte auf ein Volumen von 15,8 Milliarden Euro und sind im Vergleich zum Vorjahr nominal um 2,7 Prozent gestiegen. Preisbereinigt ergibt sich ein Plus von 1,5 Prozent.
Hauptverantwortlich für die insgesamt im vergangenen Jahr rückläufigen Exportzahlen waren unter Berücksichtigung der Zahlen des Statistischen Bundesamts die beiden wichtigsten Einzelmärkte USA – um acht Prozent eingebrochen – und China mit einem Rückgang von 8,2 Prozent.Die Exporte in die Europäische Union entwickelten sich laut VDMA zwar robuster, lagen mit einem Minus von 0,3 Prozent aber ebenfalls unter dem Vorjahreswert. Positiv verlief dagegen das Geschäft in mehreren kleineren Absatzmärkten, etwa in den lateinamerikanischen Mercosur-Staaten (+5,3 Prozent), im Nahen und Mittleren Osten (+7,1 Prozent) sowie in Afrika (+9,2 Prozent).
Bild: Der Hamburger Hafen. (Foto: Pixabay)
von Jasch Zacharias
Erschienen in Ausgabe: Seite3 | April 2026