. Jasch Zacharias

Der Baustoff-Konzern Cemex betreibt in Deutschland 120 hochmoderne Standorte. (Foto:  Cemex AG/ Sebastian Leichler)

Cemex will bis 2050 Beton klimaneutral herstellen

Baustoff-Konzern legt Strategie zur Reduktion von Kohlendioxid vor

DBU/Monterrey – Beton gilt als gefürchteter Klimakiller. Die Produktion des weltweit wichtigsten Baustoffes ist für gut fünf Prozent der Kohlendioxid (CO2)-Emissionen auf der Erde verantwortlich. Der global operierende Baustoffproduzent Cemex hat jetzt eine neue Klimastrategie veröffentlicht. Das Unternehmen formuliert darin die Vision, „den Weg zu einer CO2-neutralen Wirtschaft weiterzuverfolgen und den steigenden Anforderungen der Gesellschaft effizienter zu begegnen“.

Bei Cemex ist man überzeugt, dass der Klimawandel eine der größten Herausforderungen unserer Zeit ist und dass gemeinschaftliche Gegenmaßnahmen dringend angezeigt sind, teilt der Weltkonzern ganz offiziell in Monterrey (Mexiko) mit. Eine Botschaft mit Gewicht. Der Konzern betreibt in mehr als 50 Ländern der Welt große Niederlassungen und Tochterunternehmen mit mehr als 50.000 Mitarbeitern. Die Cemex Deutschland AG mit Sitz in Rüdersdorf bei Berlin beschäftigt an mehr als 120 Standorten zwischen Flensburg und Garmisch alleine mehr als 1500 Mitarbeiter.

Mit Stand Februar 2020 hat der Baustoff-Konzern seine spezifischen Netto-CO2-Emissionen gegenüber dem Ausgangswert von 1990 bereits um mehr als 22 Prozent gesenkt. „Aber wir erkennen an, dass dies nicht ausreicht. Deshalb haben wir uns ein ehrgeizigeres Ziel gesetzt: die Verringerung der spezifischen Netto-CO2-Emissionen um 35 Prozent bis 2030“, heißt es.

Das neue Vorhaben stehe im Einklang mit dem Ansatz von „Science-Based Targets,“ der Klimawissenschaftlern zufolge eine Voraussetzung dafür ist, die Zielsetzungen des Pariser Abkommens zu erreichen. Cemex will diese Strategienun noch um eine längerfristige Vision ergänzen und nimmt sich vor, bis 2050 einen klimaneutralen Beton auf den Markt zu bringen. man sei sich sicher, dass Beton eine Schlüsselrolle beim Übergang zu einer CO2-neutralen Wirtschaft spielen werde und eine wesentliche Komponente bei der Entwicklung klimaschonender städtebaulicher Projekte, nachhaltiger Gebäude sowie widerstandsfähiger Infrastruktur darstelle, formuliert der Konzern.

„Der Klimawandel ist seit vielen Jahren eine Priorität für Cemex. Aber wir müssen noch mehr tun. Deshalb haben wir jetzt eine noch ambitioniertere Strategie definiert, um CO2-Emissionen bis 2030 zu reduzieren und bis 2050 einen klimaneutralen Beton liefern zu können “, sagt Cemex-CEO Fernando A. Gonzalez.

Cemex stellt CO2-Fahrplan für Investitionen auf
Um diese strategischen Ziele zu erreichen, hat der Konzern einen detaillierten CO2-Fahrplan aufgestellt, mit dessen Hilfe die Einführung bereits bewährter Technologien in allen Cemex-Anlagen auf dieser Welt beschleunigt werden kann. Dazu zählen Investitionen in die Energieeffizienz, der Einsatz von Ersatzbrennstoffen, die vermehrte Nutzung erneuerbarer Energien und die verstärkte Substitution von Klinker durch alternative Zementrohstoffe. Das neue Konzern-Ziel, bis 2050 einen klimaneutralen Beton anzubieten, zwinge dazu, offen für Innovationen zu sein, strategische Partnerschaften und Kooperationen einzugehen. Dabei gehe es Cemex auch darum, bahnbrechende Technologien weiterzuentwickeln, wie die Kohlenstoffabscheidung, -nutzung und -speicherung, neuartige Klinker mit niedrigem Wärmebedarf, alternative dekarbonisierte Rohstoffe, die Nutzung von gebrochenem Beton als rezyklierte Gesteinskörnung sowie die Förderung von Modellen der Kreislaufwirtschaft, die Abfall in Brennstoff umwandeln. Das Unternehmen nutze dabei selbst aktuell bereits 32-mal mehr Neben- und Abfallprodukte anderer Industrien als alternative Brenn- und Rohstoffe, als dass man Abfälle erzeugt und auf Deponien entsorgt. Insgesamt hat die deutsche Zementindustrie in den vergangenen fünf Jahren nach Angaben der Industrieverbände bis zu einer Milliarde Euro in ihre Maschinenparks sowie die Umwelttechnik in den Werken investiert. So wurden beispielsweise durch den Einsatz verbesserter Abgasreinigungstechniken die Emissionen verringert. Unter anderem ist das auch ein Grund dafür, dass der verschärfte Grenzwert für Stickoxide (NOx) von 200 mg/m³ durch die Zementhersteller eingehalten werden.

EU-Kommission muss Zementnorm überarbeiten
Für die Verringerung der CO2-Emissionen bietet die Reduktion des Klinkerfaktors im Zement besonders großes Potenzial. So wurden inzwischen neue Zementarten mit Klinkergehalten zwischen 35 und 64 Prozent entwickelt. Diese Zemente können aber erst dann eingesetzt werden, wenn die EU-Kommission die überarbeitete, europäisch harmonisierte Zementnorm EN 197 veröffentlicht hat. Zudem sind auf nationaler Ebene die Anwendungsregeln in der Betonnorm anzupassen. „Hier sind wir letztlich mit allen Beteiligten der Wertschöpfungskette Bau gemeinsam gefordert, um die klinkerärmeren Zemente auf dem Markt zur Anwendung zu bringen“, sagt der Präsident des Vereins Deutscher Zementwerke (VDZ) Christian Knell. Die Zementindustrie hat in den letzten Jahren unter dem Dach der European Cement Research Academy (ECRA) zudem mit Hochdruck an der CO2-Abscheidung (Carbon Capture) geforscht.

. Jasch Zacharias

Erschienen in Ausgabe: April 2020 | Seite 05

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