von Redaktion
Carbonbetonwerk C-Factory nimmt Betrieb auf
Offizieller Startschuss am 30. März im "Cube"
Der Freistaat Sachsen bleibt der internationale Hotspot des Carbonbetons. Das Bundesland geht für diesen Status einen nächsten gewaltigen Schritt: In Leipzig entsteht demnächst das weltweit erste Werk zur vollautomatischen Herstellung CO-speichernder Carbonbeton-Bauteile für den Hochbau.
Den offiziellen Startschuss dafür gab es am 30. März im sogenannten „Cube“. Dieses in Dresden entstandene Gebäude ist das erste, das nahezu ausschließlich aus Carbonbeton entstanden ist.
Federführend war seinerzeit die Technische Universität Dresden beteiligt (DBU berichtete). Die Hochschule ist nun auch beim Bau des Werks dabei. Doch hier hat die Wirtschaft das Sagen: Initiiert hat das Projekt die Kahnt & Tietze GmbH aus Leipzig. Zum Konsortium gehören zudem neben der TU Dresden auch das Betonwerk Oschatz, Schwenk Zement, die Prilhofer Consulting, ABS Storkow und das Forschungs- und Transferzentrum (FTZ) Leipzig der dortigen Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur (HTWK).
Praxiserfahrungen des „Cube“-Baus fließen in Werksprojekt ein
Das FTZ war auch am „Cube“ beteiligt. Es entwickelte und erprobte die Fertigungsprozesse. Die damals gewonnenen Erkenntnisse und Praxiserfahrungen fließen nun in die „C-Factory“ ein, wie das Carbonbeton-Fertigteil-Werk genannt werden soll.
In den kommenden vier Jahren wird die Pilotanlage in Leipzig aufgebaut, in Betrieb genommen und verschiedene Demonstrationsbauteile gefertigt. Das Vorhaben soll als Referenz für zukünftige Carbonbetonwerke und als Grundlage für die industrielle Skalierung einer klimafreundlichen Bauweise dienen. Die in der C-Factory entwickelten Bauteile und Produktionsverfahren sind dabei auf unterschiedliche Standorte übertragbar, hieß es Ende März.
Zuschläge sorgen für Kohlendioxid-Speicherung
Dass die dort hergestellten Bauteile tatsächlich Kohlendioxid (CO₂) speichern, liegt an Zuschlägen, die durch die Mineralisierung des Treibhausgases entstanden sind und ein wesentlicher Bestandteil des Herstellungsprozesses in Leipzig sein werden.
Carbonbeton ist selbst bereits CO₂-reduzierend. Anders als bei Stahlbeton kann die Bewehrung nicht korrodieren. Dadurch sind deutlich schlankere Betonagen möglich. Diese Baustoffeinsparung wirkt sich auch auf die Emissionen aus. In Summe lassen sich 80 Prozent an Ressourcen einsparen.
Das Verbundprojekt „C-Factory“ ist das größte sächsische Vorhaben aus der ersten Förderrunde der Bundesförderung Industrie und Klimaschutz, die noch vom Bundeswirtschaftsministerium der Ampelkoalition auf den Weg gebracht worden war. Die Fördersumme beträgt 14 Millionen Euro und wird bis 2029 ausgezahlt.
Wichtig für den Wirtschaftsstandort Sachsen
Auch aus Programmen der sächsischen Technologieförderung erhielt Kahnt & Tietze seit 2014 finanzielle Zuwendungen, die die Grundlage für die im Aufbau befindliche „C-Factory“ bilden. Für Sachsen ist das auch aus wirtschaftspolitischen Gründen bedeutsam, wie der Landeswirtschaftsminister Dirk Panter (SPD) betont: „Unsere Technologieförderung hat eine innovative sächsische Entwicklung beflügelt“, sagte er beim offiziellen Eröffnugnstermin Ende März im „Cube“. Die Technologieförderung ist für Panter mehr als ein Instrument zur Wirtschaftsförderung: „Sie hilft darüber hinaus, kluge Köpfe hier am Standort zu halten und neue zu gewinnen“, so der Minister.
Die Verbundenheit mit der Forschung ist sowohl für die Firmenlenker Alexander Kahnt als auch für Matthias Tietze aufgrund des eigenen Werdegangs eine Selbstverständlichkeit: Beide Geschäftsführer haben an der HTWK studiert und ihre Promotion gemeinsam an der TU Dresden abgeschlossen. Tietze blieb zunächst an der TU am Institut für Massivbau, während Kahnt am HTWK-Institut für Betonbau die Forschungsgruppe „Nachhaltiges Bauen“ ins Leben rief und führte.
Fertigungsprozesse in marktfähige Anwendungen überführt
Für das FTZ ist das Projekt ein wichtiger Meilenstein im Technologietransfer. Die Fertigungsprozesse zur Herstellung von Carbonbeton-Bauteilen werden damit in marktfähige Anwendungen überführt. Projektleiter der „C-Factory“ ist Professor Tilo Heimbold, wissenschaftlicher Direktor des Forschungs- und Transferzentrums: „Wir verfügen über langjährige Erfahrung in der Automatisierung von Fertigungsprozessen für die Industrie“, erklärte er bei der Startschuss-Veranstaltung im „Cube“. „Diese Erfahrung übertragen wir in diesem Projekt gezielt auf das Bauwesen, um die Produktivität und die Qualität zu steigern, zugleich die Emissionen zu senken.“
Bild oben: Die Geschäftsführer Alexander Kahnt (links) und Matthias Tietze (rechts) drücken mit Staatsminister Dirk Panter den Startknopf (Foto: Klaus Gigga/HTWK Leipzig)
von Redaktion