von Jasch Zacharias

Brutvögel blockieren Bau von 680 Wohnungen

Bezirk verbietet nach Antrag von Naturschützern Abriss seit Jahrzehnten verfallender DDR-Ruinen

Zu DDR-Zeiten war das Sport- und Erholungszentrum (SEZ) eine Attraktion, die nicht nur Gäste aus ganz Ostdeutschland, sondern auch beispielsweise aus Moskau, Bukarest und Pjöngjang anzog. Doch seit mehr als 23 Jahren  erholt sich dort niemand mehr. Das SEZ steht leer und gammelt als mit Müll und Unrat zugewucherte Ruine vor sich hin – auf einem 45.000 Quadratmeter großen Filetgrundstück mitten in Berlin.

 

Sehr lange hatte es überhaupt gedauert, bis die Wohnungsbaugesellschaft Berlin-Mitte (WBM) die Genehmigung für den Abriss sowie den Neubau von 550 Wohnungen bekommen hat. Am 2. März sollte dann endlich der Abriss des Schandflecks beginnen. Doch wieder einmal sorgen Naturschützer nun dafür, dass mitten in der von Wohnungsnot geplagten Hauptstadt ein wichtiges Bauprojekt in letzter Minute gestoppt wurde und sich wohl auf unbestimmte Zeit verzögert.

Mitten in Berlin - Menschenketten gegen Wohnungsbau


Wie die B.Z. berichtet, hat der von Grünen und Linken regierte Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg kurzfristig den Abriss des SEZ verboten. Grund ist ein Antrag von „Naturfreunde Berlin“ und „Gemeingut in Bürgerinnenhand“, der  per Gutachten belegt, dass auf dem Grundstück Nester von Haussperling und Hausrotschwanz zu finden sind. Doch nicht nur ökologisch motivierte Argumente stecken hinter der Ablehnung des Wohnungsbauprojekts, mit dem die Ruine des einstigen Prestigeobjekts von Erich Honecker & Co ein für alle Mal beseitigt werden würde.

Die Gegner des Projekts – darunter Vertreter der Partei Die Linke – riefen sogar zum Protest mit einer Menschenkette, um statt  dem Abriss den Erhalt des Gebäudes für „Schulschwimmen, Vereinssport und Freizeit“ zu ermöglichen. Allerdings begannen die Proteste erst, als die Pläne des CDU/SPD-Senats für den Bau bezahlbarer Wohnungen und einer Schule bekannt wurden  und auch durch das „Schneller-Bauen-Gesetz“ tatsächlich zügiger in Angriff genommen werden können.  
Offensichtlich geht es den SEZ-Beschützern hier weniger um Naturschutz und soziale Projekte als viel mehr um Ideologie und Kulturkampf, kritisieren Projekt-Befürworter. Was Bauunternehmer positiv aus dem Konflikt lernen können? Auf einem Grundstück in Friedrichshain-Kreuzberg gleich „mehrere Vögel zu haben“ bedeutet dort nicht etwa „plemplem“ zu sein, sondern zwingende Argumente gegen Abriss und Neubau von Wohnungen zu haben.

Bild: Gegen brütende Sperlinge ist vor dem  Abriss des Sport- und Erholungszentrums (SEZ) in Berlin-Friedrichshain zurzeit kein Kraut gewachsen. (Foto: Pixabay)

 

von Jasch Zacharias

Erschienen in Ausgabe: April 2026| Seite01

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