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(v.l.n.r.) Christian Gaebler, Staatssekretär in Berlin, Berlins Arbeitssenatorin Dilek Kolat, Klaus-Dieter Müller, Vize-Präsident der FG Bau, Michael Schrobsdorff, Präsident der FG Bau, Ines Jesse, Staatssekretärin in Brandenburg, sowie Reinhold Dellmann, Hauptgeschäftsführer der FG Bau.  (Foto: Heiko Metzger)
(v.l.n.r.) Christian Gaebler, Staatssekretär in Berlin, Berlins Arbeitssenatorin Dilek Kolat, Klaus-Dieter Müller, Vize-Präsident der FG Bau, Michael Schrobsdorff, Präsident der FG Bau, Ines Jesse, Staatssekretärin in Brandenburg, sowie Reinhold Dellmann, Hauptgeschäftsführer der FG Bau. (Foto: Heiko Metzger)

„Bierfete“ ist größter Branchentreff der Hauptstadtregion

FG Bau begrüßt über 500 Gäste zum traditionellen Sommerfest

DBU/Berlin – 500 Gäste, Sommerwetter, Fußball-Live-Übertragung und viel Politik-Prominenz. Das jährliche Sommerfest der Fachgemeinschaft Bau Berlin und Brandenburg e.V. (FG Bau) war ein riesiger Erfolg und ist seit vielen Jahren der größte Branchentreff der Bauwirtschaft in Berlin und Brandenburg. „Die ‚Bierfete‘ ist eine starke Marke“, sagte Reinhold Dellmann, Hauptgeschäftsführer der FG Bau zur Eröffnung der Veranstaltung, die am 17. Juni auf dem Lehrbauhof der Fachgemeinschaft in Berlin-Marienfelde stattfand.

Die prominentesten Gäste, die FG-Bau-Präsident Michael Schrobsdorff willkommen heißen konnte, waren Berlins SPD-Arbeitssenatorin Dilek Kolat, Ines Jesse, Staatssekretärin im brandenburgischen Landesministerium für Infrastruktur und Landesplanung (SPD), sowie Christian Gaebler, Staatssekretär in der Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt (SPD). Darüber hinaus waren zahlreiche Abgeordnete beider Landesparlamente nach Marienfelde gekommen. Darunter der stellvertretende Vorsitzende der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus Stefan Evers.
Auch die Spitzen des Bauindustrieverbandes Berlin-Brandenburg (BIBB) nahmen an der Bierfete teil: BIBB-Präsident Marcus Becker und Hauptgeschäftsführer Axel Wunschel.
Selbstverständlich war auch der baugewerbliche Nachwuchs auf der Bierfete vertreten, unter anderem durch die Nationalmannschaft der Stuckateure.
Höhepunkt des Rahmenprogramms bildeten zwei Ausstellungen: zum einen die Schau „Pflasterhandwerk - Zunft mit Zukunft“, die einen Einblick in die Geschichte des Pflasterhandwerks bot und zugleich einen Ausblick auf die Zukunftschance des Pflaster- und Straßenbauhandwerks warf. Die zweite Ausstellung unter dem Titel „Meisterhaftes Handwerk“ war ganz dem Meisterbrief gewidmet. Sie zeigte Meisterstücke und Abschlussarbeiten junger Handwerker, die im vergangenen Jahr in Berlin ihre Meisterprüfung erfolgreich absolviert hatten.

Michael Schrobsdorff, Präsident der Fachgemeinschaft Bau, sprach unter anderem über den Nachwuchsmangel.  (Foto: Heiko Metzger)
Michael Schrobsdorff, Präsident der Fachgemeinschaft Bau, sprach unter anderem über den Nachwuchsmangel. (Foto: Heiko Metzger)

Die Konjunktur läuft
Nach den Begrüßungsworten von Hauptgeschäftsführer Reinhold Dellmann trat FG-Bau-Präsident Michael Schrobsdorff ans Rednerpult. Er schilderte zunächst die aktuell gute Auftragslage der Baubranche und rief doch zugleich zu Demut auf, indem er eindringlich an die Zeiten erinnerte, als die Bauunternehmen „bei den Auftraggebern durch die Türritzen gekrochen“ sind.
Doch davon ist die Bauwirtschaft aktuell weit entfernt. Schrobsdorff verwies auf aktuelle Umfrageergebnisse, wonach 95 Prozent der Berliner und Brandenburger Bauunternehmen mit dem Konjunkturverlauf seit Jahresbeginn zufrieden sind.
Konjunktureller Wermutstropfen sei die Situation im Tief- und Straßenbau, speziell in Brandenburg. Dort sei die Situation noch immer von schwacher Nachfrage und schleppender Auftragsvergabe gekennzeichnet, so Schrobsdorff.
Im Anschluss sprach Schrobsdorff über die Arbeitskräftesituation der regionalen Bauwirtschaft. „400 Auszubildende fehlen uns. Jahr für Jahr“, so der Verbandspräsident. Soll heißen, in Berlin und Brandenburg scheiden jedes Jahr 400 Baufacharbeiter mehr aus dem Berufsleben aus, als neue Ausbildungsverträge geschlossen werden. Diese jährliche Fachkräftelücke solle laut Prognose mindestens bis zum Jahr 2030 fortbestehen.
Dabei werden die Ausbildungskapazitäten der FG Bau bei weitem nicht ausgereizt. „Aktuell bilden wir auf dem Lehrbauhof 200 Azubis aus“, so Schrobsdorff. Doch bietet die Ausbildungsstätte Platz für bis zu 1000 Auszubildende. Der Verbandspräsident forderte die Bauunternehmen auf, einen „anderen Blick auf die jungen Menschen von heute zu werfen“. Sicherlich sei die heutige Jugend nicht mehr so gut beim Kopfrechnen wie deren Eltern- und Großelterngeneration. Dafür aber seien die jungen Menschen viel schneller und sicherer im Einsatz elektronischer Geräte. „Sie sind im Rechnen nicht schlechter als wir, sie nutzen nur andere Wege und Mittel“, so Schrobsdorff.
Die Fachgemeinschaft Bau schaut dem sich verschärfenden Fachkräftemangel nicht tatenlos zu, sondern hat gleich mehrere Projekte zur Nachwuchswerbung aufgelegt. So berichtete Schrobsdorff über die Erfolge des Programms „Startklar für Ausbildung“. Seit dem Jahr 2013 konnten über die Ausbildungsinitiative 70 arbeitslose und zuvor nicht ausbildungsreife junge Leute in eine Bau-Ausbildung vermittelt werden. Damit erreicht das Programm eine Erfolgsquote von 58 Prozent.
Ende Mai hat die Fachgemeinschaft Bau zusammen mit der zuständigen Berliner Senatsverwaltung das Programm „Arrivo Bauwirtschaft“ ins Leben gerufen. Dieses bundesweit einmalige Projekt soll dazu beitragen, Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt und in die Gesellschaft zu integrieren.

Doch auch verbandsintern hat sich die Fachgemeinschaft Bau neu aufgestellt, um die Herausforderungen des Fachkräftemangels zu meistern. „Wir werden vier Nachwuchsreferenten einstellen“, so FG-Bau-Präsident Schrobsdorff. Aufgabe der Referenten sei es, die Unternehmen bei der Auswahl der Auszubildenden zu unterstützen, auch, um die Abbrecherquote möglichst gering zu halten.

Schneller genehmigen
„Ich bin stolz darauf, in dieser dynamischen Stadt Berlin zu wohnen“, sagte FG-Bau-Präsident Schrobsdorff. Doch im nächsten Atemzug übte der Verbandschef harsche Kritik an der Berliner Bürokratie. „Die Verwaltung muss ihre Arbeit erledigen und für schnellere Baugenehmigungen sorgen.“ Für Unternehmen sei Handlungssicherheit sehr wichtig. Selbst lange, jedoch planbare Wartezeiten seien akzeptabel. Aber die Ungewissheit, wann eine Baugenehmigung erteilt werde, sei nicht hinnehmbar. Schrobsdorff verwies darauf, dass diese ungewissen Wartezeiten das Bauen insgesamt verteuern würden. Was sich zwangsläufig auch auf Wohnungsmiet- und -kaufpreise niederschlage. Daher forderte Schrobsdorff ausdrücklich die Aufstockung des Personals in den zuständigen Verwaltungsbereichen. „Hier muss unbedingt etwas passieren.“

Berliner Investitionspolitik
Auch für die Investitionspolitik Berlins fand Schrobsdorff mahnende Worte. Aus seiner Sicht inves­tiert die Hauptstadt zu wenig. Im Ländervergleich rangiere Berlin auf einem der hintersten Plätze. „Hunderte von Millionen Euro waren bereits genehmigt, wurden aber nicht verbaut“, so Michael Schrobsdorff.
Mit Blick auf die brandenburgische Landespolitik fand der FG-Bau-Präsident vor allem für die Einführung der Meistergründungsprämie lobende Worte. Diese sei eine gute Investition in die Zukunft.

Senatorin sorgt sich um Beschäftigungsentwicklung
Berlins Senatorin für Arbeit, Integration und Frauen, Dilek Kolat, lenkte die Aufmerksamkeit der Bierfeten-Gäste auf die Beschäftigungsentwicklung am Bau. „Bis zum Jahr 2030 halbiert sich die Beschäftigung der Branche in Berlin“, so die Senatorin. Doch glücklicherweise sei Berlin eine wachsende Stadt, die viele junge Menschen anziehe. Seit dem Jahr 2005 erziele die Hauptstadt ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum.
Kolat sieht den Grund für das Wachstum in der Vielfalt und Internationalität Berlins, die auf viele junge Menschen, Gründer und Kreative aus dem In- und Ausland eine große Ausziehungskraft ausübe. Und von diesem Zuzug würden alle Wirtschaftsbereiche profitieren, schlussfolgerte Senatorin Kolat.

Anschließend griff Kolat die Kritik des FG-Bau-Präsidenten Schrobsdorff auf, wonach Berlin zu wenig investiere. Hier verwies die Senatorin auf die steigenden Investitionsausgaben und speziell auf die erwirtschafteten Haushaltsüberschüsse, die jeweils hälftig in die Schuldentilgung und in Infrastrukturinvestitionen fließen würden.

100.000 zusätzliche Wohnungen
In den kommenden Jahren seien 22.000 neue Schulplätze nötig, so Kolat, die anhand dieser Zahl das rasante Wachstum der Stadt Berlin verdeutlichte. „Berlin wächst schneller, als gebaut werden kann.“ 100.000 zusätzliche Wohnungen habe Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller als Marschrichtung vorgegeben.
Dann gab Kolat auch noch einen Beschluss des Berliner Senats preis. Demnach sollen alle Berliner Schulen „durchsaniert“ werden. „Das ist eine immense Investition in Bildung und Infrastruktur“, so die Senatorin. Doch noch wichtiger als die steigenden Investitionen sei es, die Weltoffenheit der Stadt Berlin zu bewahren. „Wenn Berlin ausgrenzt, dann wird die Attraktivität der Stadt sinken und darunter werden die Menschen und die Wirtschaft leiden.“

Brandenburgs spezielle Herausforderung
Laut Ines Jesse, seit Mai Staatssekretärin im brandenburgischen Ministerium für Infrastruktur und Landesplanung, steht das Land Brandenburg vor der Herausforderung, die Anliegen wachsender Städte im Berliner Speckgürtel und schrumpfender Städte in der brandenburgischen Peripherie miteinander in Einklang zu bringen. Ziel sei es, die Lebensqualität überall im Lande auf ähnlichem Niveau zu halten. Um dies zu erreichen, habe das Land seit seiner Gründung bereits über 28 Mrd. Euro in Infrastrukturprojekte investiert. Und damit sei der Ausbau der Infrastruktur längst nicht abgeschlossen. So sehe der Verkehrswegeplan des Bundes bis zum Jahr 2030 Investitionen von 3,7 Mrd. Euro in brandenburgische Verkehrswege vor, sagte Staatssekretärin Jesse.

Mehr Akzeptanz für Baustellen
„Ich fordere mehr Freude über jede Baustelle.“ Mit diesen markanten Worten lenkte Christian Gaebler, Staatssekretär in der Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt, die Aufmerksamkeit der Bierfeten-Besucher auf die Widerstände, auf die Bauprojekte häufig in der Bevölkerung stoßen. „Jeder fordert neue Wohnungen“, so Gaebler. „Aber einige stellen sich vor jeden Hundeauslaufplatz, um dessen Bebauung zu verhindern.“
Der Berliner Staatssekretär betonte, dass der Senat längst verstanden habe, wie notwendig die Ertüchtigung der Berliner Infrastruktur sei. „Doch wenn wir irgendwo anfangen zu bauen, dann gibt es gleich wieder Beschwerden über zu viele Baustellen“. Gaebler warb um mehr Akzeptanz für Baumaßnahmen.

Feierlaune
Auf den offiziellen und politischen Teil der Veranstaltung folgte der gemütliche. Bis in die Nacht verweilten die Gäste auf dem Lehrbauhof. Die gute Baukonjunktur gab den Bauunternehmern, den Bauexperten und Funktionären auch allen Anlass zum ausgelassenen Feiern.

Erschienen in Ausgabe: Juli 2016 | Seite 10

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