von Jasch Zacharias
Biber bauen schneller als Behörden handeln
Dammbau zum Nulltarif: Tschechien spart 30 Millionen Kronen, weil Nagetier-Kolonie engagierter und effizienter arbeitet
Tiere bremsen durchaus nicht immer Bauprojekte aus, sondern beschleunigen sie mitunter. Allerdings eher nur, wenn sie in Eigenregie arbeiten und nicht von Naturschützern instrumentalisiert werden: Im Landschaftsschutzgebiet Brdy zwischen Pilsen und Prag in Tschechien zum Beispiel haben als geniale Baumeister bereits bestens bekannte Biber quasi über Nacht mehrere Dämme gebaut und damit die Wiesen in ein Feuchtgebiet verwandelt. Wie „Radio Prague International“ berichtet, hatten die Regionalbehörden dort seit sechs Jahren genau diese „Renaturierung“ geplant.
Biber brauchten keine Baugenehmigung
Die Baugenehmigung war erteilt und die Finanzierung nach Langem Hin und Her um Grundstücksgrenzen und Eigentumsverhältnisse bewilligt. In diesem Ausnahmefall hat das gründliche Abwägen von Recht und Ordnung der Bürokraten den Steuerzahler sogar viel Geld gespart. 30 Millionen Kronen (etwa 1,27 Millionen Euro) sollte das Bauprojekt kosten, doch die Biber waren schneller und effizienter. Die Behörden können ihr Glück kaum glauben. Keiner etwa, der sie in einer tschechischen Variante von „Verstehen Sie Spaß“ reinlegen will, ist hier am Werk gewesen. Und es steckte auch keine Nacht- und Nebel-Aktion übereifriger Naturschutz-Aktivisten dahinter: „Die Biber haben genau das gemacht, was wir geplant hatten. Und sie haben es kostenlos erledigt“, kommentierte Bohumil Fiser, Leiter der Naturschutzverwaltung, das Engagement der etwa acht Exemplare starken Biber-Kolonie im Bericht des Radiosenders.
"Bibermanagement" im Land Brandenburg: Bürokraten legen Sieben-Punkte-Programm für Umgang mit Tieren auf
Es könnte der Beginn einer wunderbaren „Win-Win“-Kooperation auch woanders in Europa zwischen Mensch und Tier, explizit zwischen Mensch und Biber, werden. Allein im Land Brandenburg leben mindestens 4.000 solcher Nagetiere. Doch wehe den Schreibtischtätern dort: Das „Bibermanagement“ im Landesumweltministerium hat bereits ein Sieben-Punkte-Programm aufgelegt, um den Umgang mit den Tieren zu regulieren. Den Bibern wird das jedoch völlig egal sein. Hauptsache, sie dürfen weiter Dämme bauen.
Bild: Der europäische Biber erreicht eine Länge zwischen einem und 1,30 Metern. (Foto: Pixabay)
von Jasch Zacharias
Erschienen in Ausgabe: Juni 2026 | Seite 01